Alles unverpackt: Das sind die Supermärkte der Zukunft!

Von Gina Gadis

Eingeschweißte Gurken, Cracker einzeln abgepackt in einer Großpackung, Äpfel aus Neuseeland - wenn ich durch den Supermarkt laufe greife ich mir meistens nur an den Kopf.

Bulk-Bins, Vorratsbehälter und Pumpkanister - der Unverpackt-Laden in Darmstadt hat ein riesiges Sortiment.
Bulk-Bins, Vorratsbehälter und Pumpkanister - der Unverpackt-Laden in Darmstadt hat ein riesiges Sortiment.  © Gina Gadis

Was soll der Wahnsinn? Warum müssen vier Äpfel auf eine Styroporunterlage gepackt und dann noch zusätzlich eingeschweißt werden? Und wieso sind Tüten für Nüsse und Knabbersachen immer nur zur Hälfte gefüllt? Muss das denn sein? Nein muss es nicht! Und genau das beweisen die vielen Unverpackt-Läden, die mittlerweile überall aus dem Boden sprießen.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal. Mein erstes Mal in einem Unverpackt-Laden. An den Wänden hingen große Behältnisse gefüllt mit trockenen Lebensmitteln wie Nudeln, Müsli, Hülsenfrüchten, Süßigkeiten, Kaffeebohnen und vielem mehr. Die Verkäuferin erklärte, dass es sich bei diesen Behältnissen um sogenannte Bulk-Bins handelt. Solche hatte ich bisher nur zum abfüllen von Nüssen gesehen.

In diesen Märkten hängen die ganzen Wände voll damit. Auf den Regalen stehen riesige Gläser gefüllt mit Mehl, Schokoladen-Chips, Gewürzen, und vielem mehr.

Mit Portionierrädern, Maßbechern und Schäufelchen kann man sich genau die Menge abfüllen, die man benötigt. Die Idee dahinter: Verpackungsfrei, aber vor allem plastikfrei einkaufen.

Man bringt einfach seine eigenen Behälter, Einweggläser, Brotdosen oder Sonstiges zum Abfüllen der gewünschten Menge mit. Wenn man zum Beispiel für ein Rezept einige Zutaten benötigt, die man normalerweise nicht so oft benutzt, muss man nicht eine ganze Packung davon kaufen, die dann ewig in der Küche vor sich her modert, sondern eben nur so viel, wie man tatsächlich braucht.

Auch Waschmittel und Badezimmer-Bedarf können ohne Verpackung gekauft werden

Seifen, Shampoos, Zahnpastatabs - auch für den Badezimmerbedarf ist ausgiebig gesorgt.
Seifen, Shampoos, Zahnpastatabs - auch für den Badezimmerbedarf ist ausgiebig gesorgt.  © Gina Gadis

Und selbst als ich mal spontan nach der Uni vorbeischaute und keine Behältnisse dabei hatte, konnte ich im Laden abgegebene, gereinigte Einweggläser verwenden. Mit einer elektronischen Waage misst man das Gewicht des Behältnisses und notiert es auf einem kleinen Zettel, anschließend wird die gewünschte Menge abgefüllt und der Kassierer misst wieviel abgewogen wurde.

Aber auch Obst und Gemüse gibt es hier lose in Holzkisten zu kaufen. Alle Produkte haben Bioqualität, sind meistens in Saison und aus der Region - ich bin begeistert!

Für mich sind diese verpackungsfreien Läden besonders zum Favoriten geworden, wenn es darum geht Geschirrspülmittel, Reinigungs- und Waschmittel zu besorgen. Die alten Plastikbehältnisse benutze ich einfach immer wieder und fülle sie an den großen Pumpkanistern auf. Es handelt sich um biologisch abbaubare Produkte, die unserem Wasser nicht zusetzen und mein Gewissen nicht belasten.

Selbst Essig und Öl kann man sich hier in kleine Behältnisse abfüllen. Eier packt man in selbst mitgebrachte Kartons und Käse in Dosen, einfaches Papier oder die äußerst praktischen Bienenwachstücher, die immer häufiger im Sortiment von beispielsweise Drogerien zu finden sind. Aber auch Shampoos, Seifen, Zahnputz-Tabletten, Deos und anderen Badezimmerbedarf bekommt man in den meisten Unverpackt-Läden.

Diese Läden bieten ein Alternative

Das gramm.genau in Frankfurt.
Das gramm.genau in Frankfurt.  © Gina Gadis

Diese Läden sagen dem Verpackungswahn und der Vermüllung unserer Umwelt den Kampf an und die Leute stehen drauf! Egal in welchem Unverpackt-Laden ich bisher war, meistens war es dort rappelvoll.

Es wird immer mehr darauf geachtet, weniger Müll zu produzieren, weniger Lebensmittel wegschmeißen zu müssen und demnach wirklich nur das zu kaufen, was man braucht - ein bewussterer Konsum eben. Umso mehr freut es mich, dass auch in Frankfurt mit dem Unverpackt Laden Frankfurt (ULF) neben dem gramm.genau ein weiterer Unverpackt-Laden in der Nähe des Doms eröffnete.

Mittlerweile gibt es schon über 120 solcher Läden in Deutschland und 80 weitere sind in der Planung. Ein Trend der boomt! Wenn Du herausfinden möchtest, ob sich auch in Deiner Nähe ein verpackungsfreier Laden befindet, dann schau doch mal beim Verband der Unverpackt-Läden vorbei. Dieser bietet nicht nur eine Übersicht über vorhandene Geschäfte, sondern vernetzt auch Inhaber und Gründer, um eine Neueröffnung zu erleichtern.

Schluss mit Kondomgurken, Plastikbergen mit Pralinen dazwischen und Schinken-Kunststoff-Lasagne. Im Unverpackt-Laden ist es möglich!

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis  © Gina Gadis

Gina Gaids (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Gina Gadis

Mehr zum Thema Frankfurt am Main:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0