Frachtschiff geht in Flammen auf: Rund 2200 Tonnen Schweröl treiben vor der Küste Frankreichs

Brest (Frankreich) - Zwei kilometerlange Ölteppiche treiben nach der Havarie des Containerschiffs "Grande America" in der Biskaya auf Frankreichs bei Touristen beliebte Westküste zu.

Nach dem Untergang eines Containerschiffes droht der französischen Küste eine Ölkatastrophe.
Nach dem Untergang eines Containerschiffes droht der französischen Küste eine Ölkatastrophe.  © Loic Bernardin/Marine Nationale/AP/dpa

Alle Regierungsstellen an Land und auf See seien vollständig mobilisiert und arbeiteten eng zusammen, teilte die zuständige Seepräfektur mit. Die beiden verunreinigten Zonen trieben am Donnerstag etwa 300 Kilometer westlich von dem Küstenort La Rochelle im Meer.

Erste Einschätzungen bestätigten das Risiko einer Küstenverschmutzung, so die Präfektur. Potenziell betroffene Bereiche könnten aber erst in einigen Tagen ermittelt werden.

Umweltminister François de Rugy nannte als gefährdete Regionen das Département Charente-Maritime mit der Hafenstadt La Rochelle und das Département Gironde, in dessen Mitte Bordeaux liegt. Er schloss nicht aus, dass das Öl auch an die spanische Biskaya-Küste gelangen könnte.

Der unter italienischer Flagge fahrende Frachter "Grande America" war am Dienstag nach einem tagelangen Brand untergegangen.

Das aus dem Frachter ausgelaufene Schweröl soll nun mit Spezialschiffen abgepumpt werden. Schlechte Witterungsbedingungen und raue See erschwerten allerdings den Kampf gegen die Verschmutzung, so die Präfektur. Das Schiff hatte Gefahrgut an Bord.

Der Inhalt von 45 Containern werde als gefährlich eingestuft, hatte die Meerespräfektur zuvor mitgeteilt. Außerdem hatte die "Grande America" rund 2200 Tonnen Schweröl an Bord, wie der Sender Franceinfo berichtete.

Der Untergang des Frachters "Grande America" löst in Frankreich Unruhe und Sorge aus.
Der Untergang des Frachters "Grande America" löst in Frankreich Unruhe und Sorge aus.  © Loic Bernardin/Marine Nationale/AP/dpa

Die erste verunreinigte Zone ist offiziellen Angaben nach etwa 13 Kilometer lang und 7 Kilometer breit.

Der zweite Teppich sei rund 9 Kilometer lang, ebenfalls 7 Kilometer breit und weniger kompakt als der erste. Das Öl stammt demnach aus den Treibstofftanks des Frachters.

Die Ölteppiche trieben mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Tag in Richtung Osten, sagte Stéphane Doll, Leiter der auf Wasserverschmutzung spezialisierten Einrichtung Cedre.

Die Westküste Frankreichs zieht im Sommer viele Touristen an, beliebt sind La Rochelle, die Sandstrände der Vendée oder die Insel Île d'Oléron.

Im nahe der spanischen Grenze liegenden Badeort Biarritz will Präsident Emmanuel Macron im August den Gipfel der sieben großen Industrieländer (G7) ausrichten.

In Frankreich wurden Erinnerungen an frühere Schiffskatastrophen wach. Lange vor der "Erika" war bereits der Tanker "Amoco Cadiz" im März 1978 in der Bretagne auf Grund gelaufen. Experten sagten, die Tankerkatastrophen seien nicht mit dem Untergang der "Grande America" vergleichbar, da damals viel mehr Öl ausgelaufen sei.

Update 14.27 Uhr: Die französischen Behörden warten weiterhin auf eine Wetterberuhigung, um im Atlantik mit dem Abpumpen von ausgelaufenem Schweröl beginnen zu können.


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