Vergewaltigter Junge: Jetzt wird das Jugendamt überprüft

Justiz und Jugendamt stehen in der Kritik, weil sie das Kind zurück zur Mutter geschickt haben. (Symbolbild)
Justiz und Jugendamt stehen in der Kritik, weil sie das Kind zurück zur Mutter geschickt haben. (Symbolbild)  © DPA

Freiburg - Nach dem jahrelangen Missbrauch eines Neunjährigen in Staufen bei Freiburg nimmt das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde die Arbeit des Jugendamtes unter die Lupe.

Ihr Haus schalte sich als Rechtsaufsicht in den Fall ein, sagte Regierungsprädentin Bärbel Schäfer in Freiburg. Es habe vom Jugendamt einen Bericht sowie alle Akten angefordert und werde diese prüfen.

Ziel sei es, sich ein Bild zu machen und zu schauen, ob es Verfahrensfehler oder andere Mängel gegeben habe. Mit Ergebnissen werde in den nächsten Wochen, spätestens im Frühjahr, gerechnet.

Der Mutter des Kindes und ihrem Lebensgefährten wird vorgeworfen, den Jungen in zahlreichen Fällen über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren Männern für Vergewaltigungen überlassen und dafür Geld kassiert zu haben. Justiz und Jugendamt stehen in dem Fall in der Kritik.

Sie hatten den Jungen zurück zur Mutter geschickt und damit verbundene Auflagen nicht kontrolliert. Gerichte und Jugendamt machen sich dafür gegenseitig verantwortlich. Zuständig für die Familie war das Jugendamt des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald.

UPDATE: 12.43 Uhr

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Freiburg ist es das vierte Mal in drei Jahren, in denen Behörde als Rechtsaufsicht umstrittene Fälle eines Jugendamtes beleuchtet. In drei der vier Fällen, unter anderem im Fall Staufen, geht es um das Jugendamt des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald. Jugendämter sind von Kommunen getragen, die vier Regierungspräsidien im Südwesten haben als Landesbehörden die Rechtsaufsicht über sie.

Vor drei Jahren ging es um den gewaltsamen Tod des dreijährigen Alessio im Schwarzwald. Der Junge war von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt worden, an der Arbeit des Jugendamtes gab es Kritik. Es betreute die Familie, ließ den Jungen aber bei dem als gewalttätig eingestuften Stiefvater, der das Kind tötete. Das Jugendamt habe Warnungen ignoriert, so der Vorwurf damals. Das Regierungspräsidium kam zu dem Ergebnis, das Amt habe juristisch korrekt gehandelt.

In den anderen Fällen laufen die Prüfungen noch. Neben dem Fall in Staufen geht es um die Betreuung des Flüchtlings Hussein K. durch das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald und die vom Amt beauftragte private Jugendhilfeeinrichtung Wiese mit Sitz in Freiburg. Hussein K. steht in Freiburg wegen des Sexualmords an einer Studentin vor Gericht.

Im vierten Fall geht es um das Jugendamt des Kreises Waldshut. In Laufenburg hat ein vorbestrafter Mann gestanden, an Weihnachten seinen knapp drei Monate alten Sohn getötet zu haben. Dem Jugendamt war die Familie den Angaben zufolge bekannt. Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Anhaltspunkt für strafrechtliche Versäumnisse der Behörde.

Das Regierungspräsidium prüft nun, ob die Betreuung der Familie korrekt abgelaufen ist und was in der vom Landkreis Waldshut getragenen Behörde und deren Arbeit verbessert werden kann.

Titelfoto: DPA


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