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Folterprozess Höxter: Misshandelte Frau sagt aus

Am 18. Prozesstag im Folterprozess #Höxter sagen weitere Zeugen aus: Auch eine misshandelte Frau, die überlebt hat, soll angehört werden.
Wilfried W. sitzt zwischen seinen Anwälten Carsten Ernst (li.) und Detlev Binder (re.).
Wilfried W. sitzt zwischen seinen Anwälten Carsten Ernst (li.) und Detlev Binder (re.).

Paderborn - Im Folterprozess von Höxter-Bosseborn geht es weiter: Am 18. Verhandlungstag erwartet das Landgericht Paderborn wieder einige Zeugen. Darunter eine Frau, die von den Angeklagten massiv misshandelt wurde, jedoch überleben konnte.

Noch immer beschuldigen sich Wilfried W. (47) und Angelika W. (48) vor Gericht gegenseitig, die treibende Kraft gewesen zu sein. Zur Aufklärung der Verhältnisse hört das Landgericht nun weitere Frauen aus dem Umfeld der Angeklagten.

Beide sind wegen Mordes angeklagt. Bevor zwei Frauen mit ihrem Leben bezahlt haben, mussten sie unter den Umständen im Haus der Familie W. qualvoll leiden.

TAG24 berichtet ab Prozessbeginn wieder mit einem Live-Ticker direkt in diesem Artikel.

15.35 Uhr: Obwohl Kati K. von ihren Brüdern aus den Fängen von Wilfried und Angelika befreit wurde, Schläge und Misshandlungen erdulden musste, hoffte sie auch nach der Trennung immer noch auf eine Besserung der Situation.

Am 16. Juli 2009 flüchtete Kati. K. aus ihrer Wohnung und kehrte zu ihren Eltern nach Cuxhaven zurück. Noch danach gab es Liebesbekundungen per SMS oder WhatsApp von Kati K. in Richtung Wilfried. Das war im September 2009. Der Richter versteht dieses Verhalten nicht und befragt die Zeugin.

"Ich habe damals schon im Polizeiverhör gesagte, dass ich immer noch hoffte, dass sich die Situation ändert. Ich hoffte, dass die Einflüsse von Angelika nachlassen. Es war ein Versuch, ich war wieder alleine und ich wollte darüber reden", erzählte die Frau.

Damit wurde die Frau aus dem Zeugenstand entlassen. Nach dem Vorlesen einiger Schreiben, die Kati K. verfasst hat, schließt der Richter Emminghaus die Verhandlung.

15.15 Uhr: Die Zeugin Kati K. wurde von beiden psychiatrischen Gutachtern der Angeklagten sowie den Anwälten befragt. Doch über Allgemeinheiten kommen die Antworten nicht hinaus. Konkret kann sie auf keine Frage genau antworten.

"Ich wusste, dass Wilfried W. 1995 für knapp drei Jahre im Gefängnis saß. Als Grund hierfür nannte er mir "Schwarzfahren"", so die Zeugin über Wilfried.

Im Augenblick zieht sich die Verhandlung hin. Zeugin Kati K. steht beim Vorsitzenden Richter Bernd Emminghaus und bestätigt diverse Schreiben, deren Inhalt aber nicht der Öffentlichkeit vorgelesen werden.

14.45 Uhr: Der Zeugin Kati K. werden immer mehr Brief vorgelegt, die sie unterschrieben haben soll. Zum einen schrieb sie, dass sie ihren damaligen Golf 3 an Wilfried W. ohne Widerruf abgeben würde.

Zum anderen aber auch Zettel auf denen steht, dass Kati abnehmen müsse oder Wilfried W. lieben würde.

Die Zeugin fügte an: "Ich kann konkret zu den Zetteln und dem, was geschrieben wurde, nichts sagen. Ich habe keinerlei Erinnerungen an den Inhalt, wo und warum ich so etwas geschrieben habe.

