So gehen Foodsaver gegen Lebensmittelverschwendung vor

von Gina Gadis

Mittagspause und wieder stehe ich vor der Entscheidung: Abgepackte Sandwiches aus dem Kühlregal oder frisch belegte Brötchen vom Bäcker, beziehungsweise Bioapfel oder der 20 Cent günstigere normale Apfel?

Das Motto von Kolumnistin Gina Gadis (Mi.): "#nachhaltigeinkaufen"!
Das Motto von Kolumnistin Gina Gadis (Mi.): "#nachhaltigeinkaufen"!  © Gina Gadis

Jeden Tag treffen wir Kaufentscheidungen, und jedes Mal entscheiden wir uns damit für ein bestimmtes Produkt, ein bestimmtes Herstellungsverfahren oder eine bestimmte Marke.

Das sollte jedem von uns bewusst sein! Konsum zu hinterfragen, kann eine sehr unangenehme Sache sein – und ist mit Sicherheit alles andere als bequem. Aber durch nichts können wir so leicht die Welt beeinflussen, wie durch eine bewusste Kaufentscheidung.

Der Wunsch regional, saisonal, möglichst verpackungsfrei und auch noch bio einzukaufen, stellt mich zugegebenermaßen vor ziemliche Herausforderungen.

Doch in Kombination mit dem Bedürfnis etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun, habe ich einen Weg gefunden: die Lösung heißt Foodsharing.

Dabei geht es darum, Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden oder nicht mehr verkauft werden können, vor der Tonne zu retten. Seit zwei Monaten bin ich nun Mitglied und offiziell ehrenamtlicher "Lebensmittelretter" der Foodsharing Community. Das heißt, ich hole über den Verein übrig gebliebene Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien und Restaurants ab, um diese zu verteilen und mich selbst zu versorgen, damit sie nicht weggeschmissen werden.

Gerade Backwaren werden in Unmengen produziert und in gleichem Maße weggeworfen.
Gerade Backwaren werden in Unmengen produziert und in gleichem Maße weggeworfen.  © Gina Gadis

Für Foodsharing musste ich vorab einen Test bestehen (mit Fragen zu Abläufen, Regeln, Hygiene, etc.) und drei Probeabholungen zusammen mit erfahrenen Foodsavern machen.

Foodsharing hat Kooperationsverträge mit den verschiedensten Unternehmen, und die qualifizierten Lebensmittelretter können sich in die Terminpläne der Betriebe zum Abholen eintragen.

Das Verteilen und Verbrauchen beziehungsweise Konservieren ist manchmal mit ziemlichem Aufwand verbunden. So habe ich kürzlich wieder 20 Kilo Obst und Gemüse abgeholt und hinterher zwei Stunden lang Apfelmuss gekocht und Kohl zum Einfrieren blanchiert.

Hat man für so etwas keine Zeit, kann man die Lebensmittel aber auch über Apps wie Olio, UXA, nebenan.de oder über "Foodsharing"-Facebook-Gruppen wunderbar an Nachbarn und Bedürftige verteilen. Öffentliche "Fairteiler"-Schränke und Sozialeinrichtungen sind ebenfalls gute Abgabestellen.

Auch heute stand ich wieder mit anderen Foodsavern vor über 300 Kilo Obst und Gemüse, die wir retten sollten (wohlgemerkt: in dem Betrieb fallen jeden Tag solche Mengen an). Dabei wird einem mal wieder bewusst, wie verkehrt unsere westliche Konsum-Wirtschaft läuft.

Als Foodsaver bekommt man es mit Unmengen an Lebensmitteln zu tun, die der Einzelhandel sonst entsorgen würde. Ein Glück, dass sich viele freudige Abnehmer im Bekanntenkreis und der Nachbarschaft finden.
Als Foodsaver bekommt man es mit Unmengen an Lebensmitteln zu tun, die der Einzelhandel sonst entsorgen würde. Ein Glück, dass sich viele freudige Abnehmer im Bekanntenkreis und der Nachbarschaft finden.  © Gina Gadis

Nicht nur, dass ein großer Teil der Lebensmittel wegen Schönheitsfehlern auf dem Feld liegen bleibt, die Supermärkte werden auch noch bis unters Dach vollgestopft, damit es für den Kunden möglichst attraktiv aussieht, um dann am Ende des Tages Unmengen wegzuschmeißen.

Ich finde das gelinde gesagt ziemlich kacke. Vor allem, wenn ich daran denke, dass die Lebensmittel dann auch noch MIT VERPACKUNG (!!!) in der Biogasanlage landen und der daraus entstehende Kompost mit Plastikteilen wieder auf unserem Feld und am Ende auf unserem Teller landet.

Foodsharing versteht sich als bildungspolitische Bewegung, die auf die unglaubliche Verschwendung in der Gesellschaft aufmerksam machen will und fordert, dass Lebensmittel besser verteilt und nicht mehr weggeschmissen werden.

Foodsharing gibt mir die Möglichkeit, Menschen auf die Problematik aufmerksam zu machen und aktiv etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun.

* Über die Kolumnistin

Gina Gadis engagiert sich für Umweltschutz.
Gina Gadis engagiert sich für Umweltschutz.  © Gina Gadis

Gina (25) ist geboren in Dresden und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs. Hier kam es zu der Initialzündung: Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Unter anderem schreibt sie diese Kolumne für TAG24.

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Titelfoto: Gina Gadis

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