Neues Asylheim: Bürgermeister hat klare Forderungen

Rendsburg - Für den Fall einer Wiedereröffnung der früheren Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg als Landesunterkunft für Flüchtlinge hat Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) dringende Forderungen an das Land.

Bürgermeister Pierre Gilgenast (rechts) und der damalige Innenminister Stefan Studt sehen sich die Erstaufnahmeeinrichtung in Rendsburg an (Archivbild).
Bürgermeister Pierre Gilgenast (rechts) und der damalige Innenminister Stefan Studt sehen sich die Erstaufnahmeeinrichtung in Rendsburg an (Archivbild).  © dpa/Carsten Rehder

Erforderlich sei nicht nur ausreichend erfahrenes Polizei- und Ordnungspersonal, sagte Gilgenast der Deutschen Presse-Agentur.

Es müsse auch von Anfang an genügend Kapazitäten für Kita-Betreuung, Schulunterricht und Sprachkurse geben. "Ich habe derzeit keine freien Kindergarten- und Grundschulplätze."

Wichtig sei auch ein gutes WLAN-Netz. Andernfalls drohten nicht wünschenswerte Ansammlungen von Flüchtlingen an Hotspots in der Stadt.

Auch ein finanzielles Problem macht dem Rendsburger Bürgermeister zu schaffen. Nach seiner Darstellung dauert es bisher mindestens ein Dreivierteljahr, bis neue Flüchtlinge in der amtlichen Bevölkerungsstatistik auftauchen und dann entsprechende Zuweisungen fließen.

In der Zwischenzeit fielen aber Kosten an, die nicht zurückerstattet würden. So habe sich im vergangenen Jahr eine Lücke von 800.000 Euro ergeben, weil bei den Zuweisungen des Landes aktuelle Flüchtlingszahlen nicht berücksichtigt gewesen seien, sagte Gilgenast. "Ich glaube, das ist landesweit ein Thema für die Kommunen."

Wenn sich das Land für Rendsburg als Standort für eine Erstaufnahme von bis zu 500 Flüchtlingen entscheiden sollte, könne es die Kaserne jederzeit reaktivieren, sagte Gilgenast.

Entlastung für Standorte in Neumünster und Boostedt

Pierre Gilgenast (rechts) hat klare Forderungen an das Land im Falle einer Wiedereröffnung der Landesunterkunft für Flüchtlinge (Archivbild).
Pierre Gilgenast (rechts) hat klare Forderungen an das Land im Falle einer Wiedereröffnung der Landesunterkunft für Flüchtlinge (Archivbild).  © dpa/Carsten Rehder

Das Land habe sie von einem Privateigentümer gepachtet, sodass die Stadt nicht zustimmen müsste. Dass die Regierung das Gespräch mit ihm gesucht habe, sei sehr positiv.

Innenstaatssekretär Torsten Geerdts war am Montag vergangener Woche nach Rendsburg gekommen, um mit dem Bürgermeister zu sprechen. Wichtig sei ihm auch die Zusage, dass im Fall einer entsprechenden Entscheidung nicht nur Menschen mit schlechter Bleibeperspektive nach Rendsburg kommen sollen, sagte Gilgenast. Er rechne in diesem Fall mit einem Belegungsbeginn im März nächsten Jahres.

Für problematisch hält der Bürgermeister es auch, dass traumatisierte Flüchtlingskinder erst nach drei Jahren in einer Regelschule an ein Förderzentrum dürften.

Es gebe Fälle, in denen zehn Jahre alte Kinder, die nach schrecklichen Erlebnissen in Kriegsgebieten kein Schmerzbewusstsein hätten, auf Mitschüler und Lehrer angreifen.

Abweichend von seinem früheren Konzept zieht das Land jetzt eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung in Betracht, auch um die Standorte Neumünster und Boostedt zu entlasten.

Laut Innenministerium hat die Landesregierung dafür im Haushaltsentwurf für 2019 zusätzlich zehn Millionen Euro eingeplant.

Titelfoto: dpa/Carsten Rehder


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