Ich wurde auf jeden Fall angewiesen, ob von Wilfried oder Angelika, das weiß ich nicht mehr, die Inhalte so niederzuschreiben. Ich habe das gesamte Geschehen total verdrängt."

14.30 Uhr: Die Verhandlung wird fortgesetzt mit der weiteren Vernehmung von Kati K., die nach ihren Aussagen von Wilfried W. gequält wurde und schließlich vor Wilfried W. und Angelika W. flüchten konnte.

Es geht um kleine Zettel, die bei Wilfried gefunden wurden. Sie sollen von Kati K. geschrieben worden sein. Auf einem Zettel vom 3. Juli 2009, kurz vor Ende der Beziehung, schreibt Kati nur kurz: "Ich liebe Dich". Die Anregung, das zu schreiben, kam von Wilfried, so die Zeugin.

Richter Emminghaus liest jetzt aus einer Vollmacht vor, die Kati K. Wilfried gegeben haben soll. :"Hiermit erteile ich meinem Verlobten die Vollmacht, für mich eine Kündigungsschutzklage zu erstatten. Außerdem bevollmächtige ich Wilfried W., für mich alle Unterschriften zu leisten." Die Zeugin steht vorne beim Richter und soll bestätigen, dass diese Vollmacht von ihr stammt. Sie ist sich unsicher.

12.55 Uhr: Jetzt befragt Detlev Binder, Strafverteidiger von Wilfried W., die Zeugin. Es geht um das Erinnerungsvermögen.

"Ich habe bis auf die Verhöre der Polizei nie mit irgendjemandem über die Ereignisse mit Wilfried und Angelika gesprochen. Es war einfach erniedrigend für mich. Ich habe alles, was mich an die Zeit erinnert, vernichtet. Ich habe versucht, alles zu verdrängen. Ich habe inzwischen große Erinnerungslücken an die Zeit. Ich weiß nur, dass die Zeit mit Wilfried im Laufe der Zeit immer unerträglicher wurde. Ich kann mich definitiv an Faustschläge erinnern, die Wilfried austeilte."

Man merkt der Zeugin an, dass sie die Vernehmung sichtlich strapaziert. Detlev Binder fragt immer wieder nach Details, die die Zeugin aber nicht beantworten kann. Vermutlich werden bei der Zeugin Wunden wieder aufgerissen, die über die letzten Jahre geheilt schienen.

12.45 Uhr: "Die Schläge, die Wilfried mir gegenüber austeilte, wurden mit voller Wucht ausgeführt. Ich habe es niemandem erzählt, habe es mit mir selbst ausgemacht. Wilfried hat mir eingeredet, dass ich an den Schlägen selber Schuld sei. Irgendwann habe ich geglaubt, dass ich selbst für die Schläge, die ich erlitten habe, verantwortlich sei.

Angelika hat mir in den Telefonaten versucht, klarzumachen, dass ich Wilfried falsch behandeln würde. Ich hätte ihm nicht richtig zugehört, hätte mich falsch benommen. Ich hatte immer den Eindruck, dass sich Angelika und Wilfried ständig austauschten. Sie wusste alle Details meiner Beziehung mit Wilfried."

12.36 Uhr: Die Zeugin Kati K. erzählt weiter: "Ich weiß nicht mehr, wann es zu den ersten Misshandlungen kam. Mir wurde der Schlüssel von meiner Wohnung von Wilfried weggenommen. Wilfried erklärte mir, damit ich nicht flüchten kann und mir nichts passiert. Ich war mit dem Einsperren anfangs einverstanden. Ich habe nichts dagegen unternommen. Ich wusste auch nicht, was ich hätte unternehmen sollte.

