"Hitler hat vergessen, Euch zu vergasen": Das müssen sich Juden beim Fußball anhören

Alon Meyer ist Präsident von Makkabi Deutschland. (Fotomontage)
Alon Meyer ist Präsident von Makkabi Deutschland. (Fotomontage)  © DPA

Frankfurt - Alon Meyer ist Präsident von Makkabi Deutschland, dem Dachverband jüdischer Sportvereine der Bundesrepublik. Seine Erzählungen über das, was Juden auf den Fußballplätzen dieses Landes widerfährt, schockieren.

Gegenüber der Bild-Zeitung packte der 43-Jährige über vergangene Vorfälle aus. "Allein in den letzten Wochen gab es mehrere Fälle, die alle Grenzen überschritten haben. Drei landeten beim Rechtsausschuss der Frankfurter Vereine", sagte Meyer dem Blatt.

Das Sprachrohr des jüdischen Dachverbandes stellt klar: "Sportler sind keine Lämmer. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man 'Du Idiot' brüllt, als wenn von 'Vergasen' die Rede ist. Das darf in Deutschland doch nicht passieren, dass so etwas als normale Beschimpfung abgetan wird".

Wie aus dem Bericht hervorgeht, kam es am 8. Oktober diesen Jahres bei einem Herren-Spiel in Frankfurt zu einem Eklat. Ein Mann am Spielfeldrand schrie aufs Feld: "Schiri, zieh dein Judentrikot aus", "Hitler hat vergessen, euch zu vergasen", "Ihr dreckigen Juden". Was nach einem schlechten Witz klingt, ist auf Deutschlands Fußballplätzen bittere Realität.

Sogar Kinder, Meyer selbst ist dreifacher Vater, müssen sich antisemitische Parolen anhören. Mitte November sei ein Spiel einer B-Jugend von Makkabi mit einem Polizeieinsatz zu Ende gegangen. Ein Jugendlicher jüdischer Abstammung verletzte sich auf dem Platz, dann eskalierte die Situation. Zuschauer brüllten judenfeindliche Sätze in Richtung Rasen. Später wurde dann dem Schiedsrichter gedroht: "Ich stech dich ab!". Dann mussten die Beamten eingreifen.

Derzeit sei der Hass laut Meyer so groß, dass Kinder sich überlegen müssen, überhaupt am Wettbewerb gegen andere Mannschaften teilzunehmen: "Ich erlebe Kinder, die ganz klar sagen: Ich spiele nicht, weil ich Angst habe", so Meyer. Eine Lösung der Problematik ist nicht in Sicht, die Anzahl der Fälle nehmen nicht ab. Der Präsident will aber weiterhin für die Sicherheit seiner Sportler kämpfen.


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