Zufluchtsort Frauenhaus: Weihnachten gibt es keinen Schutz mehr

Allein in Bielefeld wurden im letzten Jahr 903 Einsätze wegen häuslicher Gewalt registriert (Symbolbild).
Allein in Bielefeld wurden im letzten Jahr 903 Einsätze wegen häuslicher Gewalt registriert (Symbolbild).  © 123RF

Bielefeld - Beleidigungen, Demütigungen und körperliche sowie seelische Verletzungen hat eine Frau oftmals erlitten, bevor sie den Schritt in ein Frauenhaus gemacht hat. Doch in der Weihnachtszeit gibt es kaum noch einen freien Platz für hilfsbedürftige Opfer.

In den Schutzhäusern herrscht ein regelrechter Platzmangel. Auch in der Bielefelder AWO-Einrichtung, die mit 21 Plätzen für Opfer mit ihren Kindern bietet - die größte Einrichtung ihrer Art in NRW.

Leider muss die Leiterin Karin Boye Toledo immer häufiger Frauen abweisen. In einigen Monaten sogar täglich. "Oft müssen wir den Frauen einen Platz suchen, der weiter entfernt liegt. Das wollen viele nicht", so Boye Toledo gegenüber der Neuen Westfälischen.

Ingesamt gibt es 70 Frauenhäuser der "Landesarbeitsgemeinschaft autonomer Frauenhäuser" in NRW. An Heiligabend hatten nur noch acht Häuser freie Plätze für Frauen in Not. In OWL sind sieben von zehn Häusern gar komplett voll.

Häusliche Gewalt ist in Bielefeld ein arges Problem. Stetig steigende Zahlen erschrecken die ganze Polizei. Im letzten Jahr waren es satte 903 Delikte. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher ausfallen.

Vor allem vor Weihnachten stehen die Bewohnerin unter starken Druck. Keine sozialen Kontakte in ihre alte Welt dürfen sie behalten. Die Adresse des Hauses ist geheim. Die Ex-Partner könnten ihren Opfern auflauern.

"Eine unserer Frauen hat kürzlich jeder Mitarbeiterin im Haus eine Weihnachtskarte geschrieben", sagte Pädagogin Julia Ziegeldorf der NW. "Sie erklärte: Ich habe ja keine Familie und keine Freunde mehr. Das seid ihr jetzt!"

Titelfoto: 123RF


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