Wirtschaftsmacht Flughafen Tegel: Hier klingelt die Kasse!

Trotz aller Wehwehchen, erweist sich der Flughafen Tegel als Gelddruckmaschine.
Trotz aller Wehwehchen, erweist sich der Flughafen Tegel als Gelddruckmaschine.  © DPA

Berlin - Unermütlich seit 57 Jahren des zivilen Luftfahrtverkehrs: Flughafen Tegel. Auch wenn man ihm sein Alter ansieht, ist er nach wie vor eine Fleißbiene. 21,2 Millionen Passagiere wurden 2016 abgefertigt. Doch ein Ende des Flugbetriebs in Reinickendorf ist in Sicht, wobei man beim nach dem aktuellen FBB-Geschäftbericht durchaus nochmal darüber nachdenken sollte, wie die Berliner Zeitung berichtet.

Die Zahlen sind so schwarz wie die Nacht und jenseits von Rot und böse: 118,8 Millionen Euro erwirtschaftete der Flughafen Tegel im vergangenen Jahr - rekordverdächtig! Die Berliner Flughafen-Gesellschaft (BFG), eine Tochter der FBB, reibt sich die Hände.

"Tegel war immer die Cash Cow der Flughafengesellschaft", so der frühere Flughafenchef Hans-Henning Romberg. Kratzt man jedoch die Überschüsse der letzten neun Jahre einmal zusammen, ergibt ingesamt ein satter Gewinn von rund 730 Millionen Euro. Kleine Brötchen werden am TXL nicht gebacken. Eine wahre, zugleich umstrittene Wirtschaftsmacht.

Bundesverkehrsminister Dobrindt stellt sich mit seiner Tegel-Befürwortung gegen die eigene Regierung.
Bundesverkehrsminister Dobrindt stellt sich mit seiner Tegel-Befürwortung gegen die eigene Regierung.  © DPA

Schließlich sieht eine Eröffnung des neuen Großstadtflughafens BER vor, das Flughafen Tegel sechs Monate später dicht gemacht wird.

Die Berliner FDP kämpft um den Erhalt des Flughafens und erhält Zuspruch aus den Lagern der CDU und AfD, sowie von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (47, CSU). 118,8 Millionen Euro bieten in Hinblick auf den am 24. September durchgeführten Volksentscheid, eine gute Grundlage für die Befürworter.

"Er zeigt, wie rentabel und wichtig der Flughafen für den heimischen Wirtschaftsstandort ist", sagt der Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja (34) der Berliner Zeitung. "Selbst mit notwendigen Investitionen in die Airport-Infrakstruktur und den Lärmschutz bleibt Tegel ein absoluter Gewinn für die Hauptstadt."

FDP-Fraktionsvorsitzender Czaja bieten die aktuellen Zahlen idealen Spielraum für den Volksentscheid.
FDP-Fraktionsvorsitzender Czaja bieten die aktuellen Zahlen idealen Spielraum für den Volksentscheid.  © DPA

Es muss erheblich in Tegel investiert werden, denn die Mängelliste des immer mal notdürftig geflickten Flughafens ist lang.

"Tegel wurde kaum erweitert, und wenn, dann zu niedrigsten Kosten. Es wurde nur wenig repariert, und wenn, dann nur so weit zwingend erforderlich - siehe Toiletten und Gepäckbänder", so Romberg. International schneidet der Flughafen nicht gut ab und kassiert wegen "schmutzig, alt und unfreundlich" herbe Kritik. Hinzu kommen "zu klein und zu laut".

TXL ist nicht nur ein Sparfuchs, sondern eben auch eine Gelddruckmaschine, nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen Vermiertungen von Verkaufsflächen. "Es wurden immer neue Flächen für Non-Aviation umgebaut", merkt Romberg an. Wo einst Ticketschalter und Flug-Informationen standen, wird heute fleißig Duty-Free betrieben. "Das ist keine schlechte Strategie, denn es generiert Umsätze", so der Ex-Flughafenchef Zeitung und ist auch davon überzeugt, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (60) drückt derweil auf die Euphorie-Bremse in Sachen schwarzer Zahlen in Tegel, schließlich können man die Überschüsse "nicht unmittelbar auf ihre Wirtschaftlichkeit schließen". Am 24. September wird aller Voraussicht nach über die Zukunft Tegel entscheiden. Vieles spricht dagegen, vieles für einen Weiterbetrieb. Gänzlich entscheiden darüber wird jedoch nicht der Bürger.

Das Hauptgebäude Tegels wirkt wie eine Shopping Mall aus den 70er Jahren.
Das Hauptgebäude Tegels wirkt wie eine Shopping Mall aus den 70er Jahren.  © DPA

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