Fußball-Schiri bewusstlos geschlagen: Schiedsrichter-Obmann kritisiert Verbreitung von Brutalo-Clip

Frankfurt am Main/Berlin - Nach dem Fall eines bewusstlos geschlagenen Fußball-Referees hat der zuständige Schiedsrichter-Obmann des Kreises Dieburg die Verbreitung des Videos scharf kritisiert. Auch die DFB-Spitze meldete sich mittlerweile zu Wort.

Der Schiri erlitt eine Gehirnerschütterung.
Der Schiri erlitt eine Gehirnerschütterung.

"Ich war völlig schockiert", sagte Schiedsrichter-Obmann Thorsten Schenk der "Welt" (Mittwoch) über die gewalttätige Attacke.

"Und dass davon jetzt ein Video überall weiterverbreitet wird, dass sich das jeder anschauen kann, entsetzt mich. Was glauben Sie, wie sich die Familie dieses jungen Mannes dabei fühlt, dass die Leute sich an diesen Bildern ergötzen?"

Am vergangenen Sonntag war ein 22 Jahre alter Unparteiischer in der Partie des FSV Münster gegen TV Semd in der hessischen C-Liga Dieburg von einem Spieler der Gastgeber bewusstlos geschlagen worden. Er musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden.

Schenk klagte: "Man hat das Gefühl, die Leute wollen unbedingt etwas Brutales sehen. Und das ist kein Phänomen, dass der Fußball exklusiv hat. Schauen Sie sich etwa die Gaffer bei Verkehrsunfällen an."

Nach Angaben des Schiedsrichter-Obmanns sind es "nicht mehr Vorfälle geworden, aber die Brutalität nimmt zu." Schenk sagte: "Heute müssen Rettungs- und Sicherheitsdienste froh sein, wenn sie nicht bepöbelt werden. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch im Fußball vorkommt."

Nach Gewalt-Akt auf Schiri: DFB-Spitze meldet sich zu Wort

Frankfurt am Main - Die Führung des Deutschen Fußball-Bundes hat die zunehmende Gewalt gegen Amateur-Schiedsrichter scharf verurteilt und den ehrenamtlichen Unparteiischen die volle Unterstützung zugesagt.

"Die zahlreichen Gewalttaten, Respektlosigkeiten und Übergriffe gegen Schiedsrichter auf den Amateurplätzen schockieren auch uns, wir sind bestürzt, fassungslos und betroffen", heißt es in einem von Präsident Fritz Keller, den Vizepräsidenten Rainer Koch und Ronny Zimmermann sowie Generalsekretär Friedrich Curtius unterzeichneten Brief.

Jeder Vorfall "sei einer zu viel, jede Form von Gewalt sei nicht akzeptabel", schrieb die DFB-Spitze weiter. "Angriffe auf den Schiedsrichter sind Angriffe auf den Fußball. Und das muss, da gibt es keine zwei Meinungen, aufhören!"

Es müsse alles dafür getan werden, die Schiedsrichter in den unteren Spielklassen zu schützen.

DFB-Präsident Fritz Keller wendete sich zusammen mit Rainer Koch und Ronny Zimmermann sowie Generalsekretär Friedrich Curtius an die Öffentlichkeit.
DFB-Präsident Fritz Keller wendete sich zusammen mit Rainer Koch und Ronny Zimmermann sowie Generalsekretär Friedrich Curtius an die Öffentlichkeit.  © DPA

"Wir als Dachverband werden die Landesverbände und die Schiedsrichter-Ausschüsse uneingeschränkt bei allem unterstützen, was dazu dient, dass möglichst alle Fußballspiele in Deutschland wieder gewaltfrei stattfinden", kündigte der DFB an und versicherte den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern: "Wir lassen Sie nicht allein!"

Zugleich appellierten Keller & Co. an die staatlichen Institutionen, gegen die zunehmende Gewalt mit aller Schärfe vorzugehen. "Gefragt ist nicht nur die Sportgerichtsbarkeit, sondern vor allem Polizei, Justiz und auch die Politik. Fußballplätze sind keine rechtsfreien Räume", hieß es.

Und weiter: "Von den Staatsanwaltschaften und der Polizei wünschen wir uns mitunter einen größeren Ermittlungseifer, wenn es um Straftaten auf dem Fußballplatz geht."

Auf diesem Rasen schlug der Spieler plötzlich auf den 22-jährigen Schiri ein.
Auf diesem Rasen schlug der Spieler plötzlich auf den 22-jährigen Schiri ein.

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