Nach fragwürdiger Bahn-Durchsage: Frau erntet rechten Shitstorm

Frankfurt/Hamburg - Julietta F. konnte kaum glauben, was sie da gerade gehört hatte. Die Hamburgerin saß in einem ICE zwischen Frankfurt und München, als sie eine Durchsage des Zugführers schockte.

Der Vorfall ereignete sich in einem ICE der Deutschen Bahn.
Der Vorfall ereignete sich in einem ICE der Deutschen Bahn.  © DPA

Aufgrund einer Bomben-Entschärfung blieb der Zug kurz vor Frankfurt stehen. Was folgte, war ein großer Aufreger.

"Liebe Fahrgäste, unser Zug hat wegen der Entschärfung einer Bombe, die die Westalliierten auf die unschuldige Bevölkerung Frankfurts abgeworfen haben, zur Zeit 45 Minuten Verspätung", lautete die Durchsage des Bord-Personals.

Julietta F. war fassungslos und wollte die entsprechende Person noch im Zug zur Rede stellen. Doch ihr Anliegen wurde abgelehnt.

Also wandte die Hamburgerin sich via Facebook an die Deutsche Bahn und fragte auf deren Seite: "Ist es im Sinne der Deutschen Bahn, dass Mitarbeiter politische Statements verbreiten?"

Die Antwort des Unternehmens kam, wenn auch passenderweise mit etwas Verspätung: "Hallo Julietta, was Sie da erlebt haben tut mir sehr leid. Kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt sind Grundwerte der Deutschen Bahn. Rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen widersprechen diesen Unternehmenswerten. Soweit ich mitbekommen habe, haben Sie bereits einen Service dazu kontaktiert. In dem Fall wird man dem Ganzen auch intern nachgehen und entsprechend auf den Kollegen zugehen."

So weit so gut. Doch was anschließend folgte, war nicht zu erwarten. Statt Unterstützung erntete die Hamburgerin einen wahren Shitstorm. Sie wurde auf das Übelste angegriffen und beschimpft. Von einer Moderation der Bahn keine Spur, kurze Zeit später zogen die Pöbler sogar auf das private Profil von Julietta F. weiter. Mittlerweile ist der Post auf der Facebook-Seite der Bahn nicht mehr zu finden.

Ein Zugbegleiter sorgte mit seiner Durchsage für große Empörung.
Ein Zugbegleiter sorgte mit seiner Durchsage für große Empörung.  © DPA

In den Attacken auf die Frau wurde eines deutlich. Wie heise-online berichtete, behauptete die Mehrheit, dass die Bomben der Alliierten doch nur unschuldige Zivilisten getötet hätten. Wer das bestreitet, würde lügen.

Schnell wurde deutlich, dass es sich bei den Angreifern laut Bericht um Anhänger der AfD, den Identitären, der Pegida und anderen einschlägigen rechtsradikalen Gruppen handelte.

Wie sich zudem herausstellte, waren unter den Pöblern auch - laut Profilangabe zumindest - zahlreiche Bahnmitarbeiter. Laut heise-online verwies eine Pressesprecherin auf die klare Haltung des Unternehmens.

"Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, seines Alters oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden. Rassismus, Mobbing und sexuelle Belästigung sind tabu. Wenn das Verhalten einzelner Mitarbeiter Anlass zur Beschwerde gibt, gehen wir den Fällen selbstverständlich nach."

Wie Julietta F. erklärte, habe sie mit einer solchen Reaktion gerechnet, aber es sei ihr wichtig gewesen, dass das öffentlich wird. Die Anfeindungen haben nach ihren Angaben weiter zugenommen, sie erreichen sie mittlerweile auch per Mail. Die Hamburgerin prüft rechtliche Schritte.

Nach Angaben der Deutschen Bahn habe mittlerweile ein Gespräch mit dem entsprechenden Mitarbeiter stattgefunden, er werde künftig nicht mehr im Kundenkontakt bei der DB arbeiten.

Für Julietta F. ist das zumindest ein kleiner Erfolg, auch wenn das mit Sicherheit nicht ihr Ziel war. Nun kann sie den Kampf gegen ihre Hasskommentare aufnehmen.

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