Es brachte hunderte Menschen nach Europa: Flüchtlingsboot in Wittenberg angezündet

Lutherstadt Wittenberg - Unbekannte haben das Flüchtlingsboot in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) in der Nacht zum Samstag in Brand gesteckt und vollständig zerstört.

Auf dem 15 Meter langen Boot waren im Jahr 2013 244 Menschen von Libyen nach Sizilien geflüchtet.
Auf dem 15 Meter langen Boot waren im Jahr 2013 244 Menschen von Libyen nach Sizilien geflüchtet.  © DPA

Das Boot war im Rahmen der Weltausstellung Reformation 2017 als Exponat Am Schwanenteich aufgestellt worden, wie die Polizei am Samstag mitteilte.

Die Polizei wurde gegen 4 Uhr über das Feuer in Kenntnis gesetzt und hat den Brandort abgesperrt. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Das Boot sei ein Artefakt, ein Symbol der ungerechten Verteilung und Behandlung der Ressourcen, sagt Wissenschaftler Michael Leube 2017. "Rund 240 Menschen aus Eritrea, die wir in Europa so dringend brauchen, wurden - nach ihrer Flucht mit dem Boot - wieder in eine ungewisse Zukunft zurückgeschickt. Und ein Wrack aus Stahl und Holz kommt bis nach Wittenberg", sagt er mit Blick auf die europäische Flüchtlingspolitik.

Das Originalboot ist der überdimensionale Teil einer Installation von rund 40 symbolischen Flüchtlingsbooten auf dem Schwanenteich, der das Mittelmeer symbolisiert, während der Weltausstellung in Wittenberg. In der Kleinstadt hatte vor 500 Jahren der Reformator Martin Luther (1483-1546) mit seinem Thesenanschlag die Menschen aufgerüttelt und so weltweit Veränderungen in Kirche und Gesellschaft eingeleitet. Der Freiheitsgedanke sei ein zentraler Gedanke Luthers gewesen, hatte der Geschäftsführer des Vereins Reformationsjubiläum 2017 betont. Der Verein hat das Boot laut Leube für die Weltausstellung erworben.

Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 034914690 im Polizeirevier Wittenberg zu melden. Eine Schadenssumme ist noch nicht bekannt.

UPDATE, 16.50 Uhr: Laut Polizei werde derzeit in alle Richtungen ermittelt. Eine politisch motivierte Tat könne nicht ausgeschlossen werden.

Für Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) wäre das "ein Tiefpunkt für Wittenberg". Auch die Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, äußerte sich entsetzt. "Ich bin bestürzt über diese gezielt eingesetzte Gewalt gegen ein Mahnmal für Mitmenschlichkeit, gegen ein Erinnerungsmal für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe - genau an dem Tag, der mahnend erinnert an vor 80 Jahren gezielt gesetzte und organisierte Gewalt gegen Mitmenschen, gegen ihr Hab und Gut und ihre Gotteshäuser", sagte sie laut Mitteilung. Junkermann rief dazu auf, sich klar von solchen Gewaltakten zu distanzieren und sie nicht zu verharmlosen.

Nach Angaben der Stadt wurde die Steuerkabine des Bootes vollständig zerstört und der Rumpf stark beschädigt. Vier Feuerwehrkameraden und ein Löschfahrzeug seien im Einsatz gewesen. Das Flüchtlingsboot war als "Denkmal der Menschlichkeit, Konsequenz und Rechtsstaatlichkeit" aufgestellt worden.

Das knapp 16 Meter lange und fünf Meter breite und fünf Meter hohe, knapp 24 Tonnen schwere originale Flüchtlingsboot wurde für den Transport von der Mittelmeerinsel Sizilien nach Deutschland in Teile zerlegt. (Archivbild)
Das knapp 16 Meter lange und fünf Meter breite und fünf Meter hohe, knapp 24 Tonnen schwere originale Flüchtlingsboot wurde für den Transport von der Mittelmeerinsel Sizilien nach Deutschland in Teile zerlegt. (Archivbild)  © DPA

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