Nach Thomas-Cook-Insolvenz: Ferienflieger Condor hat Käufer gefunden

Frankfurt am Main - Der angeschlagene Ferienflieger Condor hat einen Käufer gefunden. Die Airline, die in den Sog der Thomas-Cook-Insolvenz geraten war, lud am Freitag in Frankfurt zu einer Pressekonferenz ein.

Condor gehörte zum insolventen Reiseveranstalter Thomas Cook (Symbolfoto).
Condor gehörte zum insolventen Reiseveranstalter Thomas Cook (Symbolfoto).  © Silas Stein/dpa

Es gehe darum, gemeinsam "mit dem neuen Eigentümer" über die Zukunft von Condor zu informieren, so die Airline.

Der Name des Käufers wurde in der Mitteilung nicht genannt. Weitere Details will Condor am Freitagvormittag (11 Uhr) bekannt geben.

Zuletzt waren im Bieterverfahren um Condor drei ernsthafte Interessenten in Medienberichten genannt worden: Die polnische Fluggesellschaft LOT, der US-Finanzinvestor Apollo gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern und einem Co-Investor sowie als dritter Bieter die britische Investmentgesellschaft Greybull.

Die einst zum insolventen Reiseveranstalter Thomas Cook gehörende Fluggesellschaft hielt sich zuletzt nur mit einem staatlichen Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro in der Luft.

Update 9.55 Uhr: Die polnische Fluggesellschaft LOT übernimmt den angeschlagenen Ferienflieger Condor.

LOT hat im Bieterrennen mehrere Finanzinvestoren ausgestochen, wie am Freitag aus Verhandlungskreisen verlautete.

Es ist offiziell: Mutterkonzern übernimmt Ferienflieger Condor

Update 11.45 Uhr: Jetzt ist es offiziell: Der Mutterkonzern der polnischen Fluggesellschaft LOT soll neuer Eigentümer des deutschen Ferienfliegers Condor werden. Die LOT-Mutter PGL habe im Bieterrennen das attraktivste Angebot vorgelegt, teilten Vertreter beider Seiten am Freitag in Frankfurt mit.

Die eigentlich profitable Thomas-Cook-Tochter Condor war durch die Pleite ihres bisherigen Mutterkonzerns Ende September in Not geraten und hält sich seither nur dank eines staatlichen Brückenkredits in der Luft. Dieser werde vollständig zurückgezahlt, hieß es.

Die Übernahme durch PGL soll bis April abgeschlossen werden, wenn die zuständigen Behörden zustimmen.

Marke Condor bleibt erhalten

Update 12.02 Uhr: Die Fluggesellschaft Condor soll nach dem Verkauf an die polnische Airline LOT weiter unter ihrer Marke fliegen. "Die Marke Condor bleibt, wie sie ist", sagte Condor-Vorstandschef Ralf Teckentrup am Freitag in Frankfurt. Beide Marken seien stark und würden getrennt auftreten, erklärte auch LOT-Vorstandschef Rafał Milczarski.

Der Bund soll zudem seine Staatshilfen für Condor in Höhe von 380 Millionen Euro zurückerhalten. Die Investition von LOT werde es Condor ermöglichen, das von der staatlichen Förderbank KfW erhaltene Darlehen «vollständig zurückzuzahlen», teilte der Ferienflieger mit. Das Darlehen werde im April zurückbezahlt, sagte Teckentrup.

Nach der Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook im September hatte sich Condor nur mit dem KfW-Überbrückungskredit in der Luft gehalten, für den die Bundesregierung und das Land Hessen bürgten. Teckentrup soll nun bei Condor an der Spitze bleiben. Condor werde "weiter unter ihrem derzeitigen Management geführt werden", hieß es.

LOT hatte bei der Investorensuche für Condor den Zuschlag erhalten und dabei mehrere Finanzinvestoren ausgestochen. Die Gesellschaft mit Sitz in Warschau hat 2019 mehr als 10 Millionen Fluggäste befördert. LOT betreibt eine Flotte von 80 Flugzeugen, Condor kommt auf knapp 60 Jets.

Zusammen wollen sie einen europäischen Luftfahrtkonzern mit mehr als 20 Millionen Passagieren pro Jahr schaffen.

LOT-Chef will Condor-Langstreckenflotte erneuern und ausbauen

Zuletzt hielt sich die Fluggesellschaft mit einem Überbrückungskredit über Wasser (Symbolfoto).
Zuletzt hielt sich die Fluggesellschaft mit einem Überbrückungskredit über Wasser (Symbolfoto).

Update 12.40 Uhr: Die polnische Fluggesellschaft LOT will die veraltete Langstreckenflotte von Condor nach der Übernahme so schnell wie möglich erneuern und ausbauen.

"Die Langstreckenflugzeuge müssen in den nächsten zwei bis drei Jahren ersetzt werden", sagte LOT-Chef Rafał Milczarski am Freitag in Frankfurt. Der Ferienflieger Condor betreibt neben seinen Airbus-Mittelstreckenjets bisher 16 Langstreckenjets vom Typ Boeing 767, die deutlich mehr Treibstoff verbrauchen als modernere Modelle.

Weil Condor in der Vergangenheit zusätzlich Maschinen der kanadischen Air Transat im Einsatz hatte, fasst Milczarski den Kauf von 20 neuen Langstreckenjets für Condor ins Auge. LOT hat auf der Langstrecke derzeit 15 moderne Boeing-Jets vom Typ 787 "Dreamliner" im Einsatz. Deren Einführung habe den Treibstoffverbrauch um 20 Prozent gesenkt, sagte Milczarski.

Condor könnte künftig auch aus weiteren Ländern starten, sagte der Manager weiter. "Wir haben große Pläne, aber wir müssen sicherstellen, dass das Wachstum sinnvoll ist und profitabel bleibt", so Milczarski. Als mögliche weitere Länder, in denen Condor aktiv werden könne, lägen Österreich und die Schweiz auf der Hand, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup. Milczarski hat Urlauber aus Polen und Ungarn als mögliche künftige Condor-Kunden im Auge.

Weitere Stellen sollen bei Condor nach der Übernahme nicht wegfallen. "Ich brauche alle diese Mitarbeiter, um das Geschäft und die Zukunft von Condor zu entwickeln", sagte Milczarski. Condor-Chef Ralf Teckentrup stellte klar, über den bereits bekannten Personalabbau hinaus seien keine Kürzungen geplant.

Titelfoto: Silas Stein/dpa

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