"Kann zu Fuß geliefert werden": Foodora soll Angestellte in den Orkan geschickt haben

Foodora liefert Essen schnell nach Hause, meist per Rad. Gilt das auch dann noch, wenn es bereits die ersten Orkan-Toten gibt?
Foodora liefert Essen schnell nach Hause, meist per Rad. Gilt das auch dann noch, wenn es bereits die ersten Orkan-Toten gibt?

Leipzig - Orkantief "Friederike" fegte mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 205 km/h über Deutschland. Trotzdem ließ ein Lieferservice seine Fahrradkuriere zum Dienst antreten.

Ein Mitarbeiter von Foodora teilte am Donnerstag verärgert einen Screenshot von einer Nachricht, die er von seinem Arbeitgeber bekommen hatte. Dieser schreibt: "Liebe rider, wir wissen, dass es heute ungemütlich werden kann. Wir beobachten die Wetterlage genau und werden die nötigen Schritte einleiten. Eure Sicherheit hat oberste Priorität!"

Dann kommt der Teil, der bei den "ridern" Fassungslosigkeit auslöste: "Trotzdem bitten wir euch eure Schichten regulär anzutreten. Sollte eine Auslieferung mit dem Fahrrad nicht möglich sein, kann zu Fuß geliefert werden." Ironischerweise folgt auf diese Anweisung der Vermerk: "Sicherheit geht vor!"

Die Community "DeliverUnion Leipzig" deckte diesen Fall nun auf und prangert Foodora öffentlich an.

"Wir erwarten, dass foodora im Fall einer offiziellen Unwetterwarnung seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachkommt und eine klare Meldung rausgibt, dass nicht gearbeitet wird. Bei vollem Lohnausgleich für die entfallenen Schichten, versteht sich", schreibt die Gruppe auf Facebook.

Diese Nachricht erzürnt die Gemüter der DeliverUnion Leipzig.
Diese Nachricht erzürnt die Gemüter der DeliverUnion Leipzig.  © Screenshot/Facebook/DeliverUnion Leipzig

"Es ist fahrlässig Fahrerinnen nach Selbsteinschätzung mit Fahrrad und großem Kurrierrucksack in den Verkehr zu schicken. Der Hinweis man könnte die Strecken auch zu Fuß zurücklegen ist regelrecht unverschämt", heißt es weiter.

Etwas später räumte DeliverUnion Leipzig ein, von einigen Fahrradkurieren gehört zu haben, dass diese ihre Schichten bei vollem Lohnausgleich abbrechen durften. Eine allgemeine Meldung, dass bei dem Sturm niemand ausliefern muss, habe es bis zum Donnerstagabend in Leipzig aber wohl nicht gegeben.

In Nordrhein-Westfalen soll das Bestellen bei Foodora bis zum Abend nicht möglich gewesen sein, weshalb die Fahrradkuriere ihre Schichten nicht antreten mussten.

TAG24 hat bei einem Foodora-Fahrradkurier nachgehakt. Der hätte am Donnerstagabend Schicht gehabt und fragte besorgt bei seinem Arbeitgeber nach, ob er denn auch bei Orkanböen nach draußen muss. Nach einigem hin und her hätten seine Chefs geantwortet, dass niemand mit dem Fahrrad durch den Sturm fahren muss, wenn man nicht will. Die Stunden würden dem jeweiligen Kurier dennoch bezahlt.

Update, 16.30 Uhr: Auf Anfrage von TAG24 sagte Foodora-Sprecher Vincent Pfeifer:

"T​atsächlich waren wir pro Forma in den Städten, die vom Sturm hätten betroffen sein können, ab dem Vormittag​/Mittag (11:38 Uhr)​ geschlossen.​ Die Nachricht hierzu wurde [...] an alle Fahrer in Deutschland verschickt. Hier wurde ihnen mitgeteilt, dass sie zu Hause und in Sicherheit bleiben sollen und sie für die 'entfallene' Schicht dennoch ihren Lohn erhalten. Da die Sicherheit unsere Fahrer immer oberste Priorität hat, haben wir dies auch in allen vom Sturm betroffenen Nachbarländern in Europa, insbesondere den Niederlanden, an unsere Fahrer kommuniziert.

In Bielefeld, Braunschweig, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Essen, Freiburg,Göttingen, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mönchengladbach, Münster, Osnabrück, Regensburg haben wir ab 11:28 Uhr unsere Lieferungen eingestellt."


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