Frau mit neun Schlägen getötet: Das Urteil im Hammer-Mord-Prozess

Dresden - 13 Jahre Haft für Helmut K. (61). Der Taxifahrer erschlug seine Ehefrau Erika (77) mit neun Hammerschlägen. Das Landgericht Dresden verurteilte den Täter wegen Totschlags.

Helmut K.
Helmut K.  © Steffen Schulze

Helmut K. hatte gestanden, seine Frau im Juni 2018 in der gemeinsamen Wohnung in Leubnitz-Neuostra getötet zu haben. Als die Frau schlief, griff er sich seinen Ein-Kilo-Hammer und schlug auf Erika ein (TAG24 berichtete).

Als Motiv gab Helmut K. Geldnot und Ausweglosigkeit an. Seit dem 16. Lebensjahr spielte der Taxifahrer, hangelte sich deshalb ständig von einem Finanzloch ins nächste. Auch seine Frau war wohl seit zwei Jahren regelmäßig mit ihm spielen. "Sonst war sie zu nichts zu bewegen", so der Ehemann.

Angehörigen von Erika dagegen warfen Helmut K. vor, die Frau ausgenutzt und sie erst zum Zocken gebracht zu haben. Irgendwann war die Frau für ihre Familie "nicht mehr erreichbar".

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Im Juni dann verlor Helmut K. seinen Job, weil er wegen der Geldnot in die Firmenkasse gegriffen hatte. Kredite und Mietschulden drückten ebenso wie die Drohung der DREWAG, in den nächsten Tagen den Strom abzudrehen, weil das Ehepaar auch da im Rückstand war.

Die Tatwaffe, ein Bello-Hammer.
Die Tatwaffe, ein Bello-Hammer.

"Meine Gattin und ich sollten diesen Erdball verlassen", erklärte Helmut K. dem Gericht seinen Entschluss, sich und die Ehefrau umzubringen. Und so tötete er nachts Gattin Erika. Danach habe er versucht, sich mit Medikamenten und Alkohol umzubringen. "Es klappte nicht. Ich lief ziellos durch die Stadt", so der Mann, der Tage nach der Tat schließlich die Polizei rief und verhaftet wurde.

Der Staatsanwalt hatte Helmut K. eigentlich wegen Mordes angeklagt und forderte lebenslange Haft für den Täter. Denn er sei heimtückisch vorgegangen. Die Frau schlief arg- und wehrlos, als der Täter agierte. „Allerdings muss laut oberster Rechtssprechung bei Heimtücke auch geprüft werden, ob eine feindselige Willensrichtung des Täters nachzuweisen ist“, so der Richter, dessen Kammer den Angeklagten letztlich wegen Totschlages verurteilte.

„Wir haben keine Anhaltspunkte dafür gefunden. Auch wenn die Tat objektiv überhaupt nicht nachzuvollziehen ist. Der Angeklagte wollte seine Frau vor den Konsequenzen der finanziellen Lage schützen. Er wollte ihr die Situation nicht zumuten.“ Die Rechtsprechung spricht in solchen Fällen gar von „Mitleidstötung“.

Zum Ende des Prozesses verlas der sichtlich angegriffene Angeklagte eine Erklärung: "Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen nach dem Leben zu trachten. Oder gar das Ansinnen umzusetzen", sagte Helmut K. "Weder Geld noch Gefängnis wiegen ein Menschenleben auf. Nichts bringt ihn zurück."

Und er erklärte: "Die größte Strafe habe ich mir selber angetan. Indem ich mir das beste in meinem Leben, meine Frau, genommen habe. Mit der großen Schuld muss ich bis zu meinem Ende leben. Ich bedauere zutiefst, was geschehen ist."

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