Ein Unfall und keiner ist da: Wie verhalte ich mich richtig?

Frankfurt - Ganz egal, ob es sich nur um eine Schramme oder eine Beule handelt. Der Unfallverursacher darf auch dann nicht einfach davonfahren, wenn der Schaden verhältnismäßig klein und der Besitzer des anderen Fahrzeugs nicht da ist.

Eine Unfallflucht kann schwerwiegende Folgen haben (Symbolfoto).
Eine Unfallflucht kann schwerwiegende Folgen haben (Symbolfoto).  © DPA

Laut Polizei Hessen schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) vor, "eine angemessene Zeit vor Ort zu warten", bis der Nutzer etwas eines geparkten Fahrzeuges zurückkommt.

Wie lange diese "angemessene Zeit" genau ist, sei nicht geregelt. Wenn der Geschädigte auch nach längerer Wartezeit nicht da ist, so muss direkt die Polizei verständigt werden, "am besten direkt telefonisch vom Unfallort aus".

Diese Regel gilt nicht nur für einen Verkehrsunfall mit Fahrzeugen, sondern auch bei einer Kollision mit einem Verkehrsschild oder einem Stromkasten. Selbst wer beim Aussteigen mit der Tür gegen einen anderen Wagen stößt oder mit dem Einkaufswagen an einem anderen Fahrzeug hängen bleibt: Wer sich aus dem Staub macht, begeht Unfallflucht.

Eines betont die Polizei nachdrücklich. "Es reicht nicht, einen Zettel am beschädigten Auto zu hinterlassen. Auch das stellt eine Unfallflucht dar, denn das Papier könnte wegfliegen, durchnässt werden oder anderweitig abhandenkommen."

Fahrerflucht: Bei fast jedem dritten Unfall fährt der Schuldige davon

Es reicht nicht, einen Zettel zu hinterlassen (Symbolfoto).
Es reicht nicht, einen Zettel zu hinterlassen (Symbolfoto).  © DPA

Es passiert jeden Tag: Fahrerflucht ist ein Massenphänomen. In Hessen bleibt bei fast jedem dritten Verkehrsunfall der Verursacher nicht stehen, sondern braust davon. "Die Zahlen steigen leider an", sagt der Leiter der Zentralen Ermittlung Unfallflucht bei der Polizei in Frankfurt, Jörg Lang.

Landesweit suchten fast 44.000 Verursacher laut Polizeistatistik 2017 das Weite, rund 120 Mal jeden Tag. Vor wenigen Jahren, etwa 2013 und 2014, lag die Zahl noch bei knapp unter 40.000.

In den allermeisten Fällen werden bei solchen Unfällen keine Menschen verletzt oder getötet, es bleibt beim Blechschaden. Der Parkrempler sei der Klassiker, sagt Lang. Viele versuchten, eine Fahrerflucht als Bagatelle zu verniedlichen. Die Strafe könne aber grundsätzlich erheblich sein.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins, Jörg Elsner, plädiert dafür, dass der Gesetzgeber die strengen Regeln einer Unfallflucht ändert.

Eine großzügige Nachmeldezeit müsse her, etwa 12 oder 24 Stunden. "Der Staat will das aber nicht. Er vermutet hinter jeder Fahrerflucht ein Alkoholdelikt."

Titelfoto: DPA

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