Flüchtlings-Familie rettet Sächsin (22) vor dem Feuertod

Die drei Retter aus Syrien: Mahmoud Turani (61) mit seinen Neffen Ahmed (18, l.) und Mohammed (15).
Die drei Retter aus Syrien: Mahmoud Turani (61) mit seinen Neffen Ahmed (18, l.) und Mohammed (15).

Von Bernd Rippert

Plauen – Eine bewegende Geschichte im Vogtland: Bei einem Brand in der Reißiger Straße wurde eine Mieterin (22), die vom Feuer eingeschlossen war, von einer syrischen Flüchtlingsfamilie vor dem sicheren Tod gerettet.

Nachts schlugen Flammen aus der Wohnung von Tanja C. im Obergeschoss. Eine syrische Asylbewerberin aus dem Nachbargebäude bemerkte das Feuer, weckte Schwiegervater Mahmoud Turani (61) und dessen Neffen Ahmed (18) sowie Mohammed (15).

Mahmoud sah aus dem Fenster: „Das war sehr gefährlich.“ Er wählte den telefonischen Notruf 112. „Doch die verstanden mein Deutsch kaum, hörten Reichenbach. Ich brüllte: ,Nein, Plauen!‘“

Derweil liefen die jungen Neffen vors Haus, sahen die Nachbarin am Fenster stehen.

„Die Scheiben platzten vor Hitze“, sagt Ahmed Turani. „Da rissen wir den Lattenzaun am Vorgarten ab und stellten ihn als Leiter ans Haus, um die Frau aus der Wohnung zu holen. Aber der Zaun war zu kurz.“

Feuer in der Reißiger Straße: Nachts schlugen Flammen aus dem Obergeschoss. Die Feuerwehr rettete eine Mieterin (22).
Feuer in der Reißiger Straße: Nachts schlugen Flammen aus dem Obergeschoss. Die Feuerwehr rettete eine Mieterin (22).

Zum Glück kam die Feuerwehr, holte Tanja C. aus dem Appartement und löschte den Brand. Die Ursache für das Feuer ist bisher unbekannt.

Die Mieterin kam vorübergehend ins Klinikum, später bei Bekannten unter.

Hausbesitzer Dr. Frank Bürner (53) ist den Syrern dankbar: „Sie haben ein Leben gerettet und mein Haus vor der Zerstörung bewahrt.“

So viel Glück hatte Mahmoud Turani nicht. Er sagt: „Meine beiden Söhne wurden in Syrien getötet. Ich hoffe, dass wir bleiben dürfen und ich bald wieder als Bauingenieur arbeiten darf.“

Das Brandhaus in der Reißiger Straße hat übrigens eine Vorgeschichte – als Horror-Haus. Im April 2013 brachte hier Steffi K. (51) ihre Tochter Jenny (9) im Psychosenwahn mit einer Schere um.

Diesen Lattenzaun nutzten Mohammed und Ahmed als Leiter, um die Nachbarin zu retten.
Diesen Lattenzaun nutzten Mohammed und Ahmed als Leiter, um die Nachbarin zu retten.

Diese Familientragödie erschütterte damals die Spitzenstadt. Steffi K. hatte am frühen Morgen mit einer Schere wie von Sinnen auf ihre Tochter eingestochen. Danach öffnete sie ein Fenster und warf unter lauter Musik schreiend ihren halben Hausrat sowie die Spielsachen von Jenny in den Vorgarten.

Nachbarn riefen die Polizei. Doch die musste die Wohnungstür erst gewaltsam öffnen, weil die Mutter sich verbarrikadiert hatte. Der Notarzt versuchte damals noch, das in einer Blutlache liegende Mädchen wiederzubeleben. Vergeblich.

Die Mutter wurde in eine Psychiatrie eingewiesen. in der Folge hagelte es Vorwürfe gegen das Jugendamt des Vogtlandkreises. Denn Steffi K. galt als verwirrt. Die Polizei holte sie nach Aussagen von Nachbarn mehrfach ab, ermittelte auch wegen Körperverletzung gegen Steffi K. Die kranke Mutter wurde vor der Bluttat schon einmal zeitweise in die Psychiatrie eingewiesen.

Der Vogtlandkreis bestätigte die Vorgeschichte der Mutter damals. Das Jugendamt hatte Jenny 2012/13 für sechs Monate in ein Kinderheim gebracht. Ab 21. Februar lebte das Mädchen wieder bei der Mutter – mit Zustimmung des Jugendamtes, das das Kindeswohl nicht mehr gefährdet sah. Fünf Wochen später tötete Steffi K. ihre Tochter.


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