Weil er bei sich Lämmer schächten ließ, droht Fleischer Knast

Freital - Harry S. (77) muss 30 Tage in Haft. Doch das ist dem Fleischermeister im wahrsten Sinne des Wortes Wurst: "Geh ich eben in den Knast. Die Strafe jedenfalls zahle ich nicht!", wettert der Rentner, der in seiner alten Schlachterei Lämmer schächten ließ.

Harry S. (77) will zwar künftig nicht mehr schlachten lassen, aber seinen Laden möchte er schon wieder eröffnen.
Harry S. (77) will zwar künftig nicht mehr schlachten lassen, aber seinen Laden möchte er schon wieder eröffnen.  © Ove Landgraf

Laut Tierschutzgesetz ist Schächten, das Töten von Tieren ohne vorherige Betäubung, verboten. Das aber geschah laut Staatsanwalt im Hinterhof der alten, längst geschlossenen Fleischerei in Freital an der Dresdner Straße. Deshalb setzte es eine Geldstrafe von 600 Euro, wahlweise 30 Tage Haft.

"Wir haben Moslems in Freital", so der Metzger. "Die fragten, ob sie hier schlachten können. Ich half, die Tiere anzubinden. Dann bin ich raus, weil die Männer beteten. Als ich zurückkam, waren die Tiere tot und unter meiner Anweisung wurden sie zerlegt. Ob geschächtet oder geschlachtet wurde, geht mich nichts an." Das sah das Veterinäramt anders.

Im Übrigen auch die Hygiene. Anita W. (57), die einst bei Harry putze, erzählt angeekelt: "Da ging nichts mehr zu putzen. Alles runtergewirtschaftet. Und heimlich macht er doch noch Wurst. Ich sah überlagerte Gewürze. Und er ließ nicht mit sich reden. Als im T5 Schafe angeliefert wurden, rief ich die Polizei." So wurde Harry S. ein Fall für die Justiz.

Das Amtsgericht Dippoldiswalde verhängte die Strafe gegen ihn in Abwesenheit. Denn den Prozess schwänzte der Fleischer am Freitag. Der Metzger versteht die ganze Aufregung nicht. Im Gegenteil: "Ich brauche nur zwei Verkäuferinnen, dann mache ich meinen Laden wieder auf", so Harry S. inmitten seines ruinösen Grundstücks.

Anita (57) und Tochter Dominique W. (29) schilderten der Polizei die widerlichen Zustände in der ehemaligen Fleischerei.
Anita (57) und Tochter Dominique W. (29) schilderten der Polizei die widerlichen Zustände in der ehemaligen Fleischerei.  © Ove Landgraf
Noch zeugt die Werbung am Haus von besseren Zeiten in der der inzwischen abgewirtschafteten Fleischerei.
Noch zeugt die Werbung am Haus von besseren Zeiten in der der inzwischen abgewirtschafteten Fleischerei.  © Ove Landgraf