Autofahrer mit Pfefferspray attackiert: Der Grund ist absurd

Dresden - Motzen, Meckern, Mittelfinger zeigen - so drücken Autofahrer im Straßenverkehr gern mal ihren Frust aus. Nicht so André M. (32) aus Freital. An einer Ampel sprühte er einem Arzt (68) aus nächster Nähe Pfefferspray ins Gesicht - und das nur, weil der Berliner ihm zu langsam fuhr.

Reagiert schnell über: André M. (32) griff einen Autofahrer an. Inzwischen hat er sich medizinisches Cannabis verschreiben lassen, um ruhiger zu werden.
Reagiert schnell über: André M. (32) griff einen Autofahrer an. Inzwischen hat er sich medizinisches Cannabis verschreiben lassen, um ruhiger zu werden.  © Steffen Füssel

Dr. Joachim H. war zu Besuch und auf dem Weg von Pirna nach Dresden, als er im Rückspiegel sah, wie sich ein Drängler näherte: Dieser fuhr dicht auf, setzte ihn per Lichthupe unter Druck.

"Ich empfand das als bedrohlich", sagte der Internist am gestrigen Mittwoch vor dem Dresdner Amtsgericht als Zeuge.

"Er fuhr die ganze Zeit langsam, machte keinen Anstalten die Spur zu wechseln", schilderte André M. die Situation. "Ich war total in Rage und wollte ihn zur Rede stellen!" An einer Ampel stieg der Arbeitslose dann aus seinem VW Polo und signalisierte dem verdutzten Mercedes-Fahrer, er solle die Scheibe herunterlassen.

Hinter seinem Rücken: eine Dose Pfefferspray. Kaum war die Scheibe unten, sprühte André M. dem Arzt aus 30 Zentimeter Entfernung ins Gesicht. "Ich dachte erst, es war ein Säure-Angriff, hatte Angst, das Augenlicht zu verlieren!"

André H. begründete die Tat damit, dass eine schwere Kindheit hatte, sein Vater habe ihn geschlagen. "Außerdem leide ich unter ADHS, deswegen koche ich sehr schnell hoch." Joachim H. zeigte sich verständnisvoll. Als der Richter vor der Urteilsverkündung kurz den Saal verließ, fielen sich Täter und Opfer plötzlich in die Arme.

"Es tut mir aufrichtig leid", wimmerte André H. Eine Strafe gab's trotzdem: 6 Monate auf Bewährung, wegen schwerer Körperverletzung.


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