"Fridays for Future": Hier ist keiner, um einfach Schule zu schwänzen!

Von Gina Gadis*

Frankfurt am Main - „What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“ brüllen mehr als 6000 Schüler und Studenten auf der "Fridays for Future"-Demonstration in Frankfurt.

6000 Schüler und Studenten demonstrierten für den Klimaschutz.
6000 Schüler und Studenten demonstrierten für den Klimaschutz.  © Gina Gadis

Und ich stehe mittendrin und fühle mich großartig, Teil dieses Klimastreiks zu sein, der in über 100 Ländern stattfand. Wer hätte denn gedacht, dass eine Schülerin so eine riesige globale Bewegung ins Laufen bringen kann.

Die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden geht seit Monaten freitags nicht in die Schule, um für den Klimaschutz zu streiken und hat damit ziemlich viel Aufsehen erregt. Mittlerweile schließen sich ihr tausende Schüler, Studenten und Auszubildende auf der ganzen Welt an und geben ihren Frust freitags vor den Parlamenten eine Stimme.

Für eine Minute wird es aber auch ganz leise und alle gehen vor der Alten Oper in die Hocke, um eine Schweigeminute für das Klima einzulegen.

Mit phantasievollen Plakaten liefen die Demonstranten durch die Straßen.
Mit phantasievollen Plakaten liefen die Demonstranten durch die Straßen.  © Gina Gadis

Anschließend betont eine Sprecherin nochmals, dass gerade die jetzige "junge Generation" am meisten unter den Folgen des Klimawandels leidet. "Gleichzeitig sind wir die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann."

Der Frust richtet sich vor allem an die Politiker, die nichts/zu wenig unternehmen, um die Klimakrise abzuwenden. "Lange fielen in Deutschland die Treibhausgasemissionen, seit kurzem steigen sie wieder an. Dies ist vor allem dem Bereich Verkehr zu schulden, in dem die Emissionen seit Jahren kontinuierlich ansteigen."

Natürlich ist es richtig, dass von Seiten der Politik etwas passieren muss, aber die Schuld ist sicherlich nicht nur bei den Politikern zu suchen. Schließlich werden all diese Treibhausgase nur emittiert, weil es eine Nachfrage nach den daraus resultierenden Produkten gibt. Und diese Nachfrage verursachen wir Konsumenten.

Deswegen habe ich mich neben Plakatsprüchen wie: "Warum lernen ohne Zukunft?", "Don‘t change the climate, change the system", "Opa, was ist ein Schneemann?“ für "Gegen Kohlestrom demonstrieren ist gut -> Kohlestrom nicht mehr beziehen ist besser!" entschieden.

Vor allem das große Engagement der Schüler begeisterte unsere Kolumnistin.
Vor allem das große Engagement der Schüler begeisterte unsere Kolumnistin.  © Gina Gadis

Die Stimmung ist großartig, es wird gesungen, Parolen geschrien und diskutiert. Kurzzeitig wurden Straßen und somit der Verkehr blockiert und aus "Nie, nie, nie wieder Kohle"-Rufen wurde "Motor aus! Motor aus!".

An der nächsten Straßenecke bekommt die Mädchengruppe neben mir Flyer in die Hand gedrückt und sie fangen an zu diskutieren, wie sinnvoll und nachhaltig solche Flyer sein sollen. Ich bin begeistert und frage die Mädchen was sie denn sonst noch so gegen den Klimawandel tun, außer hier zu demonstrieren. Sie erzählen mir, dass sie versuchen, kaum Fleisch zu essen, auf Plastikverpackungen verzichten und möglichst Bio-Lebensmittel kaufen.

Auch andere Schüler antworten mir auf die Frage, dass sie Vegetarier sind, Müll einsammeln, sich bei Umwelt-Organisationen engagieren oder versuchen, so viel wie möglich zu laufen. Die Jugend von heute ist offensichtlich sehr viel besser über das Thema informiert, als ich es erwartet hatte.

Sie erzählen mir auch, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz mittlerweile fester Bestandteil im Lehrplan geworden sind. Meine anfängliche Befürchtung, dass viele Schüler dieses Event nur nutzen, um Schule zu schwänzen, hat sich keinesfalls bestätigt. Natürlich wird es Ausnahmen geben und ja, dass dafür noch mehr Schule ausfällt, ist beim derzeitigen Lehrermangel schade, aber seien wir mal ehrlich: gibt es einen besseren Grund, Schule ausfallen zu lassen, als sich für das Klima und damit für die Zukunft einzusetzen?

Selbst wenn die Demonstrationen zu keinen politischen Veränderungen führen würden, haben sie auf jeden Fall für sehr viel mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit gesorgt, um ein Umdenken voranzutreiben.

* Über die Kolumnistin

Gina Gadis engagiert sich für Umweltschutz.
Gina Gadis engagiert sich für Umweltschutz.

Gina (25) ist geboren in Dresden, studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, 10 Monate davon war sie in Asien unterwegs. Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihre Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

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