Versuchter Totschlag in Flüchtlingsheim: 35-Jähriger vor Gericht

Kiel - Für eine lebensgefährliche Messerattacke auf seine ehemalige Lebensgefährtin muss sich ein iranischer Flüchtling von Mittwoch an vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Die Flüchtlingsunterkunft in Boostedt
Die Flüchtlingsunterkunft in Boostedt  © DPA

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35 Jahre alten Asylbewerber vor, die Frau aus Eifersucht und verletztem Ehrgefühl Mitte September 2018 in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt (Schleswig-Holstein) mit einem Messer attackiert zu haben (TAG24 berichtete).

Ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

Die Frau wurde der Anklage zufolge durch einen Stich in die Lunge lebensbedrohlich verletzt, konnte aber gerettet werden.

Sie hatte sich nach Flucht und gemeinsamer Einreise in Deutschland von dem Angeklagten getrennt.

Empörung hatte auch ausgelöst, dass der gewalttätige Übergriff bei einer Einwohnerversammlung mit Innenminister Hans-Joachim Grote über Flüchtlingskriminalität nicht angesprochen worden war (TAG24 berichtete).

Der Bürgermeister des Ortes hatte zuvor die Zustände um die Erstaufnahmeeinrichtung öffentlich angeprangert.

Grote versprach Abhilfe. Anfang März hatte das Schwurgericht einen iranischen Flüchtling wegen einer Messerattacke auf einen Afghanen in der Unterkunft zu einer Haftstrafe verurteilt.

Das Schwurgericht plant drei Verhandlungstage. Das Urteil könnte demnach am 17. April verkündet werden.

Update, 11.28 Uhr:

Zum Prozessauftakt am Montag schwieg der angeklagte Iraner auf Rat seines Verteidigers vor Gericht. Nach Angaben eines Kriminalbeamten hatte er die Tat in ersten Vernehmungen bestritten.

Ein Security-Mitarbeiter sagte aber in seiner Zeugenvernehmung, der 35-Jährige sei derjenige gewesen, den andere Flüchtlinge gestoppt und bis zum Eintreffen der Sicherheitskräfte festgehalten hätten. Der Griff des gebrochenen Küchenmessers habe neben dem Angeklagten gelegen, die Klinge in der Nähe des am Boden liegenden Opfers.

Der Iraner und die Frau, die er als seine Ehefrau bezeichnete, reisten nach Angaben der Anklage Anfang August 2018 gemeinsam nach Deutschland; beide kamen dann zunächst nach Boostedt.

Er durfte das Flüchtlingsheim wegen gewalttätiger Übergriffe gegen die Frau aber nicht mehr betreten und war auf ihr Betreiben in der Landesunterkunft Neumünster untergebracht worden.

Eltern schieben beim Spaziergang einen Kinderwagen über das Gelände der Unterkunft.
Eltern schieben beim Spaziergang einen Kinderwagen über das Gelände der Unterkunft.  © DPA

Titelfoto: DPA


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