Zu wenig Asylbewerber: Das passiert jetzt mit dem Containercamp in Johannstadt

Dresden - Sachsens einsamste Asylbewerberunterkunft ist Geschichte. Das landeseigene Containercamp in Dresden-Johannstadt wird abgebaut und dient künftig an anderer Stelle Feuerwehr-Anwärtern und Verwaltungs-Studenten als Quartier. Bislang hat in dem Potemkinschen Dorf keine einzige Seele gewohnt.

Das Containerdorf in Dresden-Johannstadt. Rechts hinten das Universitätsklinikum. Der Freistaat zahlte für die Container pro Monat zwischen 48 400 Euro (Juni 2016) und 657 800 Euro Miete (im Mai 2017). 2018 waren es pro Monat 131.270 Euro.
Das Containerdorf in Dresden-Johannstadt. Rechts hinten das Universitätsklinikum. Der Freistaat zahlte für die Container pro Monat zwischen 48 400 Euro (Juni 2016) und 657 800 Euro Miete (im Mai 2017). 2018 waren es pro Monat 131.270 Euro.  © Holm Helis

Die Fläche könnte auch ein Güterterminal sein: An der Ecke Blasewitzer Straße/Fetscherstraße reiht sich Container an Container. Es sind über 500. Jetzt werden sie abtransportiert.

Statt Waren sollten sie einmal Menschen beherbergen - konkret Flüchtlinge. Ende 2015 bis Februar 2016 hatte das Land auf dieser eignen Fläche eilig ein Wohndorf errichten lassen.

"Statt Notunterkünften wollte der Freistaat allen ankommenden Flüchtlingen einen winterfesten Unterkunftsplatz zur Verfügung stellen", erklärt der heutige Finanzminister Matthias Haß (51, CDU) die damalige Situation.

Immerhin wurden 2015 rund 70.000 Ankömmlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) des Landes registriert. Ein Abflauen schien nicht in Sicht. Doch 2016 kamen nur 14.860 nach Sachsen.

Mit Folgen: EAEs wie die Blasewitzer Straße wurden doch nicht gebraucht, kosteten aber weiter: seit dem Aufbau 5,1 Millionen Euro für Miete und Betrieb.

Demontage der ungenutzten Container. Obwohl dort nie ein Mensch wohnte, fielen hohe Betriebskosten an.
Demontage der ungenutzten Container. Obwohl dort nie ein Mensch wohnte, fielen hohe Betriebskosten an.  © Holm Helis

Im Herbst 2018 kaufte sie der Freistaat dann für 4,2 Millionen Euro. Das komme billiger, so Haß. Denn: "Landeseigene geeignete Container stehen nicht zur Verfügung."

Und anders als bislang ziehen nun Menschen ein. Nämlich an den neuen Container-Standorten Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Nardt, Ausbildungszentrum Niederbobritzsch und Verwaltungsfachhochschule Meißen.

Kritik kommt erwartungsgemäß von der AfD. Das Ganze sei eine "unverantwortliche Steuergeldverschwendung". Hätten die Container doch leer gestanden, weil man die Asylbewerber lieber dezentral untergebracht habe, was den "eh schon angespannten Wohnungsmarkt in Dresden" belaste, so der Landtagsabgeordnete André Wendt (47).

Die Container stehen künftig unter anderem an der staatlichen Verwaltungsschule in Meißen.
Die Container stehen künftig unter anderem an der staatlichen Verwaltungsschule in Meißen.  © DPA/ Daniel Bockwoldt
Die ungenutzten Räume wurden sogar bewacht. Kosten: bis zu 62.000 Euro pro Monat.
Die ungenutzten Räume wurden sogar bewacht. Kosten: bis zu 62.000 Euro pro Monat.  © dpa/Sebastian Kahnert
Finanzminister Matthias Haß (51, CDU).
Finanzminister Matthias Haß (51, CDU).  © Thomas Türpe

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