Jahrelanger Rechtsstreit: Muss Facebook Profil von toter Tochter freigeben?

Karlsruhe/Berlin - Im Streit um Zugang der Eltern zum gesperrten Facebook-Konto ihrer toten Tochter bahnt sich am Bundesgerichtshof (BGH) ein Grundsatz-Urteil zur Vererbbarkeit digitaler Inhalte an.

Gerichtssprecherin Annette Gabriel informiert im Berliner Kammergericht über das Urteil im juristischen Streit um das virtuelle Erbe bei Facebook eines verstorbenen minderjährigen Mädchens.
Gerichtssprecherin Annette Gabriel informiert im Berliner Kammergericht über das Urteil im juristischen Streit um das virtuelle Erbe bei Facebook eines verstorbenen minderjährigen Mädchens.  © DPA (Bildmontage)

In der Verhandlung am Donnerstag in Karlsruhe signalisierten die höchsten Zivilrichter, dass für sie die zentrale Frage sein wird, ob das digitale Erbe dem analogen gleichzustellen ist - also ob Erben Chat-Nachrichten und E-Mails genauso lesen dürfen wie Briefe. Das Urteil soll am 12. Juli verkündet werden. (Az. III ZR 183/17)

Mutter und Vater einer 15-Jährigen, die 2012 vor eine U-Bahn gestürzt war, können damit wieder hoffen. Zuletzt hatte ihnen das Berliner Kammergericht unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis den Zugang verwehrt, wie TAG24 berichtete. Das ist für den BGH-Senat aber nicht der springende Punkt.

Die Eltern leben seit Jahren mit der Ungewissheit, ob es ein Suizid war oder ein Unglück. Von den privaten Inhalten des Facebook-Profils versprechen sie sich Hinweise. Sie können sich aber nicht anmelden, weil Facebook das Profil im sogenannten Gedenkzustand eingefroren hat.

Der US-Konzern beruft sich auf den Datenschutz: Die Freigabe treffe alle Nutzer, die sich mit dem Mädchen ausgetauscht hätten.

Titelfoto: DPA (Bildmontage)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0