Miet-Wahnsinn! Neubauwohnungen in Frankfurt unbezahlbar?

Frankfurt - Eine neue Studie belegt, wie dramatisch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Mainmetropole ist. Neubauwohnungen in Frankfurt sind für Gering- und Durchschnittsverdiener demnach nicht mehr bezahlbar.

Neubauwohnungen sind sicher schick, wenn sie einmal fertig sind. Aber sind sie auch zu bezahlen (Symbolbild)?
Neubauwohnungen sind sicher schick, wenn sie einmal fertig sind. Aber sind sie auch zu bezahlen (Symbolbild)?  © 123RF/Katarzyna Białasiewicz

Neuer Wohnraum entsteht in Frankfurt gerade im großen Stil. Wer im Gallus-Viertel die Mainzer Landstraße hinaufläuft, der sieht unmittelbar gegenüber der S-Bahn-Station Galluswarte eine große Baustelle. Etwas weiter die Straße hinauf sind die Neubauwohnungen entweder schon so gut wie fertig oder sogar bereits bezogen. Doch handelt es sich dabei auch um günstigen Wohnraum?

Berechnungen, die der Immobilienmarktspezialist "empirica-systeme" im Auftrag des ARD-Magazins Panorama durchgeführt hat, kommen zu einem sehr ernüchternden Ergebnis. Demnach kostet eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Neubauwohnung in Frankfurt monatlich 1450 Euro Miete. Für eine Familie mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen ist das nicht oder nur sehr schwer finanzierbar.

Wie auf der Website des Magazins Panorama weiter zu lesen ist, müsste eine durchschnittliche Familie demnach 40,7 Prozent ihres monatlichen Netto-Einkommens nur für Mietzahlungen ausgeben. Zur sonstigen Lebensführung bleibt da nicht viel übrig.

"Das Ergebnis ist erschreckend. Wenn so viele Haushalte sich eine Neubaumiete nicht mehr leisten können, dann verschärfen wir das soziale Ungleichgewicht in der Gesellschaft", zitiert die Website Tagesschau.de den Experten Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für Zeitgemäßes Bauen in Hinblick auf die "empirica-systeme"-Berechnungen.

773.000 Frankfurter bis 2030

Besonders der Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main ist von der Wohnungsnot betroffen.
Besonders der Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main ist von der Wohnungsnot betroffen.  © DPA/TAG24 (Fotomontage)

Die Untersuchung im Auftrag von Panorama ist nicht die Einzigen zur Wohnungsnot in Frankfurt. Im Oktober 2018 belegte eine Studie des Pestel-Instituts, wie extrem der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt und ganz Hessen ist.

Auch Untersuchungen des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain – in dem die Bankenstadt und die umliegenden Kommunen organisiert sind – zeigen wie dramatisch die Situation ist.

Alleine für die Mainmetropole Frankfurt geht der Verband von einem Bevölkerungszuwachs auf bis zu 773.000 Einwohnern bis zum Jahr 2030 aus (ein Plus von mehr als 36.000) – und alle diese Menschen müssen irgendwo wohnen.

Der neue Stadtteil, den Frankfurt im Nordweste zu beiden Seiten der Autobahn 5 errichten will, soll "nur" 12.000 Wohnungen für rund 30.000 Menschen umfassen – allerdings wären das natürlich Neubauwohnungen.

Mietentscheid: Bürgerbegehren gegen die Wohnungsnot

Nach eigenen Angaben hat die Initiative "Mietentscheid Frankfurt" circa 25.000 Unterschriften gesammelt.
Nach eigenen Angaben hat die Initiative "Mietentscheid Frankfurt" circa 25.000 Unterschriften gesammelt.  © TAG24/Florian Gürtler

Angesichts der dramatischen Situation ist es nicht verwunderlich, dass sich in Frankfurt inzwischen zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen die Wohnungsnot organisiert hat. Das Bündnis "Mietentscheid Frankfurt" hat laut eigenen Angaben erst kürzlich rund 25.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren an das Wahlamt der Mainmetropole übergeben (TAG24 berichtete).

Durch das Bürgerbegehren soll die stadteigene Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG dazu gezwungen werden, nur noch geförderten Wohnraum zu schaffen. Auch soll dadurch festgelegt werden, dass alle Mieter, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, nur maximal 6,50 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen.

Am gestrigen Donnerstag trafen sich Abgesandte des Mietentscheid-Bündnisses mit der sogenannten Römer-Koalition, also der Regierungskoalition von CDU, SPD und Grünen im Stadtparlament von Frankfurt. Laut Alexis J. Passadakis vom Mietentscheid-Bündnis traf das Anliegen der Aktivisten bei den Kommunalpolitikern auf wenig Verständnis.

"Dass die Römerkoalition unsere Forderungen nach einer strategischen Neuausrichtung der ABG, um schnell mehr geförderten Wohnraum in Frankfurt zu schaffen, bisher nicht teilt hat uns nicht überrascht. Offensichtlich ist die ganze Dramatik und Tragweite der explodierenden Mieten in der Stadt bei CDU, SPD und Grünen noch nicht angekommen", sagte Passadakis.

Sollte das Bürgerbegehren "Mietentscheid" tatsächlich zustande kommen, wird es also vermutlich im Stadtparlament abgelehnt werden. Dann jedoch würde aus dem Bürgerbegehren automatisch ein Bürgerentscheid.

Alle wahlberechtigten Frankfurter Bürger könnten dann über die Forderungen des "Mietentscheid"-Bündnisses abstimmen.

Titelfoto: DPA/TAG24 (Fotomontage)


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