Kind (8) wird von Mann auf Gleise gestoßen und stirbt: Seehofer bricht seinen Urlaub ab

Berlin/Frankfurt am Main - Politiker haben mit Bestürzung auf die Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof reagiert.

Polizisten und Feuerwehrleute spannen im Hauptbahnhof eine weiße Plane als Sichtschutz vor einen ICE.
Polizisten und Feuerwehrleute spannen im Hauptbahnhof eine weiße Plane als Sichtschutz vor einen ICE.  © dpa/Andreas Arnold

"Was für eine heimtückische, entsetzliche Tat, ein unschuldiges Kind aus dem Leben zu reißen", schrieb die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, am Montag bei Twitter. "Meine Gedanken sind bei der Mutter und den Angehörigen des Jungens. Es ist einfach nur schrecklich."

Ein achtjähriger Junge war zuvor im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet worden. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen fest. Der Mann soll auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett gestoßen und es bei einer weiteren Person versucht haben.

Die 40-jährige Mutter habe sich auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Die dritte Person konnte sich in Sicherheit bringen, ohne in die Gleise zu stürzen. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdelikts und wertet Videoaufnahmen aus. Der 40 Jahre alte Tatverdächtige soll ersten Ermittlungen zufolge aus Eritrea stammen. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch vollkommen unklar.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sprach von einer abscheulichen Tat. Zugleich setzte Weidel sie in Verbindung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. "Schützt endlich die Bürger unseres Landes - statt der grenzenlosen Willkommenskultur!", schrieb sie bei Twitter. Parteivize Georg Pazderski äußerte sich ähnlich.

Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger schrieb daraufhin in dem Kurznachrichtendienst: "Ein achtjähriges Kind stirbt nach einer schrecklichen Tat in Frankfurt und was macht die @AfD? Sie verbreiten ihre widerliche und rassistische Hetze auf @Twitter! Es geht ihnen darum Hass zu verbreiten und Menschen gegeneinander aufzuwiegeln." Auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann meldete sich nach dem tragischen Zwischenfall zu Wort. Auf Twitter schrieb er:

"Die furchtbare Tat im Frankfurter Hauptbahnhof hat mich tief getroffen. Es ist nicht zu ermessen, welches Leid mit dem Tod des Jungen über die Familie gebracht wurde, welch unermesslicher Schmerz. Den Angehörigen gilt mein tief empfundenes Beileid."

Innenminister Seehofer bricht Urlaub ab

Bundesinnenminister Horst Seehofer.
Bundesinnenminister Horst Seehofer.  © dpa/Bernd von Jutrczenka

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte an, seinen Urlaub zu unterbrechen. "Angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" wolle er die Chefs der Sicherheitsbehörden treffen.

Nach dpa-Informationen soll es dabei auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.

An diesem Dienstag will Seehofer die Öffentlichkeit informieren. "Der Täter wird für die Tat mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu Verantwortung gezogen werden." Soweit nötig, stelle er dem Land Hessen jede Unterstützung etwa der Bundespolizei oder des Bundeskriminalamts zur Verfügung.

Seehofer verwies darauf, dass "in Teilen der Öffentlichkeit" bereits eine Bewertung der Tat vorgenommen werde. "Dies ist seriös aber erst möglich, wenn die Hintergründe aufgeklärt sind", betonte der Minister. Auf Twitter brachten manche Nutzer die Tat am Montag in Verbindung mit der deutschen Asylpolitik.

Der Frankfurter Fall erinnert an eine Attacke, die sich vor gut einer Woche in Voerde in Nordrhein-Westfalen ereignet hatte: Dort hatte ein Mann eine Frau an einem Bahnhof vor einen Zug gestoßen und so getötet.

Titelfoto: Montage: DPA/Andreas Arnold, Bernd von Jutrczenka

Mehr zum Thema Mord:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0