Umstrittene Psychiatrie-Ausstellung mit Scientology-Geld finanziert

Frankfurt - Die Ausstellung "Psychiatrie. Tod statt Hilfe" – die noch bis Montagabend (22 Uhr) in einem Zelt auf der Hauptwache besichtigt werden kann – steht gleich in doppelter Weise in der Kritik.

Das Ausstellungszelt steht unübersehbar auf der Frankfurter Hauptwache.
Das Ausstellungszelt steht unübersehbar auf der Frankfurter Hauptwache.  © TAG24

So wandte sich der Gesundheitsdezernent von Frankfurt, Stefan Majer (Grüne), am vergangenen Donnerstag deutlich gegen die Schau, die anhand von reißerisch inszenierten Schautafeln und Filmen vor einer angeblichen Gefährlichkeit der Psychiatrie warnt. "Hier wird Meinungsfreiheit zur Hetze missbraucht", sagte der 60-jährige Grünen-Politiker wörtlich.

Auch wegen der offen eingeräumten Verbindungen des Vereins hinter der Ausstellung ("Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland", KVPM) mit der vom Verfassungsschutz beobachteten Scientology Kirche steht die Schau auf der Hauptwache in der Kritik (TAG24 berichtete).

Am Montagmittag zog die KVPM nun Resümee. Laut Darstellung des Vereins stieß die Schau – deren Ausstellungsmaterial laut Flyer "nicht für Kinder geeignet" ist – auf ein "überwältigendes Interesse der Bevölkerung". Knapp 10.000 Besucher hätten das Zelt auf der Hauptwache bis Montagmittag aufgesucht.

Das Foto zeigt die Querseite des Zeltes.
Das Foto zeigt die Querseite des Zeltes.

Auf Nachfrage von TAG24 äußerte sich Nicola Cramer, Vizepräsidentin von KVPM Deutschland, auch zu dem Vorwurf des Frankfurter Gesundheitsdezernenten Stefan Majer: "Wir laden diesen Politiker herzlich ein, unsere Ausstellung mal zu besuchen und sich ein eigenes Bild davon zu machen, und hinterher ein Gespräch darüber zu führen", sagte die KVPM-Sprecherin.

Nicola Cramer räumte zudem offen ein, dass es Verbindungen zwischen der "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland" und Scientology gibt.

Auf die Finanzierung ihres Vereins angesprochen, räumte die Sprecherin ein, dass die Münchner Geschäftsstelle der KVPM in Deutschland durch die Mitgliedsbeiträge von gerade einmal 200 Vereinsmitgliedern finanziert würde, darunter "einzelne Scientologen".

Bei Großveranstaltungen wie dem Ausstellungszelt auf der Frankfurter Hauptwache werde man zusätzlich unterstützt von einer "internationalen Vereinigung von Scientologen", denen man auch "sehr dankbar" sei.

Danach bewies die Sprecherin außerdem noch ihr profundes Wissen um die Ansichten des berüchtigten Scientology-Gründers L. Ron Hubbard (1911–1986), der laut Nicola Cramer als einer der Ersten die "unmenschlichen Zustände in psychiatrischen Anstalten" angeprangert habe, und der auch dazu aufgerufen habe, eine Kommission ins Leben zu rufen, welche die Einhaltung der Menschenrechte in der Psychiatrie einfordert.

"Und das ist exakt das, was wir tun", fügte die KVPM-Sprecherin noch hinzu.

Die Geldgeber in Übersee werden es sicher gerne hören, dass die Ausstellungsmacher sich so eindeutig in die Tradition des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard stellen.

Titelfoto: TAG24


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