TAG24-Bundesliga-Analyse: Für Eintracht Frankfurt zählt nur Europa!

Endlich geht es wieder los! Bereits am kommenden Wochenende starten die Bundesligisten im DFB-Pokal in die neue Saison. In der großen Analyse nimmt TAG24 alle 18 Klubs genau unter die Lupe und schätzt die Stärken, Schwächen und den Kader der Teams ein.

Frankfurt am Main - In der vergangenen Spielzeit mauserte sich die Frankfurter Eintracht zur reinsten Überraschungsmannschaft der Bundesliga. Mit offensivem und schön anzusehendem Fußball kickten sich die Adlerträger unter ihrem damals neuen Coach Adi Hütter (49) in die Herzen ganz Fußball-Deutschlands. In der Spielzeit 2019/20 wollen und können die Frankfurter diese Leistung durchaus wiederholen

Der Top-Transfer von Eintracht Frankfurt ist der größte Pechvogel

Der teuerste und wohl spektakulärste Neueinkauf der Eintracht (bis jetzt) ist wohl der Schweizer Djibril Sow. Für den 22-Jährigen zahlten die Adlerträger rund neun Millionen Euro an die BSC Young Boys Bern. Doch nur wenige Tage nach Beginn der Vorbereitung dann die Schock-Diagnose - Sehneneinriss im hinteren rechten Oberschenkelmuskel - acht bis zehn Wochen Ausfallzeit.

Somit verpasste Sow die ersten Partien der Europa-League-Qualifikation und wird der Eintracht unter Garantie auch zum Bundesliga-Auftakt fehlen. Zum einen ein schwerer Schlag, da der Mittelfeld-Mann mit Champions-League-Erfahrung sicher von Beginn an eine Verstärkung gewesen wäre, zum anderen kann Hütter nach Sows Rückkehr auf eine spielbelebende Alternative mehr hoffen.

Fest steht: Aufgrund seiner Erfahrungen, die Sow in der Vorsaison mit Bern gegen Gegner wie Juventus Turin oder Manchester United sammeln konnte, wird er dem Spiel der Eintracht einen deutlichen Mehrwert bringen.

Kam für die Rekord-Ablösesumme von rund neun Millionen Euro von den BSC Young Boys Bern: Djibril Sow.
Kam für die Rekord-Ablösesumme von rund neun Millionen Euro von den BSC Young Boys Bern: Djibril Sow.  © dpa/Uwe Anspach

Alle Neuzugänge von Eintracht Frankfurt

Doch nicht nur Djibril Sow ist eine wahre Kracher-Verpflichtung des Teams aus der Mainmetropole. Gleich zwei "alte Bekannte" gesellten sich in den letzten Tagen ebenfalls dauerhaft zur SGE hinzu. Nachdem Martin Hinteregger (26) und Sebastian Rode (28) im vergangenen Winter vom FC Augsburg, beziehungsweise Borussia Dortmund auf Leihbasis an den Stadtwald wechselten, spielten sie sich innerhalb weniger Partien in die Herzen der Fans.

Schnell wurde der Ruf laut, die beiden für die anstehende Saison fest zu verpflichten. Was bei Rode, der sich in der Schlussphase der vergangenen Saison erneut schwer am Knie verletzte, mittlerweile aber schon wieder auf dem besten Weg der Genesung ist, recht fix und augenscheinlich simpel vonstatten ging, gestaltete sich beim Österreicher eher konträr. Lange Zeit schienen die Fronten zwischen den Fuggerstädtern und der Eintracht verhärtet, doch letztlich wurde dem Hashtag #FreeHinti, den Fans der SGE ins Leben gerufen hatten, Folge geleistet. Beim Rückspiel der 2. Qualifikations-Runde für die Europa League gegen Flora Tallinn saß Hinteregger bereits auf der Tribüne.

