Zwangsräumung! Stadt erhält "Ruine einer Rennbahn"

Stadtrat Jan Schneider bezeichnete das Rennbahn-Gelände als "heruntergekommen".
Stadtrat Jan Schneider bezeichnete das Rennbahn-Gelände als "heruntergekommen".  © dpa/Andreas Arnold

Frankfurt - Der Frankfurter Rennklub zieht sich vom Gelände der Galopprennbahn zurück. Schatzmeister Carl Philip Graf zu Solms sagte am Donnerstag, er habe die Schlüssel für die Geschäftsstelle an die Gerichtsvollzieherin übergeben. An den Zufahrtstoren wurden die Schlösser ausgetauscht.

Die Stadt Frankfurt hatte eine Zwangsräumung des Geländes durchgesetzt, auf dem die Akademie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entstehen soll. Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwoch den Antrag des Rennklubs auf einstweilige Einstellung der Zwangsräumung abgelehnt.

Frankfurts Sportdezernent Markus Frank und sein für Immobilien zuständiger Kollege Jan Schneider (beide CDU) zeigten sich erleichtert, dass die Stadt nach jahrelangem Rechtsstreit vor mehreren Gerichten endlich Zugang zum Gelände hat und nun die Übergabe an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorbereiten kann. "Das ist ein guter Tag für Frankfurt", freute sich Frank. "Wir sind im schnellen Galopp auf der Zielgeraden zur DFB-Akademie."

Allerdings war die Freude nach einem Gang über das Gelände ein wenig getrübt. "Uns wurde die Ruine einer Rennbahn übergeben", sagte Frank mit Blick auf eingeschlagene Fensterscheiben, Graffiti und ein wildes Matratzenlager, das bei den Stallungen gefunden worden sei.

"Das Gelände ist in einem desolaten Zustand", räumte auch Schneider ein. Er fand es angesichts der Verhältnisse schwer zu glauben, dass der Rennklub hier tatsächlich wieder Rennen durchführen wollte. "Am Karussell, an dem Pferde trainierten, steht das Gras so hoch – da wurde seit Jahren kein Pferd bewegt", sagte er. "Was wir hier gesehen haben, ist mehr als marode – das ist heruntergekommen."

Frank betonte, ihn mache das "schon traurig". "Man hat ja durchaus viele Jahre eine funktionierende Rennbahn gesehen." Nun werde sichtbar, was passiere, wenn der Verein die finanziellen Mittel der Stadt nicht mehr habe – "und das ist erschreckend".

Hohes Gras auf der Rennbahn, Glasscherben unter der Tribüne, alte Papierstapel in der bisherigen Geschäftsstelle des Rennklubs – Rennbahn-Glamour sieht in der Tat anders aus. Hinter den verstaubten Glasfenstern des sogenannten Quotenhäuschens liegen Wettscheine, die wohl nie mehr ausgefüllt werden.

Möglichst schnell soll die Ausschreibung zum Abriss der Renntribüne erfolgen. Im kommenden Jahr, so hofft Schneider, soll das Gelände an den DFB übergeben werden.

Titelfoto: dpa/Andreas Arnold


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