Meinung zur Horror-Attacke in Frankfurt: Rechte Hetze ist Missbrauch der Opfer

Wer die tödliche Attacke auf einen Jungen am Hauptbahnhof Frankfurt für politische Zwecke missbraucht, der missbraucht die Opfer der schrecklichen Tat, meint TAG24-Redakteur Florian Gürtler in seinem Kommentar.

Am Hauptbahnhof Frankfurt wurde am Montag ein achtjähriger Junge vor einen fahrenden ICE gestoßen und starb – ganz Deutschland wurde von der grausamen Tat geschockt.

Das Foto vom Dienstag zeigt Kerzen, Blumen und Plüschtiere am Tatort im Hauptbahnhof Frankfurt.
Das Foto vom Dienstag zeigt Kerzen, Blumen und Plüschtiere am Tatort im Hauptbahnhof Frankfurt.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Noch ist völlig unklar, was hinter der schrecklichen Attacke steckt. War es Mord, gar ein Anschlag oder die Tat eines Wahnsinnigen? Der mutmaßliche Täter, ein 40 Jahre alter Mann aus Eritrea, schweigt (TAG24berichtete).

Eines ist jedoch jetzt schon deutlich: Für die Meinungsmacher vom rechten Rand des politischen Spektrums – für die Scharfmacher von der AfD und andere rechte Hetzer – ist der Fall ein gefundenes Fressen.

Die Voraussetzungen sind ja auch nur zu gut: Ein Mann mit Migrationshintergrund, ein Afrikaner, ein Farbiger, tötet offenbar auf heimtückische und äußerst brutale Art und Weise ein Kind – eine Steilvorlage, um damit gegen Flüchtlinge im Besonderen und Ausländer im Allgemeinen zu schießen.

Prominentes Beispiel ist Alice Weidel (40), Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag. Sie nahm den Fall zum Anlass, um auf Twitter ganz allgemein zu postulieren, die Sicherheit würde "grenzenloser #Willkommenskultur geopfert".

All jenen, die nun glauben, die furchtbaren Ereignisse in Frankfurt dafür benutzen zu können, um Angst vor Migranten zu schüren, denen sei gesagt: Laut dem Kriminologen Christian Pfeiffer, dem früheren Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, hat die Zahl der tödlichen Gewalttaten in Deutschland seit der Wiedervereinigung um 63 Prozent abgenommen.

Politiker der etablierten Parteien diskreditieren

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Neben dem Bestreben, Angst vor und damit auch Feindseligkeit gegenüber Ausländern zu schüren, lässt sich auf Seiten der rechten Agitatoren aber auch noch eine zweite Stoßrichtung erkennen.

Der tödliche Zugschubser von Frankfurt wird auch dazu verwendet, um Repräsentanten der etablierten politischen Parteien zu diskreditieren.

Ein Beispiel hierfür ist die AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartman, die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Twitter angriff und den Tag der Geburt der Bundeskanzlerin im Zusammenhang mit der Attacke in Frankfurt verfluchte.

Von Comedian Oliver Pocher wurde die AfD-Politikerin dafür zu Recht deutlich kritisiert (TAG24 berichtete).

Ein anderes besonders prägnantes Beispiel wurde am gestrigen Dienstag bekannt: Dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (39) war von Unbekannten in sozialen Medien ein falsches Zitat untergeschoben worden (TAG24 berichtete).

Dem CDU-Politiker wurde fälschlicherweise die Aussage zugeschrieben, dass "wesentlich mehr Kinder 2019 an Masern verstorben" seien als bei "Unfällen mit Zügen".

Der Zweck dieses gefälschten Zitates ist offensichtlich: Der Politiker Jens Spahn sollte als Repräsentant der etablierten politischen Elite unmöglich gemacht werden – und damit auch zur Zielscheibe für zahllose Hass-Kommentare auf Facebook und Twitter.

Rechte Hetzer sind zynisch und missbrauchen die Opfer

Feindseligkeit gegen Minderheiten schüren und die politische Konkurrenz als verkommen darstellen, anstatt mit sachlichen Argumenten für seine eigene Politik zu werben, das sind bewährte und nur zu gut bekannte Methoden der rechten Populisten.

Hierfür jedoch den grausamen Tod eines achtjährigen Jungen und das Leid seiner Familie zu instrumentalisieren ist zynisch und einfach nur hässlich.

Wer die tödliche Attacke auf den Jungen am Hauptbahnhof Frankfurt für politische Zwecke missbraucht, der missbraucht die Opfer dieser schrecklichen Tat – und das ist abscheulich!

Titelfoto: Montage: dpa/Frank Rumpenhorst, Florian Gürtler

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