Flüchtlinge kommen per Zug nach Dresden

UPDATE 10:30 Uhr:

Die ungarischen Behörden haben am Dienstagvormittag den von Flüchtlingen bedrängten Budapester Ostbahnhof geschlossen.

Polizisten forderten Reisende und Migranten dazu auf, die Bahnhofsanlage zu verlassen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur MTI. Am Vortag hatte die Polizei überraschend auf die Bahnsteigkontrollen verzichtet, die dazu gedient hatten, visumpflichtige Reisende ohne gültiges Visum für Österreich oder Deutschland am Besteigen der internationalen Züge zu hindern.

Daraufhin waren im Laufe des Montag rund 2000 Flüchtlinge mit Zügen über Wien in Richtung München gefahren. Am Dienstagmorgen führte die Polizei wieder Bahnsteig-Kontrollen durch und ließ keine Flüchtlinge in die internationalen Züge. Wenig später wurde der Bahnhof ganz dichtgemacht.

In der sogenannten "Transitzone" neben dem Ostbahnhof halten sich nach Angaben von Helfern und Aktivisten derzeit 1500 bis 2000 Flüchtlinge auf, die auf die Möglichkeit einer Weiterreise nach Deutschland warten.

Haupttext von 10:05 Uhr:

Die Flüchtlinge warten am Bahnhof von Budapest auf die Abfahrt in Richtung Deutschland.
Die Flüchtlinge warten am Bahnhof von Budapest auf die Abfahrt in Richtung Deutschland.

München/dresden - Nachdem die ungarische Polizei am Montag am größten Budapester Bahnhof überraschend aufgehört hat, Flüchtlinge am Besteigen der Züge Richtung Westen zu hindern, sind auch in Dresden Asylsuchende angekommen.

Wie Holger Uhlitzsch (35), Hauptkommissar bei der Bundespolizei, Inspektion Dresden, gegenüber MOPO24 erklärt, kamen mit den Zügen über Budapest im Laufe des Nachmittages 22 Flüchtlinge am Hauptbahnhof an. Dort wurden sie von der Bundespolizei selbst und von Unterstützern von "Refugees Welcome" in Empfang genommen und mit Essen und Getränken versorgt.

Neben einer sechsköpfigen Familie aus den palästinensischen Gebieten waren auch Flüchtlinge aus Pakistan, Bangladesch und Syrien darunter.

Auch für heute werden weitere Züge erwartet.

Die Flüchtlinge werden aber nicht sofort in Dresden untergebracht, sondern müssen zunächst nach Chemnitz in die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB). Dort geht die Zuständigkeit des Bundes dann an das Land Sachsen über und dort wird entschieden, in welche Erstaufnahmeeinrichtung in Sachsen die Flüchtlinge letztlich gebracht werden.

In der Bahnhofshalle sammelten sich Tausende Flüchtlinge, um von Budapest weiter nach Deutschland zu reisen.
In der Bahnhofshalle sammelten sich Tausende Flüchtlinge, um von Budapest weiter nach Deutschland zu reisen.

"Natürlich erwarten wir mit den relevanten Zügen weitere Menschen am Dienstag und in den kommenden Tagen. Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kollegen in Tschechien, die uns immer über die aktuelle Lage informieren", so Uhlitzsch.

Genaue Zahlen kann er jedoch nicht nennen, das sei momentan nicht abzuschätzen.

Wesentlich mehr Flüchtlinge als in Dresden kamen am Montagabend und in der Nacht zu Dienstag in München an. Im ersten der Züge von Budapest in Richtung München waren am Abend rund 400 Asylbewerber. In Rosenheim stoppte die Bundespolizei ihn und brachte 190 der Flüchtlinge zur Registrierung in eine ehemalige Kaserne.

Etwa 200 weitere konnten nach München weiterreisen. Sie wurden nach der Ankunft in einer Nebenhalle registriert. Am Abend erreichten noch weitere Züge mit Flüchtlingen den Münchner Hauptbahnhof.

Die Stimmung am Bahnhof war "ruhig" bis "euphorisch" gewesen, sagte ein Sprecher. Viele Flüchtlinge hätten bei ihrer Ankunft "Thank you, Germany" oder "We love you, Germany" gerufen. Auch Bürger waren vor Ort und begrüßten die Flüchtlinge mit Wasser und Lebensmitteln.

Die Polizei schätzte, dass bis Mitternacht zwischen 500 und 600 Flüchtlinge in München angekommen sind.

Zwei Flüchtlinge halten das Ticket für die Fahrt nach Deutschland in den Händen.
Zwei Flüchtlinge halten das Ticket für die Fahrt nach Deutschland in den Händen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Migration Aid saßen bisher auf Budapester Bahnhöfen rund 2000 Asylbewerber fest, weil ihnen das offenbar überforderte Einwanderungsamt keine Lager mehr zuwies.

Nach der Dublin-Verordnung ist derjenige Mitgliedstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Die EU-Kommission ermahnte Ungarn, europäisches Recht einzuhalten und alle ankommenden Flüchtlinge mit Fingerabdrücken zu registrieren.

Ein Großteil der Flüchtlinge kommt aus den Kriegsgebieten Syriens, Nordiraks und aus Diktaturen wie Eritrea. Rund 40 Prozent stammen aber auch vom Balkan und haben wenig Chancen auf ein Bleiberecht.

Speziell für sie eröffnet Bayern an diesem Dienstag das bundesweit erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge. In einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt sollen künftig 500 Flüchtlinge aus Südosteuropa untergebracht werden.

Durch enge Zusammenarbeit der Behörden sollen die Verfahren deutlich schneller als bisher abgewickelt werden. Ziel ist es, abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurückzuschicken.

Der Beschluss des Münchner CSU-Kabinetts hatte vom Juli hatte bundesweit Kritik hervorgerufen.

Fotos: dpa/Zoltan Balogh


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