Wilfried drängte auch immer wieder, dass ich Geld von meinen Großeltern besorge. Ich musste da immer wieder anrufen. Es kam öfter vor. Aber wie oft, weiß ich auch nicht mehr. Ich habe das alles verdrängt. Ich habe meinen Großeltern dann erzählt, dass ich Geld brauche, habe irgendwelche Geschichten erfunden. Wilfried war nicht immer dabei, wenn ich wegen Geldes telefonierte. Bei den Schlägen von Wilfried habe ich zum Teil Todesangst bekommen. Nicht nur, als er mir konkret mit dem Tode drohte.

Er erzählte mir, dass er viele Leute kennt, zum Beispiel aus der Rockerszene, die ihn unterstützen würden. Ich kann mich ansonsten nur noch in Bruchstücken an Misshandlungen und Drohungen erinnern. Ich weiß, dass ich von jedem Gespräch mit Wilfried genervt war. Ich habe versucht, auf die Belange von Wilfried einzugehen und Misshandlungen so zu vermeiden. Wenn ich bei Wilfried in der Wohnung war, habe ich dort sauber gemacht, wir haben gegessen, manchmal bin ich auch eingeschlafen. Es gab immer wieder Diskussionen über das, was ich gekocht habe."

12.30 Uhr: Die Verhandlung wird fortgesetzt. Ein Zeuge, der heute auch noch gehört werden sollte, wird erst einmal entlassen. Er wird für nächste Woche vorgeladen. Der Zeuge hat mit Wilfried W. gemeinsam in einer Zelle in Untersuchungshaft gesessen und soll über das Verhalten von Wilfried W. Auskunft geben. Das wird jetzt nächste Woche stattfinden. Die Vernehmung von Kati K., einem misshandelten Opfer von Wilfried und Angelika W., wird fortgesetzt.

Peter Wüller, Strafverteidiger von Angelika W., fragt nach den Tabletten, die Kati K. wegen ihrer angeblichen Epilepsie von Wilfried W. verabreicht wurden. Die Zeugin weiß nicht genau, woher die Tabletten kamen. Sie musste sie täglich nehmen, sagt die Zeugin. Sie weiß auch nicht genau, wie oft sie Schläge bekam. Es waren, so Kati K., vermutlich regelmäßig zweimal in der Woche, dass sie von Wilfried traktiert wurde.

12.15 Uhr: Kati K. berichtet weiter: "Ich war in meiner Wohnung eingesperrt. Ich hätte mir Hilfe holen können, ich habe es aber nicht gemacht. Warum ich das nicht getan habe, kann ich mir heute nicht mehr erklären. Angelika W. habe ich zu Ende meiner Beziehung mit Wilfried häufiger gesehen, vorher waren es nur Telefonate gewesen. Sie war auch in meiner Wohnung in Schlangen.

Wilfried kam, kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, schon mit einem Ring an. Wir waren dann verlobt. Er sprach dann auch davon, dass wir eigentlich auch heiraten könnten. Angelika sagte mir immer, ich solle es nicht glauben, dass mich Wilfried wirklich heiraten will. Das schlechte Verhalten von Angelika W. mir gegenüber könnte Eifersucht gewesen sein. Als ich Wilfried kennengelernt habe und zum ersten Mal in seiner Wohnung war, war ich doch ziemlich erschrocken. Sie war sehr heruntergekommen. Zu intimen Kontakten ist es dann sehr schnell gekommen."

Wilfried und Angelika W. müssen sich vor Gericht verantworten.
Wilfried und Angelika W. müssen sich vor Gericht verantworten.

11.50 Uhr: "Wilfried hat ungefähr 10.000 Euro von mir bekommen. Irgendwann hatte er auch eine eigene Geldkarte für mein Konto. So konnte er, ohne mich zu fragen, über mein Konto verfügen. Ich konnte nicht mehr über mein Konto verfügen. Es war kein Geld mehr auf dem Konto. Ich konnte kein Geld mehr selbstständig ausgeben. Nach den Gewalttätigkeiten wolle er meistens ins Bett mit mir. Es gehört aber wohl nicht zu seinen Praktiken, erst zu schlagen und dann mit mir ins Bett zu gehen. Aber die vorausgehenden Misshandlungen schienen ihn irgendwie doch anzuturnen."

