Fehlerhafte Leichenschau: Viele Morde bleiben unentdeckt

Die Leichenschau ist in Deutschland vorgeschrieben (Symbolbild).
Die Leichenschau ist in Deutschland vorgeschrieben (Symbolbild).  © dpa/Carmen Jaspersen

Frankfurt/Rostock - Der Frankfurter Rechtsmediziner Marcel Verhoff fordert Verbesserungen bei der Leichenschau.

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Rostock hatte 10.000 Todesbescheinigungen aus drei Jahren überprüft: Lediglich 223 waren fehlerfrei. 44 Mal wurde fälschlich ein natürlicher Tod bescheinigt.

Auch wenn es für Hessen keine vergleichbare Untersuchung gibt, glaubt der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Goethe-Universität nicht, dass die Qualität der Leichenschau in anderen Bundesländern besser ist. Verhoff wünscht sich verpflichtende Fortbildungen für alle Ärzte und eine Liste mit Kriterien, wann eine innere Leichenschau (Obduktion) durchgeführt werden muss.

Die Leichenschau ist in Deutschland vorgeschrieben. Stirbt ein Mensch, muss ein Arzt einen Totenschein ausstellen. Zum einen soll dadurch ein Scheintod ausgeschlossen werden, zum anderen aber auch ein mögliches Verbrechen wie zum Beispiel Mord.

In Bremen wird seit August jeder Gestorbene von einem ausgebildeten Leichenschauarzt begutachtet. In Flächenländern wie Hessen sei ein solches Modell personell "nicht realisierbar", glaubt Verhoff.

Titelfoto: dpa/Carmen Jaspersen


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