Sie erforschen, warum in Sachsen die Erde bebt

Seismologische Aufzeichnungen eines Erdbebens bei Pegau (Vogtland) aus dem Jahr 2014.
Seismologische Aufzeichnungen eines Erdbebens bei Pegau (Vogtland) aus dem Jahr 2014.

Bad Brambach - Im Untergrund von Südwestsachsen brodelt, dampft und wackelt es häufig. Experten machen flüssiges Gestein, sogenanntes Magma, dafür verantwortlich. Wissenschaftler wollen der Sache auf den Grund gehen.

Bis vor 200.000 Jahren gab es in der Region aktive Vulkane, wie deren Hinterlassenschaften – sogenannte Maare – beweisen. Michael Korn, Professor für Theoretische Geophysik an der Uni Leipzig: "Was wir jetzt erleben, könnten kleine Nachaktivitäten sein, die irgendwann verschwinden. Oder die magmatische Aktivität könnte wieder aktiver werden."

Ein Zusammenschluss deutscher und tschechischer Forschergruppen hofft nun, beim Internationalen Kontinentalen Tiefbohrprogramm (ICDP) die Genehmigung für ein größeres Bohrprojekt zu bekommen. Dies könnte weitere Erkenntnisse bringen.

Bereits für März ist eine Vorbohrung geplant. Sie soll nahe dem tschechischen Ort Hartousov 120 Meter tief gehen.

Im sogenannten Egerbecken steigt besonders viel Gas aus der Tiefe auf – neben Kohlendioxid auch Schwefel und Helium.

Die Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum aus Potsdam, Chemiker Gerhard Strauch (l) und Geochemiker Horst Kämpf nehmen eine Gasprobe.
Die Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum aus Potsdam, Chemiker Gerhard Strauch (l) und Geochemiker Horst Kämpf nehmen eine Gasprobe.

Der Geochemiker Horst Kämpf arbeitet ebenfalls am Potsdamer Geoforschungszentrum und ist seit über 30 Jahren mit der Region vertraut. "Das Egerbecken könnte über dem Zentrum des unterirdischen Magmenreservoirs liegen. Uns fielen neben einem Mofettenfeld vor Jahren schon die sogenannten Insektenfallen auf."

Dabei finden sich in den Wiesen runde Stellen, an denen kein Gras mehr wächst und auf denen sich tote Insekten, Mäuse und Vögel häufen. Sie sind durch das aufsteigende Kohlendioxid verendet, das an diesen Punkten ausströmt.

Eine Entdeckung machten die Forscher während der letzten, stärkeren Erdbebenserie 2014: "Vor und während dieser Zeit ist vermehrt Kohlendioxid aus dem Boden aufgestiegen", berichtet Kämpf. Dies war unter anderem an der Wettinquelle in Bad Brambach sichtbar.

Sollte der Antrag für das Bohrprogramm für zwei Millionen Euro bewilligt werden, könnte es laut Korn nach einer Planungsphase ab 2017 richtig losgehen.

Dann wollen die Forscher Instrumente hinab lassen, um Gase direkt im Untergrund abzupassen und kleinste Erschütterungen zu messen.

Fotos: dpa


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