11.45 Uhr: "Wilfried hat gezielt versucht, mich von meiner Familie zu isolieren. Er hat auch immer so kontrolliert geschlagen, dass man mir die Misshandlungen nicht ansah. Rechnungen, die Angelika oder Wilfried bekamen, wurden an meine Großeltern geschickt. Sie sollten die Rechnungen bezahlen. Ich habe überhaupt keine Post mehr zu meiner Wohnung nach Schlangen bekommen.

Wilfried hatte einen Nachsendeantrag zu seiner Wohnung gestellt. Wilfried kontrolliert dann meine Post ganz genau. Ich habe das gemerkt, weil es später Mahnungen für Rechnungen gab, die ich nie gesehen habe. Ich hatte irgendwann keine Sozialkontakte mehr, hatte keinen Kontakt mehr zu Freundinnen oder Verwandten, ich war isoliert.

11.35 Uhr: "Neben den Quälereien von Wilfried hat mich auch Angelika traktiert, zum Beispiel mit Pfefferspray. Einmal stand Angelika mit einer Schere vor mir, dann lag sie auf meinem Körper und hat mir die Haare abgeschnitten. Wilfried erzählte mir, dass er auch von Angelika gequält würde.

Zum Geld: Ich habe während der Beziehung neben dem Geld von meinen Großeltern auch einen Kredit aufgenommen und das Geld Wilfried zur Verfügung gestellt. Ich weiß nicht, wann ich den Kreditantrag unterschrieben habe. Vielleicht habe ich Wilfried auf irgendeinem Papier meine Unterschrift für den Kredit gegeben habe. Ich musste das Geld später der Sparkasse Detmold zurückzahlen.

Zu meinem Führerschein: Irgendwann war meine Fahrerlaubnis weg. Er wollte meine ganzen Papiere haben. Sie seien bei ihm sicher aufgehoben. Ich kann mir heute auch nicht mehr erklären, warum ich das alles zuließ. Aber ich wollte vermutlich nur einen Mann haben. Er war am Anfang sehr nett. Irgendwann habe ich meinen Führerschein wiederbekommen. Wilfried hatte ihn damals der Behörde gegeben, weil ich angeblich an Epilepsie erkrankt sei."

11.25 Uhr: "Irgendwann kam Wilfried zu mir und sagte 'Ich schlage Dich tot'. Irgendetwas hatte ich wohl wieder falsch gemacht. Das war ungefähr im Mai 2009. Da bin ich zu meinen Nachbarn, habe sie um Hilfe angefleht. Sie haben mich rein gelassen. Von dort habe ich meine Eltern angerufen. Es gab dann Anrufe von Wilfried bei der Nachbarin, wo ich Unterschlupf erhalten hatte. Meine beiden Brüder haben mich dann aus der Wohnung geholt und wieder nach Hause gebracht. Wilfried habe ich bei dieser Aktion nicht gesehen.

Ich bin dann zurück zu meinen Eltern nach Cuxhaven. Ein paar Wochen später habe ich in Begleitung meiner Eltern meine Wohnung in Schlangen aufgelöst. Angelika tauchte da plötzlich auf, schrie und schrie, und sagte, ich hätte Wilfried alleine gelassen. Am 16. Juli 2009 war ich wieder in Cuxhaven. Von Angelika erhielt ich dann auf dem Anrufbeantworter Botschaften mit massiven Beleidigungen, auch meine Eltern wurden belästigt. Ich wäre eine Schande, es waren Beleidigungen weit unter der Gürtellinie.

