Islamisierter Osterhase? Erika Steinbach tritt wieder ins Fettnäpfchen

Frankfurt - Ist die abendländische Kultur mal wieder in Gefahr? Erika Steinbach (74, einstmals Vorzeige-Konservative in der CDU, inzwischen parteilos) zieht jedenfalls auf Twitter für die Ehrenrettung des Osterhasen ins Gefecht – aber ist das wirklich nötig?

Sie setzen sich für den Osterhasen ein: Jörg Meuthen (AfD) und Erika Steinbach.
Sie setzen sich für den Osterhasen ein: Jörg Meuthen (AfD) und Erika Steinbach.  © 123RF/epfop, dpa

Zum Hintergrund: Auf der Plattform Twitter kursiert seit Kurzem das Foto eines Kassenbelegs einer Karstadt-Filiale in Hamburg vom Mittwoch (28. März). Neben diversen anderen Lebensmitteln ist darauf auch der Kauf zweier "Traditionshasen" für je 1,79 Euro vermerkt. Diese Kostenstelle ist mit einem roten Kringel markiert und daneben prangt in Rot die anklagende Frage: "Osterhasen?"

Zahlreiche Twitter-Nutzer besprechen seither das Foto und beklagen unter den Hashtags #Traditionshase und #Traditionshasen, dass angeblich aus Rücksicht auf religiöse Minderheiten in Deutschland das christliche Osterfest verleugnet werde. Jörg Meuthen (Bundessprecher der AfD) spricht in einem Facebook-Post zu diesem Thema sogar von einer "Unterwerfung".

Laut Meuthen stammt das Foto des Kassenbelegs von dem Rechtsanwalt und Publizisten Joachim Nikolaus Steinhöfel. Dieser hat tatsächlich am 28. März das Foto auf Twitter gepostet. Sein Kommentar dazu: "Wohl um keine religiösen Gefühle zu verletzen, gibt es bei der Karstadt AG jetzt keine Osterhasen mehr, sondern "Traditionshasen". Die Unterwerfung und die Selbstaufgabe schreiten voran. Ich gebe bei Karstadt keinen Cent mehr aus."

An ihm entzündete sich anscheinend der Streit: Der Schokoladenhase von Lindt ist bei den Deutschen überaus beliebt (Archivbild).
An ihm entzündete sich anscheinend der Streit: Der Schokoladenhase von Lindt ist bei den Deutschen überaus beliebt (Archivbild).

Seitdem schwappt die religiöse Empörungswelle durch das Internet.

Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete aus Frankfurt Erika Steinbach schwappt dabei voll Eifer mit: "Bei Karstadt gibt es keine Osterhasen mehr, sondern Traditionshasen. Wer mir keine Osterhasen mehr verkaufen will, der kann auch sonst auf mich verzichten……..", lautet das Twitter-Urteil der 74-Jährigen, die auch früher schon keinen Hehl aus ihrer Nähe zur AfD gemacht hat (TAG24 berichtete).

Was die abendländischen Traditionshasen Steinbach, Meuthen und Co. zwar nicht gerne hören, was aber dennoch wichtiger Teil dieser Geschichte ist: Der REWE-Konzern hat sich auf Twitter inzwischen ebenfalls zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Das ist durchaus angebracht, denn die Karstadt-Lebensmittelabteilungen sind ein Joint Venture der Karstadt Warenhaus GmbH und der REWE Group.

Rewe also erklärte auf Twitter, dass der bekannte und beliebte "Lindt Goldhase" (um den es bei der ganzen Aufregung scheinbar geht) in den Regalen und auf den Kassenbons des Unternehmens schon seit 1992 als "Traditionshase" ausgewiesen wird. Der Grund dafür: Laut REWE werden diese Schokoladenhasen schon seit den frühen 1950er Jahren in Deutschland angeboten, daher sei die Bezeichnung "Traditionshasen" durchaus treffend.

Es bleibt fraglich, ob derartige Feinheiten den entflammten Zorn der Möchtegern-Kreuzritter besänftigen können – aber Ostern ist ja auch bald vorbei und dann kehrt wieder Ruhe im Wasserglas ein.

Für Erika Steinbach ist es übrigens nicht das erste Mal, dass sie sich mit einem Tweet verrennt. Erst im Februar empörte sie sich via Twitter über einen Muslim, der angeblich keinen Jägermeister mehr trinken wollte, weil das Logo der Marke ein Kreuz enthalte – es war eine Fake-Meldung der Satire-Webseite Postillon.

Titelfoto: 123RF/epfop, dpa


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