Politiker zieht aus Angst vor Rechten aus Sachsen weg

Michael Richter wird Freital verlassen und nach Bayern ziehen.
Michael Richter wird Freital verlassen und nach Bayern ziehen.  © DPA

Freital – Der Linken-Politiker Michael Richter wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Zielscheibe von rechten Hass-Angriffen. Jetzt zieht der Stadtrat seine Konsequenzen.

2015, zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise, protestierten und pöbelten immer wieder rechte Bürger gegen ein Flüchtlingsheim in Freital. Die rechtsradikalen Terroristen der "Gruppe Freital" verübte dort Anschläge, unter anderem wurde auch der linke Stadtrat Michael Ritter immer wieder angegriffen, weil er sich für die Flüchtlinge in der Stadt einsetzte.

So wurden mehrere illegale Polenböller in sein Auto geschmissen. Die Explosion zerstörte den Innenraum komplett (TAG24 berichtete). In einem Spiegel-Interview erzählt er jetzt, dass es dabei nicht blieb. Er bekäme immer wieder Hassmails und sogar Morddrohungen wie: "Stellt ihn an die Wand, erschießt ihn, steinigt ihn."

Die "Gruppe Freital" sei zwar zerschlagen, doch es gäbe immer noch Befürworter der Taten in der Stadt. "Und deren Unterstützernetzwerk existiert ja weiterhin. Beruhigt hat sich die Lage in Freital definitiv nicht", so Richter.

Ermittler bei der Spurensicherung nach einem Anschlag auf ein Linken-Büro in Freital.
Ermittler bei der Spurensicherung nach einem Anschlag auf ein Linken-Büro in Freital.  © DPA

Er berichtet gegenüber der Zeitung, dass er sich in ständiger Angst durch seine Heimatstadt bewegt und zuletzt versuchte, immer weniger Zeit dort zu verbringen.

"Ich bin schon jetzt nur noch selten in Freital, weil ich mich hier permanent von Rechten umgeben fühle. Einer von denen wohnt nur ein paar hundert Meter von meiner Wohnung entfernt", erklärt er.

Jetzt zieht er die letzte Konsequenz: Er verlässt die Stadt und geht nach Bayern. Dort habe er auch ein Jobangebot bekommen, was ihm diesen Neuanfang finanziell erleichtert, sagte er dem MDR.

Und Richter fürchtet, dass das vergiftete Klima in der Gesellschaft, die Bedrohungen und Angriffe auf Lokalpolitiker noch weitere Folgen haben werden. Es würde immer schwieriger, Menschen zu finden, die bereit sind, ehrenamtlich Politik zu machen.

So könnte es seiner Meinung nach schwer werden, für die Kommunalwahl 2019 genügend Kandidaten aufzustellen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei uns Linken viele Lust haben, in einem solchen politischen Klima ehrenamtlich die Pflichten eines Stadtrats zu übernehmen. Mein Mandat im Kreistag übernimmt jetzt der einzige Kollege, der dazu überhaupt noch bereit ist", sagt er gegenüber dem Spiegel.

Gegen die Eröffnung eines Asylheims in Freital gab es 2015 heftige Proteste.
Gegen die Eröffnung eines Asylheims in Freital gab es 2015 heftige Proteste.  © DPA

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