Von Wilfried habe ich nichts mehr gehört. Ich habe dann eine Strafanzeige bei der Polizei in Cuxhaven erstattet, gegen Wilfried. Das war am 28. September 2009. Ich habe da die ganze Geschichte bei der Polizei erzählt, von den Schlägen, Misshandlungen, Drohungen. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Ich habe mich nicht mehr darum gekümmert. Die Idee der Strafanzeige kam mir erst sehr spät. Ich musste erst einmal klar kommen mit der Situation, wieder ein normales Leben anfangen.

Vermutlich war meine Mutter die treibende Kraft, was die Strafanzeige anbelangt. Sie sagte damals, es könne so nicht weitergehen. Dann habe ich noch eine einstweilige Verfügung erwirkt, dass die beleidigenden Anrufe von Angelika unterbunden werden. Danach war dann wirklich Schluss mit den Anrufen von Angelika."

11.15 Uhr: "Ich habe die Schläge ertragen. Wilfried W. war mein erster fester Freund. Ich wollte meinen Bekannten beweisen, dass ich das mit der Beziehung schaffe. Deswegen bin ich bei ihm geblieben. Heute kann ich mir auch nicht erklären, warum ich nicht nach den ersten Schlägen einfach gegangen bin. Nach den Prügeleien wollte er dann meistens mit mir ins Bett.

Ich habe auch Angelika persönlich kennengelernt. Zuerst gab es nur Telefonate. Sie sagte mir immer nur, ich sei ein Störfaktor. Sie meckerte über alles, über mein Kochen, Saubermachen, meine Ordnung. Vermutlich hat sich Wilfried immer mit Angelika ausgesprochen. Daher wusste sie, was in meiner Beziehung mit Wilfried läuft. Ich musste bei Wilfried immer sauber machen, putzen. Er sagte immer, das sei Frauensache. Wenn ich mal nicht richtig geputzt habe, hat er mir mit Vorliebe ins Gesicht, auf den Kopf geschlagen.

Ich bin auch mal umgekippt. Wilfried diagnostizierte dann bei mir Epilepsie. Später stellte sich heraus, dass das Unsinn war. Er hat mir immer Tabletten hingelegt, die mir helfen sollte. Ich weiß nicht, was für Tabletten es waren. Durch die Tabletten wurden mir gewisse Dinge egal, ich stand ein wenig neben mir, ich hatte keinen richtigen Lebenswillen mehr. Wenn Wilfried sah, dass ich die Tabletten nicht mehr nehme, zwang er mich dazu."

11 Uhr: Die Zeugin schildert weiter: "Damals arbeitete ich in einem Supermarkt. Ich wohnte dann in Schlangen. Wir haben uns sehr oft in der Woche getroffen. Nachdem ich krank war, bin ich arbeitslos geworden. Ende 2008 kam die Kündigung. Wilfried traf mich immer nur am Abend. Er sagte, er müsse am Tag schlafen, und hätte ansonsten Nachtschicht. Es wurde zum Thema, dass wir zusammenziehen könnten. Aber zum Glück ist es nicht dazu gekommen. Er hatte immer tausend Ausflüchte.

Meine Eltern hatten regelmäßig Kontakt zu mir, hatten uns beide zu Weihnachten eingeladen. Das wollte Wilfried aber nicht. Geld spielte dann immer eine große Rolle. Von meinen Großeltern bekam ich Geld. Sie bezahlten meine Miete und ließen mir auch so Geld zukommen. Das Geld durfte ich dann an Wilfried weiterreichen. Er hat schon darauf gedrungen, dass ich regelmäßig Geld bekomme. Und das ging fast bis zum Ende der Beziehung, bis zum Juli 2009. Meine Eltern waren der Meinung, wenn kein Geld mehr fließt, ist die Beziehung eh vorbei. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich noch Geschwister hatte, auf der anderen Seite habe ich mich über die Geldzuwendungen gefreut.

