Du isst gerne Fleisch? Dann solltest Du das wissen

von Gina Gadis

Frankfurt am Main - Zum Frühstück ein Schinkenbrötchen mit Milchkaffee, am Mittag ein Schnitzel und abends ein paar Wiener mit Käsebrot: Wir Deutsche lieben Fleisch und Milchprodukte. Weltweit zählen wir mit zu den größten Fleisch-Essern. Doch das ist ein Problem.

Zur Herstellung von Tierprodukten werden viel Platz und vor allem jede Menge wertvolle Ressourcen benötigt.
Zur Herstellung von Tierprodukten werden viel Platz und vor allem jede Menge wertvolle Ressourcen benötigt.  © unsplash.com/Robert Bye

Und nein, ich möchte jetzt nicht über die Auswirkungen von Fleisch-Konsum auf die Gesundheit oder die Behandlung der Tiere sprechen, denn wir wissen alle, dass Massen-Tierhaltung einem Horrorfilm gleicht. Ich möchte heute über eine einfache ökologische Bilanz sprechen.

Die Zahl der Menschen auf diesem Planeten hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt - dank besserer Gesundheits-Versorgung und weniger Kriegen.

Aber unser Planet und damit der verfügbare Platz wird nicht größer. Neben dem Raum, den wir zum Leben benötigen, brauchen wir auch Fläche, um unsere Nahrung anzubauen.

Werden es immer mehr Menschen, brauchen wir immer mehr Nahrung und damit immer mehr Anbaufläche. Nun dient aber ein großer Teil der angebauten Nahrung nicht dem Menschen zum Verzehr, sondern dazu, Tieren zu ernähren, damit wir sie später essen können.

Auch diese Tiere brauchen wieder Fläche. Long story short: Zur Herstellung von Tierprodukten werden viel Platz und vor allem jede Menge wertvolle Ressourcen benötigt.

Zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser benötigt

Die Ressourcen, die zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch benötigt werden.
Die Ressourcen, die zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch benötigt werden.  © albert-schweitzer-stiftung.de

Laut welt.de ist die Fläche, die wir derzeit für die Nutztier-Haltung verwenden, so groß wie der Kontinent Afrika (die Anbaufläche für das Futter noch nicht mit eingerechnet).

Für kein anderes Konsumgut der Welt wird so viel Land benötigt, wie für die Herstellung von Fleisch und Milch. Wir sprechen hier von ganzen 77 Prozent des globalen Agrarlands - obwohl gerade mal 17 Prozent des menschlichen Kalorienbedarfs durch Tierprodukte gestillt werden.

Natürlich ist nicht jede Weide geeignet um Lebensmittel anzubauen. Trotzdem ist das Verhältnis fragwürdig. Um die Tiere zu ernähren, wird etwa 50 Prozent der weltweiten Soja- und Weizenernte an sie verfüttert.

Doch die Krone setzt dem Ganzen der Wasser-Verbrauch auf: Zur Herstellung von einem Kilo Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser benötigt. Würde sich jeder Mensch auf diesem Planeten so ernähren, wie wir hier in Deutschland, dann bräuchten wir eine zweite Erde. Schluck.

Die Ökobilanz von Tierprodukten ist ein Abgrund ohne Boden. Gerade jetzt, wo Treibhausgas-Emissionen Dauerthema der Medien sind, sei erwähnt: Stolze 14,5 Prozent der weltweit von Menschen verschuldeten Treibhausgase kommen aus der Tierhaltung. Das ist genauso viel, wie der gesamte Transport-Sektor produziert.

Weniger Fleisch-Konsum ist ein effektiver Weg, nachhaltiger zu leben.

Obst und Gemüse verursachen wesentlich weniger Treibhausgase als die Fleisch-Produktion.
Obst und Gemüse verursachen wesentlich weniger Treibhausgase als die Fleisch-Produktion.  © Screenshot: Das Erste

Das soll nicht heißen, dass der vollständige Verzicht auf tierische Produkte eine Verringerung der Emissionen um 14,5 Prozent bedeuten würde.

Dennoch verursacht die Herstellung von Obst und Gemüse (gerade wenn auf Saisonalität und Regionalität geachtet wird) deutlich weniger Gase.

Man muss ja nicht gleich Vegetarier oder Veganer werden. Aber den Fleischkonsum zu reduzieren, ist so ziemlich der effektivste Weg, um nachhaltiger und damit Ressourcen-schonender zu leben.

Wie wäre es denn erstmal mit einem oder zwei fleischfreien Tagen pro Woche? Auch das Vorbereiten von Mahlzeiten ermöglicht es, in der Mittagspause nicht aus der Not heraus wieder zum Fleischer oder Bratwurststand zu rennen.

Zum Beispiel könnte man am Sonntag einfach ein wenig mehr kochen als geplant und hat somit vorgesorgt. Oder probiere doch mal Hafermilch statt normaler Milch im Müsli. Sei einfach offen für Neues.

Jeder muss für sich herausfinden, auf was er verzichten mag und auf was nicht. Es gibt nicht nur Fleischesser oder Vegetarier, dieses Schwarz-Weiß-Denken ist völlig überholt. Wenn jeder von uns den Konsum von Tierprodukten ein wenig reduziert, ist schon sehr viel getan.

Früher war der Festtags-Braten noch etwas ganz besonderes und dahin sollten wir auch wieder zurück - den Tieren, uns und unserem Planeten zuliebe.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

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