Wer sind die "Freien Wähler"? Eine neue Bayernpartei?

München - In Bayern wird voraussichtlich demnächst eine Partei mitregieren, die nirgendwo sonst eine landespolitische Rolle spielt: die Freien Wähler als eine Art neuer Bayernpartei.

Bei einer Wahlparty freuen sich Anhänger über das Ergebnis bei der Landtagswahl.
Bei einer Wahlparty freuen sich Anhänger über das Ergebnis bei der Landtagswahl.  © DPA

Die ursprüngliche Bayernpartei gibt es zwar noch, ist aber seit den fünfziger Jahren in der Bedeutungslosigkeit versunken. Damit erweitert sich das Spektrum der möglichen Koalitionen in der deutschen Politik um eine weitere Variante: schwarz-orange, ein Papaya-Bündnis.

Die Freien Wähler sind ursprünglich ein Zusammenschluss freier kommunaler Wählergruppen - "frei" deshalb, weil sie keiner Partei angehörten.

Unabhängige kommunale Wählergruppen gibt es in vielen Bundesländern, größere Bedeutung haben sie jedoch nur in Süddeutschland.

Kommunal oder bundesweite Alternative zur Union?

Hubert Aiwanger (47, Freie Wähler) ist als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl angetreten.
Hubert Aiwanger (47, Freie Wähler) ist als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl angetreten.  © DPA

Die alles dominierende Figur ist der 47 Jahre alte Niederbayer Hubert Aiwanger aus Rottenburg an der Laaber, im bürgerlichen Beruf Agraringenieur und Ferkelzüchter. Er ist in einer Person Bundesvorsitzender, Landesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag.

Aiwanger schmiedet seit jeher große Pläne - er war es, der die Freien Wähler in eine Partei umwandelte, 2008 gelang unter seiner Regie der Einzug in den bayerischen Landtag.

Danach wollte Aiwanger aus seiner Partei eine bundespolitische Alternative zur Union machen, eine Loslösung Bayerns vom Bund hat er nie gefordert. Da jedoch 2012 ein großer Teil der Freien Wähler im benachbarten Baden-Württemberg gegen Aiwangers Ambitionen aufbegehrte, war der Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Sogar in Bayern teilen bis heute längst nicht alle Freien Wähler Aiwangers Ziele, viele sehen sich nach wie vor als kommunale Kraft.

Was sagt die CSU zum Emporkömmling?

Die Freien Wähler setzten sich von der CSU ab und machen ihr Wähler abspenstig.
Die Freien Wähler setzten sich von der CSU ab und machen ihr Wähler abspenstig.  © DPA

CSU-Chef Horst Seehofer verfolgte über Jahre den Kurs, die Freien Wähler mit finanziellen Wohltaten für die bayerischen Gemeinden wieder klein zu bekommen - einer von vielen Plänen Seehofers, der missglückte. Politisch stehen die Freien Wähler der CSU jedoch sehr nahe - "Fleisch vom Fleische der CSU", wie viele CSU-Abgeordnete sagen.

Daher sucht Aiwanger seit jeher nach populären Themen, mit denen er sich von der CSU absetzen kann. Dazu zählt unter anderem der Widerstand gegen ein Kernstück der Energiewende: die zwei geplanten großen Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland. Aiwanger profiliert sich außerdem mit dem Widerstand gegen den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen.

In der CSU halten ihn daher die meisten für einen Populisten. Aiwanger selbst sagt, er vertrete die Interessen der kleinen Leute.

Titelfoto: DPA


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