In gewisser Weise hat mich Wilfried W. unter Druck gesetzt. Irgendwann kam dann Gewalt ins Spiel. Es waren in meinen Augen Nichtigkeiten. Er kam zu mir in meine Wohnung nach Schlangen. Wenn ich mich um das Essen kümmerte, gab es Schläge überall hin. Einmal habe ich zur Begrüßung direkt an der Tür eine Ohrfeige bekommen. Er sagte nur, ich wüsste schon, warum ich die bekommen würde.

Es waren wohl manchmal meine Nachfragen am Telefon, wenn ich etwas nicht verstanden hatte. Das mochte Wilfried W. überhaupt nicht. Die Schläge trafen mich am ganzen Körper, auch im Gesicht. Es hat alles gegeben. Wenn ich meine Hände zum Schutz hochriss, hat er noch kräftiger zugeschlagen. Er sagte mir damals, er würde Hanteltraining machen, um sich besser verteidigen zu können."

10.30 Uhr: Als nächste Zeugin wird nun Kati K. aussagen. Sie soll massiv in Bosseborn gequält worden sein. Ihre Aussage wird mit Spannung erwartet.

"Ich bin 31 Jahre alt. Ich arbeite in einem Parkhaus. Ich wurde schon einmal von Kriminalbeamten zu Hause verhört. Ich lebe jetzt in Bremerhaven und bin verheiratet. Ich lernte Wilfried W. 2008 über eine Anzeige kennen. Er hatte sich in der Anzeige fünf Jahre jünger gemacht. Das habe ich aber erst später erfahren. Zuerst haben wir SMS geschrieben, dann haben wir lange telefoniert. Er hat immer viel gefragt, wollte alles genau wissen, ob ich Familie habe, was ich mache, ob ich zuhause wohne. Es lag an seinen Fragen, dass die Telefonate so lange dauerten. Die Telefonate waren immer sehr spät abends, da er ja arbeiten musste. Er gab an, er habe Nachtschichten.

Dann haben wir uns in Bad Lippspringe getroffen, im Jahre 2008. Meine Eltern wussten davon, dass ich mich mit ihm treffe. Sie fanden das nicht so toll. Wir sind spazieren gegangen, im Laufe des Abends rief meine Mutter an, wie es aussehe. Wilfried fand das nicht gut, dass meine Mutter mich sozusagen kontrollierte. Es gefiel ihm nicht. Dann sind wir nach Hause gegangen. Ich bin nach Hause gefahren. Da gab es schon wieder ein Telefonat. Diesmal war es wohl Angelika, die mich kontaktierte. Es war nicht sehr freundlich. Sie fragte mich, warum ich auf meine Mutter hören würde, es war schon sehr seltsam.

Sie gab sich als die Schwester von Wilfried aus. Sie wollte mir ein paar Tipps geben, wie es mit Wilfried besser laufen könne. Danach gab es mehrere Gespräche, Telefonate, SMS, wieder mit Wilfried. Er zeigte mir irgendwann den Ort, wo er wohnte, in Berlebeck. Dann haben wir uns in seinem Haus getroffen. Und dann entwickelte es sich zu einer Beziehung. Unnormal war, dass die Telefonate immer nur am Abend stattfanden. Außerdem wollte Wilfried meine Eltern nicht kennenlernen.

Dann war ich für eine Zeit lang im Krankenhaus. Mir wurden die Mandeln entfernt. Das war September/Oktober 2008. Ich war hier in Berlebeck alleine, das gefiel mir aber. Es wurde zu einer intimen Beziehung."

10.30 Uhr: "Die Mutter schilderte Wilfried als sehr tierlieben Menschen, der sich immer um alle Lebewesen gekümmert habe. Er habe sein ganzes Leben lang Tiere gehabt. Zur Familie sagte die Mutter, Wilfried habe eine Schwester. Zu ihr gebe es aber keinen Kontakt und kein gutes Verhältnis. Soweit zur ersten Vernehmung vom 3. Mai 2016.