Doch darüber hinaus hat sich die Eintracht weitere Spieler auf dem Transfermarkt geschnappt, vor allem auch, weil man namhafte Abgänge kompensieren musste. Einer dieser Deals ist das serbische Sturmjuwel Dejan Joveljic. Der erst 19-jährige Stürmer gilt schon jetzt als inoffizeller Nachfolger von Luka Jovic (21), der zu Real Madrid gewechselt war. Seinen Torriecher bewies Joveljic bereits im Euro-League-Quali-Hinspiel in Tallinn, als er den 2:1-Siegtreffer kurz nach seiner Einwechslung erzielte. Mit möglichst wenig Druck und der nötigen Geduld könnte Joveljic eine ähnlich starke Entwicklung wie sein Landsmann nehmen. Die vier Millionen Euro Ablöse sind unserer Ansicht nach gut investiertes Geld für einen solch ambitionierten Perspektivspieler.

Außerdem sicherten sich die Hessen die Dienste von Weltmeister Erik Durm (27), der ablösefrei an den Main wechselte, nachdem er zuvor für Huddersfield Town gekickt hatte. Er stellt eine spielstarke Alternative zu den Dauerläufern Filip Kostic und Danny da Costa dar, die in den letzten Zügen der Vorsaison des Öfteren kraftlos wirkten. Zum Start der Saisonvorbereitung wurde außerdem die Verpflichtung von Dominik Kohr offiziell gemacht. Der 25-jährige Mittelfeldmann kam von Bayer 04 Leverkusen und kostete die Eintracht rund 8,5 Millionen Euro.

Neuzugang Rodrigo Salazar wurde direkt an den polnischen Vertreter Korona Kielce weiterverliehen. Der zuvor ausgeliehene Daichi Kamada könnte aufgrund seiner Entwicklung endlich seine Chance bei der SGE bekommen, während für Leih-Rückkehrer wie Marijan Cavar oder Nicolai Müller wohl kein Platz mehr im Hütter-Team sein sollte.

Aktuell arbeitet Sportvorstand Fredi Bobic (47) im stillen Kämmerlein wohl noch immer energisch an einer dauerhaften Rückkehr von Kevin Trapp (28) zwischen die Pfosten des Frankfurter Kastens - und auch im Sturm sollte noch das ein oder andere passieren.

Martin Hinteregger kehrte nach langen Transfer-Hickhack wieder zur Eintracht zurück, nachdem er in der zweiten Saisonhälfte der letzten Spielzeit auf Leihbasis vom FC Augsburg gekommen war.
Martin Hinteregger kehrte nach langen Transfer-Hickhack wieder zur Eintracht zurück, nachdem er in der zweiten Saisonhälfte der letzten Spielzeit auf Leihbasis vom FC Augsburg gekommen war.  © DPA/Arne Dedert

Alle Abgänge von Eintracht Frankfurt

Beim Blick auf diese Auflistung blutet jedem Eintracht-Fan wohl das Herz. Gleich zwei der drei Elemente der letztjährigen "Büffelherde" verließen die Eintracht in Richtung Ausland. Sportlich werden die Abgänge von Luka Jovic zu Real Madrid und Sébastien Haller (24) zu West Ham United wohl nur schwer zu kompensieren sein, blickt man jedoch auf den finanziellen Aspekt, haben die beiden die in der Saison 2018/19 insgesamt 47 Treffer in Bundesliga und Europa League erzielten, ihrer mittlerweile "alten Liebe" nochmal einen großen Gefallen getan.

Rund 100 Millionen Euro nahm die Eintracht durch die Verkäufe der beiden ein - der spanische Rekordmeister überwies rund 60 Millionen nach Frankfurt, West Ham ließ sich Hallers Dienste etwa 40 Millionen Euro kosten. Geld, das in den Händen von Sportvorstand Bobic sicherlich gute Verwendung finden wird.

