Schließung steht fest: Das sind die Pläne für den Flughafen Tegel

Der Abriss des "Taxiways" ist bereits beauftragt.
Der Abriss des "Taxiways" ist bereits beauftragt.  © dpa/Sophia Kembowski

Berlin - In weiter Ferne hört man am Flughafen Tegel bereits die Abrissbagger anrollen. Trotz eines erfolgreichen Volksbegehren, hält der Senat an der Schließung fest und hat sogar schon erste Abriss-Aufträgeaufträge vergeben.

204.000 gültige Stimmen führten zum ersten Etappensieg der Bürgerinitiative "Berlin braucht Tegel", die für den Erhalt des Flughafen Tegels kämpft. Die Türen stehen offen für einen Volksentscheid, wahrscheinlich am 24. September, der gleichzeitig auch Tag der Bundestagswahl ist.

Aber der Senat zeigt sich von dem klaren Urteil aus der Bevölkerung unbeeindruckt. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (52, SPD) hält an der Schließung Tegels fest, wie er in einem Interview mit RBB-Inforadio am Donnerstag mitteilte: "Wir haben die Planfeststellung und die Genehmigung für Schönefeld bekommen - auch auf der Grundlage, dass andere Kapazitäten geschlossen werden."

Zwei Flughäfen bedeuten für Berlin und Senat eine neue Planfeststellung, die Tegel und Schönefeld möglicherweise "ins Rutschen" bringen.

Im sechseckigen Hauptgebäude könnten schon bald Studenten unterrichtet werden.
Im sechseckigen Hauptgebäude könnten schon bald Studenten unterrichtet werden.  © dpa/Ralf Hirschberger

Die Pläne sind, anders als nach der Schließung des Flughafen Tempelhofs, weit fortgeschritten. Die landeseigene Tegel Projekt GmbH, die 2011 ins Leben gerufen wurde, plant im Auftrag des Senats die Entwicklung des Geländes. Alle Planungen, Gutachten und Aufträge, die im Rahmen einer Nutzung nach dem Flugbetrieb erstellt und vergeben wurden, wären ein Fall für den Papierkorb, berichtet die Berliner Morgenpost.

"Sobald die Flugzeuge weg sind, können wir anfangen zu bauen", sagte Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Projektgesellschaft gegenüber der Morgenpost. Die Nutzungspläne sind vielschichtig und lassen viel Raum für Neues zu.

So könnte beispielsweise die Beuth-Hochschule in das sechseckige Flughafenterminal ziehen. Dies wäre die ideale Voraussetzung, um die Studiengänge der "urbane Technologie" künftig an diesem Standort ansässig zu machen.

Aber auch weitere Pläne, wie ein Start-up-Zentrum ("Base Camp") im westlichen Teil des Terminal D oder die Ausbildungsakademie der Berliner Feuerwehr, würden hier realisiert werden.

"Tegel wird in seiner bisherigen Form nicht weiter bestehen bleiben," so die Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek (40).
"Tegel wird in seiner bisherigen Form nicht weiter bestehen bleiben," so die Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek (40).  © dpa/Britta Pedersen

"Wir planen hier fünf Quadratkilometer neue Stadt", sagte der Projektchef Bouteiller. Laut Auftrag soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 der Bau beginnen. Von diesem Vorhaben hängt viel ab. Es gehe um Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und die Entwicklungsbranchen der Berliner Wirtschaft.

Auch sind 5000 neue Wohnungen im Schumacher-Quartier nordöstlich des Terminals geplant. In der aktuell bestehenden Diskussion um neuen und bezahlbaren Wohnraum, sicherlich ein Hauptargument für die Schließung.

Es sei außerdem ein Trugschluss zu glauben, dass man auch nach der Eröffnung von BER, bequem vom Flughafen Tegel fliegen kann. Die meisten Airlines wechseln zum neuen Standort nach Schönefeld und was bleibt da noch in Tegel?

"Vielen ist die Dimension unseres Vorhaben offenbar nicht klar," so Bouteiller gegenüber der Berliner Morgenpost. Es ist außerdem fragwürdig, ob der Airport Tegel neu genehmigt wird, ergänzt Kapek in der Morgenpost.

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie stark der Druck aus der Bevölkerung auf den Senat wird und wie dieser im Falle des Festhalten an der Schließung gegen etwaige Kritik - trotz Volksentscheid - reagieren wird.

Titelfoto: dpa/Sophia Kembowski


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