Forscher entschlüsseln Geheimnis um Nazi-Buddha aus dem All

Lange wurde vermutete, dass die Statue von der Tibet-Expedition rund um Ernst Schäfer (3.v.l.) nach Deutschland gebracht wurde.
Lange wurde vermutete, dass die Statue von der Tibet-Expedition rund um Ernst Schäfer (3.v.l.) nach Deutschland gebracht wurde.  © Bundesarchiv/Ernst Krause

Bonn – Eine rätselhafte Buddha-Statue beschäftigt seit 2007 Wissenschaftler und Verschwörungstheoretiker. Damals wurde sie von einem Russen einem Auktionshaus zum Verkauf angeboten, über Umwege gelangte sie dann in die Hände von Materialforschern.

Bei der Statue soll es sich angeblich um eine jahrtausendealte Darstellung einer der vier buddhistischen Himmelskönige handeln. Auf der Brust trägt sie ein Swastika (umgekehrtes Hakenkreuz), das Material der Figur stammt aus einem Meteoriten.

Doch neueste Forschungen ergaben jetzt, dass es sich um einen simplen Fake handeln dürfte.

Wie kam dieser Buddha nach Deutschland? Wo kommt die Figur genau her? Was stellt sie dar? Wer hat sie hergestellt?

Die gängigste These lautete bisher, dass die legendäre Expedition um den Deutschen Ernst Schäfer sie Ende der 30-Jahre in Tibet gestohlen und nach Deutschland gebracht hatte. Sie soll ein jahrtausendealter Kulturschatz gewesen sein.

Für die Suche nach Hinweisen auf die Ur-Ariern war eine Expedition nach Tibet geschickt worden. Da die Buddha-Statue ein Swastika eingemeißelt hat, war die These, dass sie von den Nazis als Propaganda-Objekt genutzt werden sollte sehr weit verbreitet.

Außerdem ist sie aus einem lange unbekannten Material hergestellt, was die Spekulationen um einem möglichen außerirdischen Ursprung anheizte und ihr den Beinamen "Nazi-Buddha aus dem All" einbrachte.

Dass es sich dabei um Metall des China-Meteoriten, der vor etwa 20.000 Jahren im Norden der Mongolei eingeschlagen war, wurde bereits 2012 von Forscher ermittelt.

Die Buddha-Statue ist bei weitem nicht so alt, wie viele immer annahmen.
Die Buddha-Statue ist bei weitem nicht so alt, wie viele immer annahmen.  © Uni Stuttgart/Helmar Buchner

Schon damals kamen Zweifel auf, ob es sich tatsächlich um ein uraltes religiöses Kunstwerk handelt. Zum einen sind alle von der Schäfer-Expedition nach Deutschland gebrachten Fundstücke akribisch katalogisiert, zum anderen sind einige Details, wie ein Ohrring, die Art der Schuhe und Kleidung eher untypisch für traditionelle buddhistische Kunst.

Die deutsche Historikerin Isrun Engelhardt widerspricht in ihrem aktuellen Aufsatz in der "Revue d'Etudes Tibétaines" der Nazi-Theorie.

Vielmehr handele es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung. Der russische Künstler Nicolas Roerich (1874 - 1947) soll sie von tibetanischen Handwerker anfertigen lassen haben. Sie soll ihn als 25. Herrscher des verborgenen Königreichs Shambhala darstellen. "Roerich bezeichnete sich selbst sogar in einem Brief an den Dalai Lama als den kommenden König von Shambhala", schreibt die Forscherin Engelhardt. Demnach ist die Statue nicht Tausende Jahre alt, sondern höchstens 100, und sie dürfte sich zur Zeit der Schäfer-Expedition gar nicht mehr in Tibet, sondern im Besitz von Roerich befunden haben.

Nach Deutschland kam die Statue schließlich über einen russischen Kunsthändler, der sie hier zum Kauf anbot.