"Null Toleranz": So sollen Deutschlands Bahnhöfe jetzt sicherer werden

Berlin/ Frankfurt am Main - Der tödliche Angriff auf ein Kind am Frankfurter Hauptbahnhof im Juli (TAG24 berichtete) hat Schrecken ausgelöst. Die Politik versprach zu handeln. Nun gibt es konkrete Ankündigungen.

Nach der ICE-Attacke von Frankfurt plant die Politik nun umfangreiche Verbesserungen der Sicherheit auf Bahnhöfen (Archivbild).
Nach der ICE-Attacke von Frankfurt plant die Politik nun umfangreiche Verbesserungen der Sicherheit auf Bahnhöfen (Archivbild).  © DPA

"Wir setzen konsequent auf Abschreckung und Aufklärung", erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Donnerstag in Berlin. Innenminister Horst Seehofer (CSU) versprach: "Wir tun alles für die Sicherheit der Bahnreisenden."

Bis Ende 2024 sollen "nahezu alle großen Bahnhöfe" mit moderner Videotechnik ausgestattet werden. Bereits jetzt sind dafür bis 2023 Mittel von mehr als 70 Millionen Euro vorgesehen.

Das Verkehrsministerium will bis dahin für die Bahn insgesamt 50 Millionen Euro ausgeben, was der Bundestag aber noch genehmigen müsste. Hinzu kommen 12,5 Millionen Euro von der Deutschen Bahn.

Die biometrische Gesichtserkennung soll Menschen identifizieren, die etwa zur Fahndung ausgeschrieben sind. Datenschützer sehen das allerdings skeptisch. Der Täter von Frankfurt war zudem gar nicht international zur Fahndung ausgeschrieben.

Bei der intelligenten Video-Überwachung geht es hingegen um die Erkennung auffälliger Verhaltensmuster wie Schlagen, Treten oder Hinfallen. Polizisten müssten die Aufnahmen aber immer noch bewerten.

Horst Seehofer verspricht 1300 zusätzliche Bundespolizisten auf Bahnhöfen

Bis 2024 sollen 1300 zusätzliche Bundespolizisten an Bahnhöfen eingesetzt werden, sagt Bundesinnenminister Horst Seehofer.
Bis 2024 sollen 1300 zusätzliche Bundespolizisten an Bahnhöfen eingesetzt werden, sagt Bundesinnenminister Horst Seehofer.  © DPA

An den Bahnhöfen sollen den Vereinbarungen zufolge künftig 1300 zusätzliche Bundespolizisten patrouillieren. Da die Beamten noch ausgebildet werden müssen, sollen die Stellen erst bis 2024 besetzt sein.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will sich zudem für weitere 11.300 Stellen für die Bundespolizei einsetzen. Die Deutsche Bahn will ihrerseits etwa zehn Millionen Euro im Jahr zusätzlich in die Sicherheit an Bahnhöfen und mehr Personal stecken.

"Wir zeigen null Toleranz gegenüber jeglicher Gewalt! Gemeinsam mit der Bundespolizei setzen wir alles daran, unsere Bahnhöfe und Züge sicherer zu machen", versprach Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Das Verkehrsministerium will zudem bis 2024 weitere rund 250 Millionen Euro für modernen Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben - also etwa Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste - ausgeben.

Damit sollen "die wichtigsten Bahnhöfe und Tunnel" ausgerüstet werden.

Eine Arbeitsgruppe "Technische Sicherheit" mit Vertretern von Innen- und Verkehrsministerium, Bahn und Bundespolizei soll in sechs oder sieben Bahnhöfen zudem "weitere technische Möglichkeiten zur Gefahrenreduzierung" erproben. Das könnten etwa Barrieren am Bahnsteig sein.

Rund 95 Prozent der Fahrgäste im Bahnverkehr nutzen den Angaben zufolge Regionalbahnen. Das Thema soll deswegen auch auf die Tagesordnung der Länderverkehrs- und Innenminister.

Titelfoto: DPA


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