Neun Jahre Verspätung: Politik zweifelt an BER-Eröffnung im Herbst 2020

Berlin - Nach Bekanntgabe des Eröffnungstermins 31. Oktober 2020 für den Hauptstadtflughafen BER trauen etliche Berliner Politiker dem Frieden noch nicht so recht.

Journalisten gehen durch das Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). Der Flughafen soll am 31. Oktober eröffnen.
Journalisten gehen durch das Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). Der Flughafen soll am 31. Oktober eröffnen.  © Patrick Pleul/ZB/dpa

"Ankündigungen gab es schon einige, und auch der aktuelle Zeitplan ist sehr ambitioniert, deshalb ist Skepsis weiter angesagt", sagte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek.

Ihr FDP-Kollege Sebastian Czaja erklärte: "Es sind noch viel zu viele Faktoren ungewiss, als dass man diesem willkürlich benannten Tag überhaupt Glauben schenken kann - das lehrt allein schon die Erfahrung. Erst am Morgen des 31. Oktober 2020 wird sich zeigen, ob dieses Trauerspiel wirklich sein Ende gefunden hat."

Der AfD-Politiker Frank-Christian Hansel meinte, der Termin habe nichts mit der Realität zu tun. "Es ist angesichts der nach wie vor zahllosen Probleme auf der Baustelle nahezu ausgeschlossen, dass der BER tatsächlich am 31. Oktober des nächsten Jahres in Betrieb geht."

Der Grünen-Vorsitzende Werner Graf wandte sich gegen eine Erweiterung des BER. "Der Luftverkehr schadet nicht nur dem Klima, sondern belastet die Menschen auch massiv mit Lärm und Ultrafeinstaub. Ein weiterer Ausbau des BER darf nicht unser Ziel sein."

BER-Chef Lütke Daldrup: Erste Flieger landen am Tag der Eröffnung

Engelbert Lütke Daldrup präsentiert auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung des Flughafen Berlin Brandenburg (BER) die Pläne für den Umzug.
Engelbert Lütke Daldrup präsentiert auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung des Flughafen Berlin Brandenburg (BER) die Pläne für den Umzug.  © Gregor Fischer/dpa

Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup erklärte derweil, dass noch am Eröffnungstag des BER auch die ersten Maschinen landen sollen. Die ersten Starts wiederum seien für den Tag danach anberaumt, sagte der BER-Chef am Freitag.

Der Umzug vom bisher wichtigsten Flughafen Tegel zum neuen Flughafen in Schönefeld soll demnach in drei Schritten erfolgen.

Am 31. Oktober zögen die größte Airline Easyjet sowie einige weitere Fluggesellschaften um, sagte Lütke Daldrup. Der nächste Schritt mit weiteren Airlines ist laut dem BER-Chef für den 3. und 4. November geplant. Die letzte Phase betreffe dann die Schließung von Tegel am 8. November. Wann die Lufthansa-Gruppe als zweitgrößter Anbieter in Berlin umziehen soll, sagte er nicht.

"Wir haben Defizite und wir haben eine Menge komplexen Handlungsbedarf", sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider nach der Sitzung des Gremiums mit Blick auf die mehrfach verschobenen Eröffnungstermine der vergangenen Jahre sowie die gravierenden Baumängel, die dazu führten. "Trotzdem glauben wir, wir schaffen das."

Mehr zum Thema Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0