Auch Edel-Reservist Jetro Willems verließ die SGE, nachdem er seinen Unmut über seine aktuelle Situation offen geäußert hatte. Für ein Jahr spielt der Niederländer nun auf Leihbasis beim Premier-League-Klub Newcastle United.

Bangen müssen die Anhänger der Eintracht noch um die Zukunft des dritten "Büffelherden"-Mitglieds, Ante Rebic. Seit Wochen kursieren Gerüchte über einen möglichen Verkauf des kroatischen Vize-Weltmeisters. Als Favorit soll aktuell der Serie-A-Klub Inter Mailand gelten, der wohl 40 Millionen Euro für die Verpflichtung des 25-Jährigen zu zahlen bereit wäre.

Der wohl schwerwiegendste Abgang der SGE: Stürmer Luka Jovic, der zu Real Madrid wechselte.
Der wohl schwerwiegendste Abgang der SGE: Stürmer Luka Jovic, der zu Real Madrid wechselte.  © dpa/Uwe Anspach

Ein Wiedersehen mit "Freunden" im DFB-Pokal, Euro-League-Quali, schwerer Bundesliga-Auftakt

In den deutschen Wettbewerben geht es für die Frankfurter am Sonntag, den 11. August, wieder um alles. Um 15.30 Uhr ist man bei Drittligist Waldhof Mannheim zu Gast. Doch anstatt eines hitzigen Nachbarschaftsduelles (Anm. d. Red.: Beide Städte trennen nur rund 90 Kilometer) könnte die Zuschauer ein Wiedersehen unter Freunden erwarten. Denn beide Lager verbindet eine bereits seit längerer Zeit bestehende Fan-Freundschaft. Dennoch will Hütter ein Desaster wie in der Vorsaison, als man gegen den SSV Ulm in der 1. DFB-Pokal-Runde nach einer 1:2-Auswärtsniederlage ausschied, um jeden Preis vermeiden.

Weitaus weniger freundschaftlich wird es dann wohl im Rückspiel der 3. Runde der Europa-League-Qualifikation gegen den FC Vaduz vonstatten gehen. Für die Frankfurter ist es die letzte Hürde vor den Playoffs, die sie am 22. und 29. August gegen Lokomotiv Plowdow (Bulgarien) oder Racing Straßburg (Frankreich) austragen werden.

Zwischenzeitlich ist im Mammut-Auftaktprogramm der Adlerträger dann auch wieder Bundesliga angesagt. Und die ersten Partien haben es in sich! Heimspiele gegen die TSG 1899 Hoffenheim (Sonntag, 18. August) und Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 1. September), dazwischen ein Auswärts-Duell mit RB Leipzig (Sonntag, 25. August).

Diese Partien könnten bereits richtungsweisen für den Saisonverlauf der Eintracht sein!

Maurice Deville spielt seit 2017 für Waldhof Mannheim, stieg mit dem Verein in der vergangenen Saison in die 3. Liga auf.
Maurice Deville spielt seit 2017 für Waldhof Mannheim, stieg mit dem Verein in der vergangenen Saison in die 3. Liga auf.  © DPA/Robert Michael

Saisonziel von Eintracht Frankfurt

Adi Hütter geht in seine zweite Saison als Trainer der Eintracht. In der Premieren-Spielzeit überzeugte er mit seinem offensiven und druckvollen Fußball, stellte unter Beweis, dass er den großen Fußstapfen, die sein Vorgänger Niko Kovac hinterlassen hatte, mehr als gewachsen war. Doch war dies nur ein "One-Hit-Wonder"? Diese Vermutung gilt es aus der Welt zu schaffen. Gemessen an der Kaderstärke und der Möglichkeit weiterer Transfers ist die Eintracht definitiv bereit wieder um die internationalen Plätze mitzuspielen - wenn sie mittlerweile nicht sogar schon dazu verpflichtet ist!

