Immer mehr Migrantinnen flüchten in Frauenhäuser

Die Frauenhäuser in Sachsen gewähren zunehmend Frauen aus dem Ausland Schutz vor häuslicher Gewalt.
Die Frauenhäuser in Sachsen gewähren zunehmend Frauen aus dem Ausland Schutz vor häuslicher Gewalt.

Dresden - Die Frauenhäuser in Sachsen gewähren zunehmend Frauen aus dem Ausland Schutz vor häuslicher Gewalt!

"Das ist schon sichtbar, vor allem in unseren großen Häusern", sagte Kerstin Kupfer, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser und Interventionsstellen in Sachsen, der Deutschen Presse-Agentur.

Generell sei der Anteil der Migrantinnen in den Frauenhäusern gestiegen, darunter seien zahlreiche Frauen aus Osteuropa, aber auch aus Erstaufnahmeeinrichtungen oder Asylbewerberheimen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft geht davon aus, dass sich die steigende Zahl von Flüchtlingen erst im nächsten Jahr in den Frauenhäusern voll bemerkbar machen wird.

Häusliche Gewalt in der Erstaufnahme sei auf den ersten Blick für die Helfer oft nicht sichtbar. Viele betroffene Frauen wüssten zudem nicht, welche Rechte und Möglichkeiten sie in Deutschland hätten, erklärte Kupfer.

Besonders gefährdet: alleinstehende Frauen.
Besonders gefährdet: alleinstehende Frauen.

Für die Frauenhäuser sei die Aufnahme und Betreuung angesichts der ohnehin knappen Finanzierung und der dünnen Personaldecke eine "große Herausforderung". So seien in der derzeitigen Finanzierung keine Gelder für Sprachmittler eingeplant, die aber immer wichtiger würden.

In Sachsen gibt es 15 vom Freistaat geförderte Frauenhäuser. 451 Frauen und 550 Kinder kamen 2014 dort unter.

Die Landesarbeitsgemeinschaft sieht vor allem Helfer in der Flüchtlingssozialarbeit, aber auch die Frauenhäuser gefragt, künftig enger zusammenzuarbeiten. Zudem forderte Kupfer, dem Thema Gewalt gegen Frauen bei der Unterbringung von Flüchtlingen mehr Aufmerksamkeit einzuräumen.

Auch die Grünen fordern einen besseren Schutz von Frauen und Kindern in den Erstaufnahmeeinrichtungen - und ein Konzept dazu. "Wir haben einen Antrag eingereicht, ein solches Konzept zu erarbeiten und umzusetzen", sagte Grünen-Politikerin Petra Zais.

Noch gebe es keine belastbaren Zahlen. "Es gibt aber Berichte, wonach Frauen sexuell belästigt werden. Das hängt auch zusammen mit der nicht gewährleisteten Privatsphäre in großen Gemeinschaftsunterkünften."

Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt haben im vergangenen Jahr in Sachsen zugenommen. Das Landeskriminalamt registrierte 3153 Fälle (+2,2 Prozent) - vom Hausfriedensbruch bis zum Tötungsdelikt.

Nach wie vor waren vor allem Frauen die Opfer: Ihr Anteil machte rund 77 Prozent aus. (dpa)

Fotos: dpa (2)


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