Freie Kameradschaft Dresden: Die vielen Vorstrafen der "Ordnungshüter"

Über 200 Neonazis hinterließen im Leipziger Stadtteil Connewitz ein Bild der 
Verwüstung.
Über 200 Neonazis hinterließen im Leipziger Stadtteil Connewitz ein Bild der Verwüstung.  © dpa/Peter Endig

Dresden/Leipzig - Die „Freie Kameradschaft Dresden“ gab sich als Verteidiger von Recht und Ordnung, behauptete, Dresdner gegen Kriminelle schützen zu wollen.

Dabei war der Großteil der Kameraden selbst Stammgast vor Gericht - als Täter mit inzwischen ellenlagen Vorstrafenregistern.

„Schützt unsere Kinder und Frauen!“: Noch immer prangt die Parole - unterlegt mit Bildern von Ausländern - auf einem Account der Kameradschaft. Am 30. November ließ das „Operative Abwehrzentrum“ die Gruppe hochgehen, ermittelt nun gegen 17 Mitglieder wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Sechs von ihnen kamen in den Knast, einer von ihnen saß bereits vor der Razzia dort.

Der Grünen-Abgeordnete Valentin Lippmann (25) hat nun nachgefragt, was die Kameraden auf dem Kerbholz haben.

Gegen Bemjamin Z. (28) ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der 
Connewitz-Krawalle.
Gegen Bemjamin Z. (28) ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der Connewitz-Krawalle.  © Thomas Türpe

Das Ergebnis: 13 der Beschuldigten wurden bereits von Richtern zu Strafen verdonnert. Auch die restlichen vier haben ihre Akten bei der Polizei.

Betrug, Diebstahl, Drogendelikte oder Sufffahrten - auch außerhalb des politischen Extremismus hatten die „freien Kameraden“ oft mit der Justiz zu tun: So sammelte ein einziges mutmaßliches Mitglied 45 Anklagen wegen Betrugs, kam letztendlich mit einer Bewährungsstrafe davon.

Ein anderer fuhr so oft schwarz, dass er dafür eine Bewährungsstrafe kassierte. Als er dann noch eine Körperverletzung beging, musste er schließlich hinter Gitter. Ein Verfahren wegen Raubes läuft gegen denselben Rechtsextremisten noch.

Nur wenige kamen bisher ungeschoren davon: So hatte die Staatsanwaltschaft ein Mitglied zwar dreimal wegen gefährlicher Körperverletzung am Wickel, musste aber zwei der Verfahren an eine andere Staatsanwaltschaft abgeben, ein Verfahren läuft noch. Weitere Verfahren wurden nach dem Jugendgerichtsgesetz eingestellt.

Dann ging es wohl nahtlos in die politische Kriminalität über: Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die inhaftierten Kameradschaftler Florian N. (26) und Benjamin Z. (28) wegen der Krawalle von Connewitz im Januar 2016.

Ein Großaufgebot der Polizei stellte die Randalierer von Connewitz.
Ein Großaufgebot der Polizei stellte die Randalierer von Connewitz.  © Ralf Seegers
Florian N. (26) soll in Connewitz mitrandaliert haben.
Florian N. (26) soll in Connewitz mitrandaliert haben.  © Ove Landgraf

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