Achtung! Hinter Psychiatrie-Ausstellung steckt Scientology

Frankfurt - Die Botschaft ist eindeutig: "Psychiatrie = Organisierte Kriminalität" steht in großen schwarzen Buchstaben auf der Querseite des Zeltes, das aktuell mitten auf der Hauptwache steht.

Das Foto zeigt die Querseite des Zeltes.
Das Foto zeigt die Querseite des Zeltes.

"Öffentliche Warnung vor der Psychiatrie" steht zusätzlich auf einem Plakat an der Längsseite des gewaltigen weißen Zeltes, das seit Dienstag zentral mitten in der City der Mainmetropole Frankfurt aufgestellt ist.

Die Stoßrichtung der Ausstellung "Psychiatrie. Tod statt Hilfe", die noch bis zum 25. Juni täglich von 10 bis 22 Uhr kostenlos besucht werden kann, ist damit klar. Mit drastischen Schautafeln und Filmen (laut Flyer "nicht für Kinder geeignet") wird in dem Zelt anhand von historischen Beispielen vor der angeblichen Gefährlichkeit der Psychiatrie gewarnt.

Hinter der Schau steht der Verein "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland" (KVPM), der laut seiner Website 1972 in München gegründet wurde. Interessant ist, wer diesen Verein gegründet hat: Es waren "Mitgliedern der Scientology Kirche", wie auf der Website und auch im Kleingedruckten des Flyers zu lesen ist, der in dem Zelt ausliegt.

"Öffentliche Warnung vor der Psychiatrie" steht auf dem Plakat, das an der Querseite des Zeltes hängt.
"Öffentliche Warnung vor der Psychiatrie" steht auf dem Plakat, das an der Querseite des Zeltes hängt.

Die Verbindung der Ausstellung in Frankfurt mit Scientology sollte jedem Besucher der Schau besser bewusst sein.

Die religiöse Bewegung gilt als gefährlich – sie wird in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet.

Daher sollten Besucher der Ausstellung auf der Hauptwache es sich gut überlegen, ob sie am Ende des Rundgangs eine Umfrage ausfüllen möchten, die dort offen ausliegt.

Denn der Zettel fragt auch den Namen, die Adresse und weitere Kontaktdaten der jeweiligen Person ab.

Update, 18.30 Uhr: Der Gesundheitsdezernent von Frankfurt, Stefan Majer (Grüne), hat sich am Donnerstag ebenfalls zu der Ausstellung "Psychiatrie. Tod statt Hilfe" geäußert.

Zahlreiche Briefe und Anrufe von Betroffenen und professionell im psychiatrischen Umfeld tätigen Personen hätten das Gesundheitsdezernat und das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt in Bezug auf die Ausstellung an der Hauptwache erreicht.

Der Grünen-Politiker Majer (60) sagte als Gesundheitsdezernent von Frankfurt zu der Schau: "Hier wird Meinungsfreiheit zur Hetze missbraucht." Der Politiker setzet hinzu, man könne in der Bundesrepublik nach der erfolgreich umgesetzten Psychiatrie-Enquete auf 40 Jahre gemeindenahe, hochdifferenzierte, am Menschen orientierte psychiatrische Versorgung zurückblicken.

Dies träfe insbesondere auf Frankfurt zu.

Titelfoto: TAG24