Wohnungsnot: Verband fordert "Masterplan" und mehr Bauland

Das Europaviertel von Frankfurt ist noch nicht fertig, doch die Wohnungen werden nicht ausreichen.
Das Europaviertel von Frankfurt ist noch nicht fertig, doch die Wohnungen werden nicht ausreichen.  © DPA/Arne Dedert

Frankfurt - Damit schneller neue Wohnungen gebaut werden können, ist aus Sicht der Wohnungswirtschaft ein Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen nötig.

"Was wir brauchen, ist ein Zusammenwirken der für das Wohnen und Bauen zuständigen staatlichen Ebenen", sagte Axel Tausendpfund, der Direktor des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Dadurch hätten es die Kommunen leichter, neue Baugebiete auszuweisen. Die Projekte wären dann Teil eines "großen Masterplans" für die gesellschaftliche Aufgabe, neuen Wohnraum zu schaffen, sagte Tausendpfund vor einem Verbandstreffen kommende Woche im mittelhessischen Marburg.

In Hessen werden bis zum Jahr 2040 insgesamt 517.000 neue Wohnungen benötigt, wie zuletzt eine Prognose des Institutes für Umwelt und Wohnen in Darmstadt ergeben hat. Bis 2020 müssten jährlich rund 37.000 Wohnungen gebaut werden – vor allem im Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen. Das Land plant bis Ende 2019 rund 1,2 Milliarden Euro Fördermittel für 12.000 Wohnungen ein.

Fertiggestellt werden jedes Jahr allerdings nur etwa 20.000 Wohnungen, wie Tausendpfund weiter sagte. "Dieses Delta von 17.000 liegt maßgeblich daran, dass die Kommunen zu wenig Bauland ausweisen." Hintergrund sei eine "Gemengelage von unterschiedlichen Problemstellungen" wie Widerspruchsverfahren gegen geplante Bauprojekte oder Finanzierungsfragen.

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben mehr als 200 Unternehmen in Hessen und dem südlichen Rheinland-Pfalz, hinter denen insbesondere Genossenschaften und Kommunen stehen. Bei seinem Treffen am Dienstag und Mittwoch (12. und 13. September) in Marburg will der Verband über die Zukunft des Wohnungsbaus diskutieren.

Insgesamt gehe es der Branche derzeit zwar gut, sagte der Verbandsdirektor. Die Politik müsse aber die Rahmenbedingungen so gestalten, "damit unsere Unternehmen einen Teil der fehlenden Wohnungen bauen können, gerade im unteren und mittleren Preissegment".

Angesichts der Bedeutung des Themas plädiere der Verband auch für ein eigenständiges Bauministerium in Hessen.

Titelfoto: DPA/Arne Dedert


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