Freispruch! Trio kann Vergewaltigung einer Mutter nicht nachgewiesen werden

Dresden - Freispruch aus Mangel an Beweisen! Das Landgericht Dresden konnte drei Männern die Vergewaltigung einer Striptease-Tänzerin (26) nicht nachweisen. Zwei der Angeklagten bekommen jetzt sogar Haftentschädigung.

Michael B. (39, links) und Kay H. (36) wurden freigesprochen.
Michael B. (39, links) und Kay H. (36) wurden freigesprochen.

Wie berichtet warf die Anklage Mehdi B. (42), Michael B. (39) und Kay H. (36) vor, im September 2015 die Frau verschleppt und über Stunden vergewaltigt zu haben. Auch ein Baseballschläger kam zum Einsatz. Nach der Tat, so die Anklage, wurde die verletzte Frau ausgesetzt.

Die völlig verstörte junge Mutter war später von einem Zugbegleiter in der S-Bahn entdeckt worden, der die Polizei rief. Monate später wurden die mutmaßlichen Täter ermittelt. Am beschlagnahmten Baseballschläger fanden sich DNA-Spuren des Opfers.

Im Prozess beteuerte Mehdi B., der Sex sei einvernehmlichen gewesen. Michael B. und Kay H. schwiegen. Jedenfalls zur Tat. Denn Kay H. störte immer wieder durch provozierendes Auftreten. Er bezichtigte eine Polizistin, Drogen genommen zu haben. Erklärte, vorm Prozess selber eine "Linie" gezogen zu haben, pöbelte, unterbrach ständig alle anderen.

Mehdi B. (42) bleibt trotz Freispruchs weiterhin in Haft.
Mehdi B. (42) bleibt trotz Freispruchs weiterhin in Haft.

Als er am Freitag auch noch im Prozess den Hitlergruß zeigte, reichte es dem Richter: Kay H. kam in Ordnungshaft, flog aus dem Saal. Gegen ihn wurde in Abwesenheit weiterverhandelt.

Doch die Beweisführung war schwierig: Das mutmaßliche Opfer war nicht in der Lage auszusagen. Auch per Videovernehmung nicht. Eine richterliche Vernehmung im Zuge der Ermittlungen hatte nie stattgefunden. Solche Anhörungen sind für Opfer, weil in ruhiger Atmosphäre und nicht im Gerichtssaal, oft besser. Und sie könnten als Beweismittel im Prozess genutzt werden. Könnten. Gab es aber in dem Fall nicht. Und auch der Gutachter konnte nur schwer einschätzen, wie glaubhaft die wenigen Angaben des mutmaßlichen Opfers bei der Polizei waren.

Logische Konsequenz: Freispruch für die drei Angeklagten, weil objektive Beweise fehlten. Aber der Richter stellte klar: "Wegen erwiesener Unschuld wurden Sie garantiert nicht freigesprochen. Jedenfalls haben Sie eine hochtraumatisierte Frau hinterlassen. Damit müssen Sie leben."

Weitere Konsequenz: Mehdi B. und Michael B. saßen in dieser Sache sozusagen unschuldig in U-Haft. Nun steht ihnen Haftentschädigung (über 3000 Euro und über 5000 Euro) zu. Trotzdem bleibt Mehdi B. bis 2021 im Knast. Er sitzt andere Urteile wegen Drogendelikten, Körperverletzung und Beschaffungskriminalität ab.

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