Zwei Monate später gab es eine weitere Vernehmung der Mutter von Wilfried W.. Wir hofften bei diesem Gespräch auf neue Erkenntnisse. Die Mutter erzählte hier, dass Angelika eine notorische Lügnerin und arbeitsscheu sei. Sie habe Wilfried immer wieder traktiert und dabei auch in den Bauch getreten. Die Mutter gab an, nicht eine einzige Freundin von Wilfried kennengelernt zu haben. Sie wusste vermutlich auch nicht, dass Annika, das erste Todesopfer, mit Wilfried verheiratet war.

Die Mutter von Wilfried W. war sehr sprunghaft in ihren Schilderungen und brach ab und zu in Tränen aus. Über die Geschwister von Wilfried sprach sie nicht weiter. Es wurde dann nicht weiter nachgeforscht, ob es überhaupt eine Schwester gab. Die Mutter sprach auch mal davon, dass die Schwester bereits tot sei. Nach anderen Aussagen der Mutter soll Wilfried wiederum zwei Geschwister gehabt haben."

Angelika W. gemeinsam mit ihrem Anwalt Peter Wüller (re.)
Angelika W. gemeinsam mit ihrem Anwalt Peter Wüller (re.)

10.10 Uhr: Eigentlich war die Mutter von Wilfried W. auch als Zeugin zum 18. Verhandlungstag geladen. Doch in einem Brief teilte sie dem Richter mit, dass sie vor Gericht nicht aussagen wolle. Daraufhin wurde sie wieder ausgeladen.

10 Uhr: Der Zeuge erklärt weiterhin: "Die Mutter erklärte, dass Wilfried bei der damaligen Verurteilung alle Schuld auf sich genommen habe. Aus ihrer Sicht war Angelika der Teufel in der Beziehung. Sie beschrieb Angelika als sehr unordentlich. Es sei nie aufgeräumt gewesen und es war schmutzig im Haus. Die Mutter schilderte, dass sie das kleine Gehöft in Bosseborn nie betreten habe. Sie sei immer nur bis in den Hausflur vorgedrungen. Sie habe dort auch nie andere Frauen wahrgenommen.

Die Mutter erzählte auch etwas zur Verbrühung des Arms von Angelika W.. Sie habe es selbst verschuldet, als ihr beim Tapezieren heißes Wasser aus einem Gefäß auf der Leiter auf den Arm gefallen sei. Ihren Sohn lobte sie immer wieder in höchsten Tönen, der könne keinem etwas zu Leide tun. Angelika sei diejenige, die für alles verantwortlich sei. Angelika habe auch ihren Sohn geschlagen. Zur finanziellen Situation erzählte sie, dass bei Wilfried und Angelika chronische Geldnot herrschte. Sie sei ständig von Angelika um Geld angepumpt worden, hätte aber nicht helfen können, da sie selber nicht viel habe."

9.50 Uhr: Als erstes wird ein Polizist als Zeuge vernommen. Der Beamte ist 62 Jahre alt und inzwischen im Ruhestand. Er hatte am 3. Mai 2016, nach der Festnahme von Wilfried und Angelika W., mit der Mutter von Wilfried W. gesprochen.

"Die Mutter hat sich damals auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Sie sagte nur, dass sie sich das von ihrem Sohn nicht vorstellen könne. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt wohl schon Kenntnis von dem, was ihrem Sohn vorgeworfen wurde. Sie sprach davon, dass das wohl von Angelika ausgegangen sei. Sie ließ kein gutes Haar an dieser Frau.

Die Mutter erzählte, dass sie auch ein paar Mal von Angelika geschlagen worden wäre. Sie hatte großes Mitteilungsbedürfnis. Sie erzählte auch von Schwierigkeiten, die Wilfried mit früheren Frauen hatte. Sie beschrieb ihren Sohn als netten, integren Menschen. Zur Sprache kam auch, dass Wilfried 1995 bereits wegen Misshandlung von Frauen zu einer fast dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde."

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