Biber-Gate: Fleißiger Nager sorgt mit selbst geschaffenem Teich für Ärger

Freilingen - Das ist ein "cleverer Baumeister", sagt der Ortsbürgermeister über sein besonderes Gemeindemitglied.

Das Nagetier ist eine streng geschützte Art (Symbolfoto).
Das Nagetier ist eine streng geschützte Art (Symbolfoto).  © DPA

Weil das Nagetier seinen eigenen Willen hat, war eine erste Wasserabsenkung unwirksam. Eine Initiative fordert, den Teich als Naturschutzgebiet auszuweisen.

Ein Jahr nach einer neuen Biber-Ansiedlung im Westerwald liegen Mensch und Nagetier mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen im Zwiespalt. Zwei im Mai 2018 genehmigte Rohre für eine Wasserabsenkung lassen inzwischen kein Wasser mehr durch. "Der Biber als cleverer Baumeister hat den Maßnahmen entgegengewirkt", sagt Ortsbürgermeister Thomas Kloft in Freilingen (Westerwaldkreis). So hat das streng geschützte Nagetier seinen selbst geschaffenen Teich weiter verändert und einen Wanderweg überflutet.

"Die aktuelle Situation ist für uns als Ortsgemeinde noch nicht befriedigend", sagt Kloft im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

"Die eingeleiteten Maßnahmen haben sich als nicht ausreichend erwiesen."

Biber auf dem Vormarsch: Durch einen Damm erschuf er Nager den Teich im Westerwald.
Biber auf dem Vormarsch: Durch einen Damm erschuf er Nager den Teich im Westerwald.  © DPA

Jetzt stehe die Gemeinde mit den zuständigen Behörden in Gesprächen, um eine sinnvolle Lösung zu finden.

"Wir als Ortsgemeinde haben das großen Interesse, sowohl Naturschutzbelange als auch die kommunalen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen", sagte Kloft. Der Biber und andere Arten sollten den benötigten Lebensraum haben. Kommune und Anwohner müssten mit der Situation aber auch gut leben können.

Nach der Verfügung der oberen Naturschutzbehörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord sollten die Rohre bei steigendem Wasserstand das Wasser aus dem flachen Biberteich in den Saynbach leiten.

Diese Regulierung sollte nach Angaben der SGD Nord auf einem weiterhin möglichst hohen Wasserpegel erfolgen, um den Standort für den Biber zu erhalten.

Der Baumstamm weist die typischen Nagespuren eines Bibers auf.
Der Baumstamm weist die typischen Nagespuren eines Bibers auf.  © DPA

Die Naturschutzinitiative hält die jetzt entstandene Situation für völlig unproblematisch. Der als Wanderweg ausgewiesene Westerwaldsteig sei auf einer Länge von etwa zehn Metern fünf Zentimeter tief mit Wasser bedeckt, sagte der Vorsitzende der Naturschutzinitiative, Harry Neumann. "Das halten wir für zumutbar." Der Naturschützer fügte hinzu: "Wir sollten mit dem Biber als streng geschützte Art leben und arbeiten und nicht gegen ihn."

Neumann regte an, den Biberteich von Freilingen als Naturschutzgebiet auszuweisen, auch mit Blick auf die unterschiedlichen Arten von teilweise seltenen Wasservögeln, Libellen und Amphibien, die dem Biber inzwischen gefolgt sind. Dabei könnte der Westerwaldsteig geringfügig verlegt werden. "Wir sehen vor allem das Land und die Obere Naturschutzbehörde in der Verantwortung." Um alle Akteure zusammenzuführen, schlug Neumann einen "Runden Tisch Biber" vor.

Die Naturschutzinitiative hat für den kommenden Sonntag zum ersten von sechs "Biber-Sonntagen" nach Freilingen eingeladen. Bei den bis Anfang September geplanten Führungen können die Teilnehmer nach Angaben des Umweltverbands den Biber als Landschafts- und Biotopgestalter kennenlernen sowie die Dynamik der Natur im Jahreskreislauf beobachten.

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