Freistaat sucht Käufer für Nazi-Villa und Schloss

Nach 1945 diente die Mutschmann-Villa kurz als Kinderheim, dann bis 1990 als VdN-Kurheim „Elsa Fenske“ für Opfer des Naziregimes. MOPO-Reporter Hermann Tydecks (32) sichtet alte Akten aus dieser Zeit.
Nach 1945 diente die Mutschmann-Villa kurz als Kinderheim, dann bis 1990 als VdN-Kurheim „Elsa Fenske“ für Opfer des Naziregimes. MOPO-Reporter Hermann Tydecks (32) sichtet alte Akten aus dieser Zeit.

Von Hermann Tydecks

Tharandt - Das verträumte Grillenburg (111 Einwohner) im Tharandter Wald sucht einen neuen Schlossherren! Das Insel-Areal mit Jagdschloss steht zum Verkauf.

Zum Ensemble gehört auch die „Mutschmann-Villa“, die der sächsische Gauleiter und Gaujägermeister Martin Mutschmann 1937 als Jägerhaus errichten ließ, zeitweise selbst darin wohnte.

Das Sandsteinrelief am Eingang der Mutschmann-Villa blieb vom Zerfall verschont: Es zeigt einen Jäger und Wildtiere des Tharandter Waldes. Nur die Hakenkreuze an Krawatte und Arm wurden entfernt.

„Mutschmann war leidenschaftlicher Waidmann, jagte gerne im Tharandter Wald“, sagt der Dresdner Historiker Mike Schmeitzner (47).

Der sächsische Gauleiter und Reichsstatthalter Martin Mutschmann in Leipzig 1933
Der sächsische Gauleiter und Reichsstatthalter Martin Mutschmann in Leipzig 1933

„Er ließ das Gebäude als Gasthaus für die sächsische Jägerschaft mit Kegelbahn und Hundezwinger errichten. Wahrscheinlich ist, dass hier auch Reichsjägermeister Hermann Göring während gemeinsamer Jagdausflüge mit Mutschmann übernachtete.“

Schon 1936 kam Göring zum Grillenburger Schloss, als Mutschmann dort die Zentrale der Gaujägerschaft errichtete. Mutschmann wohnte 1945 selbst im Jägerhaus (siehe Kasten). Zu DDR-Zeiten war das Jägerhaus Kurheim für Opfer des Nazi-Regimes. Es diente auch Leonid Breschnew und Fidel Castro als Quartier.

Das Biedermeier-Jagdschloss (1554 errichtet, 1855 umgebaut) war lange Zeit der ganze Stolz der Grillenburger. Bis 2009 war es Sitz einer Stiftung, doch seitdem verfällt es. Der Putz bröckelt, das Mauerwerk ist teils durchfeuchtet. Nur das Dach wurde 2011 repariert.

Malerisches Idyll: In Grillenburg steht das Insel-Areal mit Jagdschloss, Jägerhaus und Nebengebäuden zum Verkauf.
Malerisches Idyll: In Grillenburg steht das Insel-Areal mit Jagdschloss, Jägerhaus und Nebengebäuden zum Verkauf.

„Das Schloss ist sanierungs- und modernisierungsbedürftig“, sagt Kai Hemmerlein (44) vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB), das für den Verkauf zuständig ist. Neben Schloss und Jägerhaus erwirbt der Käufer noch Gärtnerhaus, Nebengebäude und eine Sandsteinbrücke.

Das Areal (zwei Hektar, 4000 Quadratmeter überdachte Nutzfläche) ist denkmalgeschützt. Auf den Käufer kommen Kosten im Millionenbereich zu.

„Entscheidend für uns ist ein tragfähiges Konzept zur Nutzung“, betont Hemmerlein. Im Frühjahr werden alle eingegangenen Angebote geprüft, das SIB freut sich über jeden Interessenten. Nur Käufer aus der rechten Ecke haben keine Chance. Schon früher befürchtete man, dass die Mutschmann-Villa als rechte Pilgerstätte dienen könnte.

Ein Verkauf an die Republikaner wurde 2006 von der Stadt Tharandt verhindert.

Fotos: dpa, Holm Helis


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