Adi Hütter geht in seine zweite Bundesliga-Saison als Chef-Coach von Eintracht Frankfurt.
Adi Hütter geht in seine zweite Bundesliga-Saison als Chef-Coach von Eintracht Frankfurt.  © DPA/Arne Dedert

TAG24-Saisonprognose zur Eintracht aus Frankfurt

Für die Eintracht wird es nach den Abgängen von Haller und Jovic vor allem in der Offensive schwer, den "Hurra-Fußball" der vergangenen Saison zu wiederholen - zumal noch immer mit einem Abgang von Ante Rebic zu rechnen ist. Doch die Rückholaktionen von Hinteregger und Rode machen Mut. Darüber hinaus gibt es eine weltmeisterliche Verstärkung auf den Außenbahnen, während auch der langzeitverletzte Timothy Chandler endlich wieder eine alternative ist. Der erneute Kampf um die Europapokal-Plätze ist der Eintracht rein qualitativ definitiv zuzutrauen.

Die Stammformation Hütters steht zu größten Teilen. Im Kasten wäre Stand jetzt Frederik Rönnow gesetzt, Trapp könnte jedoch letztlich doch noch den Weg zurück nach Frankfurt finden, was wiederum eine "Flucht" des dänischen Keepers zur Folge haben würde.

In der Abwehrzentrale führt kein Weg an Hinteregger vorbei, neben ihm kämpfen Makoto Hasebe, David Abraham und Youngster Evan N'dicka um den zweiten Innenverteidiger-Platz - hier drohen der SGE wohl die wenigsten Sorgen. Auf den Außenbahnen könnte eine weitere hochkarätige Alternative den Hessen gut tun. Zu stark wurden die Kräfte von da Costa und Kostic in Anspruch genommen, um deren volles Potential in den wichtigen Spielen vollends zur Verfügung zu haben. Mit der Verpflichtung Durms wurde ein richtiger Schritt gemacht, Almamy Touré wirkt aktuell noch nicht in der Lage einen der beiden Stamm-Flügelflitzer adäquat zu ersetzen.

Im Mittelfeld ein ähnliches Bild wie in der Abwehr-Zentrale. Durm und Rode könnten die beiden Sechser-Positionen fest in Anspruch nehmen, Sow soll für die offensiven Akzente sorgen. Doch Gelson Fernandes, Jonathan de Guzmán sowie der wiedererstarkte Lucas Torró wollen ihre Chancen nutzen. Auch Daichi Kamada wird nicht kampflos klein beigeben. Konkurrenz belebt das Geschäft, das könnte auch der Eintracht helfen.

Die größte Baustelle bildet unserer Ansicht nach der Sturm. Mit Ante Rebic, Neuzugang Joveljic und Goncalo Paciencia sind nur noch drei Stürmer verblieben, die eine Zukunft in Frankfurt hätten. Doch während der erste näher am Verkauf, als am Verbleib dran ist, braucht der zweite eindeutig Zeit um sich zu entwickeln. Ob der Matchwinner gegen Tallinn, Paciencia, wirklich das Niveau eines Hallers mitgehen kann, ist fraglich. Sportvorstand Bobic sei es ans Herz gelegt einen, wenn nicht sogar zwei hochkarätige Stürmer zu verpflichten, um den Ansprüchen Hütters, der Eintracht und der gesamten Fußball-Stadt Frankfurt gerecht zu werden.

Wird diese letzte Baustelle zufriedenstellend fertiggestellt, dann führt der Kampf um Europa nicht an Eintracht Frankfurt vorbei!

Wird Goncalo Paciencia nach den Abgängen von Luka Jovic und Sébastien Haller in dieser Saison mehr Spielzeit bekommen?
Wird Goncalo Paciencia nach den Abgängen von Luka Jovic und Sébastien Haller in dieser Saison mehr Spielzeit bekommen?  © DPA/Arne Dedert

Die bereits veröffentlichten Analysen

Borussia Dortmund

Borussia Mönchengladbach

1. FSV Mainz 05

SC Freiburg

Fortuna Düsseldorf

FC Augsburg

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