Sensation! Forscher entdecken in Leipzig uralte Zauber-Schriften

Faszinierend, begehrenswert: Nymphen spielen in den historischen Zauberhandschriften eine gewichtige Rolle.
Faszinierend, begehrenswert: Nymphen spielen in den historischen Zauberhandschriften eine gewichtige Rolle.  © Prometeus/123rf

Leipzig - Buch- und Religionswissenschaftler haben in der Leipziger Universitätsbibliothek Albertina einen wahren Schatz gehoben - eine aus 10.000 Seiten bestehende handschriftliche Sammlung uralter magischer Rituale und Zauberformeln.

„Setze dich auf den Stuhl vor der Tür, durch die die Geister kommen werden, und bete. Sobald du nach der letzten Beschwörung ein Geräusch hörst, lege dich auf das Bett, während drei Weibsbilder von englischer Schönheit in den Raum kommen ...“ Es ist ein kleiner Ausschnitt eines magischen Rituals, an dessen Ende man als Sterblicher angeblich eine Nymphe zur Frau bekommt.

Der Ursprung dieser alten Zauberei ist nicht bekannt, doch die magische Formel gehört zu den Gelehrtenhandschriften aus dem späten 17. Jahrhundert, die Wissenschaftler jetzt aus der Albertina hervorzauberten. „Eigentlich sehen sie aus wie Kochbücher“, beschreibt der Leipziger Religionswissenschaftler Marco Frenschkowski die Manuskripte. Sie enthielten meist Gebetstexte und magische Rituale. „Es geht beispielsweise darum, wie man einen Schutzgeist gewinnt, wie man zu Geld, Glück und Liebe kommt“, erzählt der Professor.

Aber auch böse Zauberei entdeckt man in den Handschriften, die größtenteils aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit stammen. So finden sich darin Beschwörungsformeln zur Ausübung von Rache und zur Aufladung von Messern.

Man habe es hier nicht mit einfacher „Bauernzauberei“ zu tun, stellt Experte Frenschkowski klar, „... sondern mit Gelehrtenmagie, die an Höfen und Universitäten, von Medizinern und Klerikern praktiziert wurde“.

Der magische Schatz wurde von zwei auswärtigen Forschern, dem Erlanger Buchwissenschaftler Daniel Bellingradt und dem Erfurter Religionswissenschaftler Bernd Otto, gehoben. Im September erscheint ihr Fachbuch dazu. Die Leipziger Kollegen um Professor Frenschkowski planen hingegen für 2019 eine Ausstellung zu den Handschriften in der Albertina. Bereits im September findet an der Uni eine Fachkonferenz zum Thema "Magische Bücher" statt.

Das Ritual zur Freiung der Nymphe mündet übrigens in dem Versprechen: „Du wirst Lust und Entzücken erleben, wie mit keinem sterblichen Wesen ...“

Diese Handschrift beschreibt "Geheimnüsse, seine Sachen vor Dieben zu verwahren, Diebe zu bannen, dass sie den Diebstahl müssen wiederbringen, auch solche auf unterschiedene Art zu peinigen und zu lädiren". (alles Originalschreibweise).
Diese Handschrift beschreibt "Geheimnüsse, seine Sachen vor Dieben zu verwahren, Diebe zu bannen, dass sie den Diebstahl müssen wiederbringen, auch solche auf unterschiedene Art zu peinigen und zu lädiren". (alles Originalschreibweise).  © Uni Leipzig
Bei diesem Manuskript handelt es sich um ein "Tractat vom Geister Beschweren zum Schatzgraben". (alles Originalschreibweise).
Bei diesem Manuskript handelt es sich um ein "Tractat vom Geister Beschweren zum Schatzgraben". (alles Originalschreibweise).  © Uni Leipzig
Die altehrwürdige "Bibliotheca Albertina" der Universität Leipzig - in ihrem Archiv wurden die Zaubermanuskripte gefunden.
Die altehrwürdige "Bibliotheca Albertina" der Universität Leipzig - in ihrem Archiv wurden die Zaubermanuskripte gefunden.  © DPA
Plant eine Konferenz zu den Zauberhandschriften: Professor Marco Frenschkowski (57).
Plant eine Konferenz zu den Zauberhandschriften: Professor Marco Frenschkowski (57).  © S. Reichhold/Uni Leipzig

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