Nach Brandanschlag: So soll der neue Goetheturm aussehen

Frankfurt am Main - Eine verschachtelte Holzkonstruktion und wieder genau 43 Meter hoch: Der neue Goetheturm soll für die Besucher ab Mitte kommenden Jahres genauso aussehen wie der alte.

Ein Bild aus alten Tagen: Der "alte" Goetheturm wurde 2017 Opfer eines Brandstifters.
Ein Bild aus alten Tagen: Der "alte" Goetheturm wurde 2017 Opfer eines Brandstifters.  © DPA

"Das Erlebnis des neuen Goetheturms wird genauso sein wie vorher", verspricht Baudezernent Jan Schneider (CDU) bei der Vorstellung des Modells am Donnerstag am Bauplatz in Sachsenhausen.

Dafür habe man auf eine Barrierefreiheit verzichtet, da beispielsweise ein Aufzug die Optik zerstört und das Projekt deutlich teurer gemacht hätte.

Erst bei genauerem Hinsehen sollen sich dann konstruktive Verbesserungen offenbaren: Die Treppen werden breiter und entsprechen neuen Bauvorschriften, Stahl soll die Holzteile zusammenhalten und den Bau vor Nässe schützen.

Für die Sicherheit werden am Sockel Gitter montiert, damit der Bau nur noch zu den Öffnungszeiten betreten werden kann. Ein dünnes Netz soll den ganzen Turm verkleiden. Eine Imprägnierung mit Teeröl wie beim alten Turm von 1931 ist heute nicht mehr erlaubt. Auch soll es künftigen Generationen möglich sein, einfacher einzelne Elemente zu ersetzen.

Nach dem Wiederaufbau der Altstadt nach altem Vorbild wagen die Frankfurter auch bei dem Holzbau keine Experimente: Bei einer Umfrage sprachen sich 78 Prozent der Befragten für einen originalgetreuen Wiederaufbau aus. Der Brand des Wahrzeichens im Oktober war der spektakulärste Fall in einer ganzen Reihe von Brandstiftungen an Holzgebäuden im Jahr 2017 und löste in der Bevölkerung Bestürzung aus.

Auch ein chinesischer Pavillon im Bethmannpark und ein koreanischer Pavillon im Grüneburgpark fielen den Flammen zum Opfer. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und sucht weiter nach dem Täter.

Authentizität statt Superlativ beim Neubau des Goetheturms

Jan Schneider, Baudezernent der Stadt Frankfurt, zeigt neben dem Holzmodell des neuen Goetheturms die Pläne für den Wiederaufbau.
Jan Schneider, Baudezernent der Stadt Frankfurt, zeigt neben dem Holzmodell des neuen Goetheturms die Pläne für den Wiederaufbau.  © DPA

"Das war schon ein Schock, wir konnten es erst kaum glauben", erinnert sich Birgit Gaebe. Sie und ihr Mann Detlev - beide im Ruhestand - leben in der Gegend und freuen sich schon auf den Neubau. Am Morgen nach dem Brand seien sie gleich zu den Ruinen gekommen. Viele Menschen hätten dort fassungslos mit Tränen in den Augen gestanden.

Der Turm sei einfach Teil ihres Lebens in Frankfurt gewesen, sagt das Rentnerpaar. Ob ein Ausflug mit Besuch von auswärts, zum Spielen mit den Kindern oder einfach für einen Blick auf die sich ständig wandelnde Skyline - immer wieder hätten sie über die Jahrzehnte die 196 Stufen zur Aussichtsplattform erklommen.

"Das war ein ganz böser oder ein ganz dummer Mann", hieß es damals im Kindergarten, erinnert sich Erzieher Axel Hunger, der mit einer Kindergartengruppe auf dem Spielplatz neben dem Bauplatz ist. "Bei meinem Papa habe ich Bilder von dem brennenden Turm auf dem iPad gesehen", erzählt die sechsjährige Madeleine. Als Ausflugsziel für die ganze Familie seien Frankfurter schon in der Kindheit auf den Goetheturm geprägt, begründet der Baudezernent die enge Verbundenheit mit dem eher schlichten Holzkonstrukt: "Ich war selbst zweimal mit der Grundschule hier."

Rund 2,4 Millionen Euro soll der Neubau kosten, was nach Angaben der Stadt komplett von der Versicherung und über Spenden von Unternehmen und Privatleuten finanziert werden soll. Baubeginn ist im Herbst, pünktlich zum Goetheturmfest im Mai 2020 soll Frankfurt dann sein Wahrzeichen wiederhaben.

Und zu Gunsten der historischen Korrektheit verzichtet die Wolkenkratzer-Stadt Frankfurt auf ein Superlativ: Bis 1999 war der Goetheturm nach Angaben von Schneider das höchste öffentlich zugängliche Holzgebäude in Deutschland, bis ein neuer Holzturm in Ostdeutschland Frankfurt den Titel abnahm.

Hätten sich die Frankfurter für einen Neuentwurf des Turms entschieden, hätte die Stadt wieder höher bauen können.

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