Krass! Schüler muss mit Gasmaske aufs Schulklo gehen

Der Screenshot zeigt eine Szene aus dem Film "Die Tasche".
Der Screenshot zeigt eine Szene aus dem Film "Die Tasche".  © Screenshot aus dem YouTube-Film Die Tasche

Frankfurt - "Frau Müller, dürfte ich bitte auf die Toilette gehen?", meldet sich der Schüler höflich. "Ja natürlich", antwortet die Lehrerin mit Sorgenfalten im Gesicht. "Aber: Denk an die Tasche!".

Der Schüler nimmt das Köfferchen – und zieht auf dem Weg zum Klo Gummihandschuhe und Atemschutz über. Die Szene stammt aus dem Youtube-Film "Die Tasche", der gerade unter Frankfurter Eltern fleißig geteilt und geliked wird. Der Spot wirbt für eine Petition, die saubere Schultoiletten fordert.

Die Klos in der reichen Metropole Frankfurt seien ein "Albtraum", sagt Alix Puhl, bis vor kurzem Vorsitzende des Frankfurter Stadtelternbeirats, der die Petition zusammen mit dem StadtschülerInnenrat auf den Weg gebracht hat. Stinkende, verdreckte, veraltete und kaputte Toiletten seien "der Dauerbrenner an allen Frankfurter Schulen" – und nicht nur dort.

In manchen Grundschulen müssen die Kinder für den Klogang aus dem vierten Stock in den Keller laufen. In anderen bekommen sie das Klopapier – nach Blatt abgezählt – im Kassenzimmer ausgehändigt. Sie müssen einen Korb mit Papier, Seife und Handtuch mitnehmen oder sich auf dem Weg zum Örtchen im Sekretariat auf einer Liste eintragen.

Die Schultoilette ist für viele Schülerinnen und Schüler ein Ort des Ekels (Archivbild).
Die Schultoilette ist für viele Schülerinnen und Schüler ein Ort des Ekels (Archivbild).  © dpa/Julian Stratenschulte

Es handle sich nicht um Einzelfälle, an fast allen Frankfurter Schulen sei die Toiletten-Situation "miserabel", sagt Stadtschulsprecher Kevin Saukel.

Bei den Vollversammlungen der Frankfurter Schülervertretungen sei das ein Dauerthema. Mit der Petition wollen die Schüler nicht nur erreichen, das saniert und neu gebaut wird. Sie hoffen vor allem auf ein neues Reinigungskonzept, entweder mit Reinigungskräften vor Ort oder häufigerem Putzen.

"Die Kinder sind auch nicht ganz unschuldig", sagt Alix Puhl. Die Erfahrung zeige, dass sich die Schüler bei sauberen Toiletten mehr Mühe geben, sie in gutem Zustand zu halten – besonders dort, wo sie selbst an Renovierung oder Reinigung beteiligt waren. Dem würden sich die Schüler nicht verweigern, sagt Saukel. Er schlägt auch Vollversammlungen in den Schulen vor, um die Kinder zu sensibilisieren, dass sie selbst etwas beitragen können.

4000 Unterschriften wollten die Initiatoren der Petition ursprünglich sammeln – mehr als 5000 sind schon zusammengekommen. Die Forderung: "Ausreichend viele, saubere und sanierte Toiletten in jeder Schule!". Es gehe um mehr als Ekel – es gehe auch um die Gesundheit: Kinder verkniffen sich den Toilettengang während der Schulzeit, manche würden nichts trinken, um auf keinen Fall zur Toilette zu müssen, sagt Puhl.

Zuständig in Frankfurt ist nicht das Schul-, sondern das Baudezernat unter Stadtrat Jan Schneider (CDU). Das neue Amt für Bau und Immobilien (ABI) wurde erst im November gegründet, es vereint Hochbauamt, Liegenschaftsamt und die Immobilien-Abteilungen einzelner Ämter wie eben auch des Stadtschulamtes. "Der Handlungsbedarf ist unstrittig", kommentiert Amtsleiter Michael Simon die Beschwerden über Frankfurts Schultoiletten.

Er will eine "Task Force" gründen, die sich des Themas annimmt. Stadtelternbeirat, Schulamt, das Amt für Bau und Immobilien und am Rande auch das Gesundheitsamt sollen mitmachen. Die Agenda: erst den Ist-Zustand erfassen und bewerten, dann Maßnahmen vorschlagen und eine Reihenfolge für die Sanierung festlegen. "Noch vor Ostern wird das anlaufen", sagt Simon, selbst Vater von vier Kindern.

Einen anderen Weg erprobt seit einiger Zeit die Alfred-Wegener-Gesamtschule im hessischen Kirchhain. Die Schule kassiert von ihren Schülern Toilettengeld (TAG24 berichtete).

Titelfoto: Screenshot aus dem YouTube-Film Die Tasche


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